Parodontologie Grundlagen 6 Min

Die Therapiestufen im Überblick

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die Leitlinie ordnet die Behandlung in Stufen, die aufeinander aufbauen. Wer die Logik dahinter versteht, kann jedem Patienten erklären, warum es nicht schneller geht.

1Was jede Stufe leistetVier Stufen mit vier verschiedenen Zielen.
2Warum die erste Stufe nicht übersprungen wirdOhne sie hält nichts, was danach kommt.
3Was bei der Reevaluation entschieden wirdSie ist der eigentliche Entscheidungspunkt.
4Warum die letzte Stufe nicht endetSie ist keine Nachsorge, sondern Teil der Therapie.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Können wir das nicht in einem Termin machen?“

Aufklärungsgespräch47 Jahre, Parodontitis Stadium III. Der Behandlungsplan sieht mehrere Sitzungen über mehrere Monate vor. „Warum dauert das so lange? Können Sie das nicht in einem Termin machen?“

Die Frage ist berechtigt, und die Antwort ist nicht „so machen wir das“. Jede Stufe hat eine Aufgabe, und die nächste setzt voraus, dass die vorherige erledigt ist.

Der springende PunktDie Stufen bauen aufeinander auf. Wer die Instrumentierung ohne vorherige Entzündungskontrolle beginnt, arbeitet gegen einen Biofilm, der sich täglich neu bildet.

Die vier Stufen

Stufe Ziel Inhalte
1 Verhaltensänderung und Entzündungskontrolle Mundhygieneinstruktion, supragingivale Reinigung, Risikofaktoren ansprechen
2 Beseitigung des subgingivalen Biofilms Subgingivale Instrumentierung, gegebenenfalls mit adjuvanten Maßnahmen
3 Behandlung verbliebener Taschen Erneute Instrumentierung oder chirurgische Verfahren
4 Erhalt des Ergebnisses Unterstützende Parodontitistherapie in individuell festgelegten Intervallen

Der Umfang richtet sich nach dem Stadium. Bei Stadium I kann die Behandlung nach Stufe 2 abgeschlossen sein; bei Stadium III wird Stufe 3 in aller Regel gebraucht. Die Stufen sind also kein starres Programm, sondern eine Abfolge, die so weit gegangen wird, wie der Befund es verlangt.

Der subgingivale Biofilm bildet sich aus dem supragingivalen nach. Wird instrumentiert, während die häusliche Reinigung nicht funktioniert, ist die Tasche binnen Wochen wieder besiedelt. Die erste Stufe ist deshalb keine Vorbereitung im Sinne einer Formalität, sondern die Bedingung dafür, dass die zweite überhaupt wirken kann. Sie umfasst ausdrücklich auch das Ansprechen von Risikofaktoren wie dem Rauchen.

Nach Abschluss der Instrumentierung und einer Heilungsphase wird neu befundet: Wo ist die Sondierungstiefe gesunken, wo blutet es noch, welche Taschen bestehen fort. Aus diesem Befund ergibt sich, ob Stufe 3 nötig ist und in welcher Form. Die Reevaluation ist damit der eigentliche Entscheidungspunkt der gesamten Therapie — nicht die Planung am Anfang.

Was du dem Patienten sagen kannst

Frage Antwort in einem Satz
„Warum so viele Termine?“ Jeder Schritt setzt voraus, dass der vorherige gewirkt hat
„Warum erst reinigen, dann behandeln?“ Sonst ist die Tasche nach zwei Wochen wieder besiedelt
„Wann bin ich fertig?“ Die Behandlung endet, die Nachsorge nicht
„Und wenn ich nichts ändere?“ Dann hält das Ergebnis nicht — das ist der ehrliche Teil
⚠️ Die letzte Stufe ist keine Nachsorge

Sie wird oft so genannt und damit missverstanden — als sei die Behandlung vorher abgeschlossen. Sie ist Teil der Therapie: Ohne sie fällt das Ergebnis der ersten drei Stufen zurück. Diese Botschaft gehört an den Anfang der Behandlung, nicht ans Ende.

Drei Fragen

Ein Patient mit Stadium III fragt, warum die Behandlung mehrere Monate dauert. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Kein Instrument ersetzt die häusliche Reinigung. Wird instrumentiert, während der supragingivale Biofilm bestehen bleibt, ist die Tasche binnen Wochen wieder besiedelt.Offene FrageWie lange dauert diese Wiederbesiedlung? Die Angaben schwanken, aber sie geschieht in Wochen, nicht in Monaten. Genau das macht die erste Stufe zur Bedingung und nicht zur Vorbereitung.

Welche Aussagen zum Stufenschema treffen zu?

Drei. Bei Stadium I kann nach Stufe 2 Schluss sein, und die unterstützende Therapie ist auf Dauer angelegt.Offene FrageWie lange ist „auf Dauer“? Solange die Zähne erhalten werden sollen. Das klingt hart, ist aber die ehrliche Auskunft — und sie sollte am Anfang der Behandlung fallen, nicht wenn der Patient nach dem letzten Termin fragt.

Was ist der eigentliche Entscheidungspunkt der Therapie?

Die erste. Erst der Befund nach der Instrumentierung zeigt, welche Taschen bestehen bleiben und wo weitere Maßnahmen nötig sind. Vorher lässt sich das nicht seriös festlegen.Offene FrageWas heißt das für die Aufklärung am Anfang? Dass ein chirurgischer Eingriff als Möglichkeit benannt wird, nicht als Plan. Wer ihn vorab fest einplant, entscheidet ohne die Information, die dafür nötig wäre.

Das, was hängenbleiben soll

Jede Stufe setzt voraus, dass die vorherige gewirkt hat — deshalb geht es nicht schneller.

Quellen

  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: stufenweiser Aufbau der Therapie, Inhalte und Ziele jeder Stufe sowie die Reevaluation als Übergang
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK. Deutsche Implementierung der EFP-Leitlinie, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung des Stufenschemas und seine Anpassung an das hiesige Versorgungssystem
  • Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit Juli 2021.Deckt ab: Abbildung des Stufenschemas in der vertragszahnärztlichen Versorgung einschließlich der Nachsorge
  • Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: stadienabhängige Festlegung des Behandlungsumfangs

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.