Fluorose und MIH unterscheiden
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Beide zeigen weiße Flecken im Schmelz, und beide werden regelmäßig verwechselt. Die Unterscheidung gelingt mit zwei Merkmalen — und sie ist folgenreich, weil das eine harmlos ist und das andere behandlungsbedürftig.
„Das kommt vom Fluorid, hat man mir gesagt“
Zwei Angaben sprechen dagegen: die unterschiedliche Ausprägung an den vier Molaren und der Substanzverlust.
Die diagnostischen Kriterien
Die europäische Fachgesellschaft hat für MIH klare Kriterien formuliert. Kennzeichnend sind abgegrenzte Opazitäten im okklusalen und bukkalen Kronenbereich, deren Farbe von weiß über cremefarben bis gelb oder bräunlich reicht. Defekte unter einem Millimeter Größe sollen nicht gewertet werden. Für die Diagnose muss mindestens ein erster bleibender Molar betroffen sein.
Weitere Merkmale sind der Verlust der zunächst gebildeten Schmelzoberfläche nach dem Durchbruch — typischerweise im Bereich einer vorbestehenden Opazität — sowie Empfindlichkeit, die von leichter Reizantwort bis zu spontaner Überempfindlichkeit reicht.
Die beiden nebeneinander
| Merkmal | Fluorose | MIH |
|---|---|---|
| Verteilung | symmetrisch, alle gleichzeitig mineralisierenden Zähne | asymmetrisch, ungleich ausgeprägt |
| Begrenzung | diffus, oft streifig | scharf abgegrenzte Opazität |
| Farbe | weiß bis kreidig | weiß, cremefarben, gelb oder bräunlich |
| Substanzverlust | in leichten Formen keiner | Einbruch nach Durchbruch möglich |
| Empfindlichkeit | in der Regel keine | häufig, bis zur Spontanüberempfindlichkeit |
| Folgen | meist ästhetisch | Kariesrisiko, Restaurationsbedarf, Behandlungsbelastung |
Dieselben abgegrenzten Opazitäten kommen auch an zweiten Milchmolaren vor. Dieser Befund ist als eigene Entität beschrieben und gilt als Hinweis darauf, dass später MIH auftreten kann — bei betroffenen Kindern lohnt der genauere Blick auf die durchbrechenden Sechsjahrmolaren.
Drei Fragen
An den vier ersten bleibenden Molaren eines Achtjährigen zeigen sich unterschiedlich stark ausgeprägte, scharf abgegrenzte cremefarbene Flecken, an einem davon ein Einbruch. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur MIH treffen zu?
Was folgt aus der Unterscheidung praktisch?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Lygidakis NA, Wong F, Jälevik B, Vierrou AM, Alaluusua S, Espelid I. Best clinical practice guidance for clinicians dealing with children presenting with molar-incisor-hypomineralisation (MIH) — an EAPD policy document. European Archives of Paediatric Dentistry 2010; 11: 75–81. Enthält die diagnostischen Kriterien.Deckt ab: diagnostische Kriterien der MIH: abgegrenzte Opazitäten, Farbe, Mindestgröße, betroffene Zähne
- Lygidakis NA, Garot E, Somani C, Taylor GD, Rouas P, Wong FSL. Best clinical practice guidance for clinicians dealing with children presenting with molar-incisor-hypomineralisation (MIH) — an updated European Academy of Paediatric Dentistry policy document. European Archives of Paediatric Dentistry 2022; 23: 3–21.Deckt ab: aktualisierte Bewertung der Ätiologie, Schweregradeinteilung und Abgrenzung verwandter Befunde
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Für gesunde Zähne: Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern. Stellungnahme zur Abwägung zwischen Kariesprävention und Fluoroserisiko.Deckt ab: Entstehung der Zahnfluorose, Zusammenhang mit der Gesamtfluoridaufnahme und Prävalenzangaben
- S2k-Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“, AWMF-Register-Nr. 083-001, federführend DGZMK, DGZ und DGKiZ.Deckt ab: Fluoridaufnahme und Fluoroserisiko, Grenzwerte der Gesamtaufnahme
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