Kinderzahnheilkunde Grundlagen 7 Min

Fluoridierung nach Alter und Risiko

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Zu kaum einem Thema kursieren so viele veraltete Zahlen. Seit 2021 gibt es gemeinsame Empfehlungen von Kinder- und Zahnärzten — und sie weichen von dem ab, was viele gelernt haben.

1Was seit 2021 giltEine Konzentration für alle Altersstufen, zwei Mengen.
2Was nicht mehr empfohlen wirdEine Konzentration ist ganz aus den Empfehlungen verschwunden.
3Warum Tabletten und Zahnpasta sich ausschließenDie Aufnahme addiert sich.
4Wie sicher das istDie Fachgesellschaft hat dazu ausdrücklich Stellung genommen.
7 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

„Ist das zu viel?“

Recall3 Jahre. Die Mutter gibt Fluoridtabletten, die der Kinderarzt verordnet hat, und putzt zusätzlich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta. „Der Kinderarzt hat Tabletten verschrieben und ich gebe ihr auch schon Zahnpasta. Ist das zu viel?“

Die Frage ist berechtigt, und sie hat eine klare Antwort. Der Fall zeigt zugleich das Problem, das die Empfehlungen von 2021 lösen sollten: Kinder- und Zahnärzte rieten jahrelang Unterschiedliches, und Eltern machten im Zweifel beides.

Der springende PunktDie Aufnahme aus verschiedenen Quellen addiert sich. Tabletten und fluoridhaltige Zahnpasta sollen deshalb nicht kombiniert werden.

Was seit 2021 gilt

Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ hat gemeinsame Handlungsempfehlungen erarbeitet, getragen von zahnmedizinischen und pädiatrischen Fachgesellschaften. Der Kern:

Alter Empfehlung
Bis zum ersten Zahn Fluoridtablette, kombiniert mit Vitamin D
Ab dem ersten Zahn bis 12 Monate Wahl zwischen Zahnpasta mit 1.000 ppm in Reiskorngröße oder Tablette
12 bis 24 Monate Zweimal täglich Zahnpasta mit 1.000 ppm, reiskorngroß
Ab 24 Monaten bis 6 Jahre Zweimal täglich Zahnpasta mit 1.000 ppm, erbsengroß

Zahnpasta mit 500 ppm ist in diesen Empfehlungen nicht mehr vorgesehen. Sie war in älteren Empfehlungen für Kleinkinder gebräuchlich — wer noch danach berät, gibt einen überholten Stand weiter.

Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken, sie schlucken sie. Deshalb ist die Menge der entscheidende Sicherheitsfaktor: Eine reiskorngroße Portion entspricht etwa 0,125 Gramm, eine erbsengroße etwa 0,25 Gramm. Wird die Menge eingehalten, bleibt die Gesamtaufnahme deutlich unter den international akzeptierten Grenzwerten.

Nach der Anhebung auf 1.000 ppm kamen Fragen zum Fluoroserisiko auf. Die kinderzahnärztliche Fachgesellschaft hat dazu ausdrücklich Stellung genommen: Die Empfehlungen unterschreiten international akzeptierte Grenzwerte der systemischen Aufnahme deutlich, so dass bei Einhaltung der Mengen das Fluoroserisiko nicht ansteigt. Voraussetzung ist die korrekte Dosierung — und genau die gehört in der Praxis eingeübt.

Was du im Fall konkret sagst

Bei der dreijährigen Patientin liegt eine Doppelversorgung vor. Die Empfehlung lautet, sich für einen Weg zu entscheiden — und in diesem Alter ist die Zahnpasta der vorgesehene.

Punkt Inhalt
Was du empfiehlst Zahnpasta beibehalten, erbsengroße Menge, 1.000 ppm; Tabletten absetzen
Warum Die Aufnahme aus beiden Quellen addiert sich
Wer noch beteiligt ist Rückmeldung an die kinderärztliche Praxis, damit beide denselben Stand haben
Was du dokumentierst Beratungsinhalt und die vereinbarte Vorgehensweise
⚠️ Zum Ton gegenüber der kinderärztlichen Praxis

Die Verordnung war nach älteren Empfehlungen korrekt. Es geht nicht um einen Fehler, sondern um einen gemeinsamen Stand — und genau dafür wurden die Empfehlungen von 2021 erarbeitet.

Drei Fragen

Eine Mutter gibt ihrem dreijährigen Kind Fluoridtabletten und putzt zusätzlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die Empfehlungen von 2021 sehen durchgehend 1.000 ppm vor. Zahnpasta mit 500 ppm kommt darin nicht mehr vor — sie stammt aus älteren Empfehlungen.Offene FrageWas, wenn eine Familie noch eine 500-ppm-Paste zu Hause hat? Dann ist das kein Notfall, sondern ein Hinweis für den nächsten Einkauf. Wichtiger als die letzte Tube ist, dass die Menge stimmt.

Welche Angaben entsprechen den gemeinsamen Empfehlungen von 2021?

Drei. Die 500-ppm-Paste ist entfallen, und die Kombination von Tabletten und Zahnpasta soll gerade vermieden werden.Offene FrageWarum wurde die Konzentration überhaupt angehoben? Weil die kariespräventive Wirkung von der Konzentration abhängt und die niedrigere Konzentration weniger wirksam war. Das Fluoroserisiko wird stattdessen über die Menge kontrolliert — deshalb ist die Dosierung so zentral.

Wie erklärst du der Mutter das Fluoroserisiko sachlich?

Die erste. Die Aussage ist zutreffend und nimmt die Sorge ernst, ohne sie abzutun. Fluorose entsteht durch die Gesamtaufnahme aus allen Quellen, und ein Verzicht würde die Kariesprävention aufgeben.Offene FrageWarum überzeugt die Zahl mehr als die Beruhigung? Weil sie die Bedingung nennt: Die Sicherheit hängt an der Dosierung. Damit bekommt die Mutter etwas in die Hand, das sie selbst kontrollieren kann.

Das, was hängenbleiben soll

Eine Konzentration, zwei Mengen — und niemals Tabletten und Zahnpasta zugleich.

Quellen

  • Netzwerk „Gesund ins Leben“ — Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Gemeinsame Handlungsempfehlungen zahnmedizinischer und pädiatrischer Fachgesellschaften, 2021.Deckt ab: gemeinsame Empfehlungen zu Fluoridzahnpasta nach Alter, Konzentration und Menge sowie zur Frage Tabletten oder Zahnpasta
  • S2k-Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“, AWMF-Register-Nr. 083-001, federführend DGZMK, DGZ und DGKiZ.Deckt ab: Fluoridierungsmaßnahmen und Grenzwerte der Gesamtaufnahme
  • Bundesinstitut für Risikobewertung. Für gesunde Zähne: Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern. Stellungnahme zur Abwägung zwischen Kariesprävention und Fluoroserisiko.Deckt ab: Abwägung zwischen Kariesprävention und Fluoroserisiko, Mehrfachexposition durch verschiedene Quellen
  • Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin. Stellungnahme zum Sicherheitsspielraum der Fluoridempfehlungen von 2021.Deckt ab: Bewertung der Sicherheit der Empfehlungen von 2021 und des Fluoroserisikos bei korrekter Dosierung
  • Toumba KJ, Twetman S, Splieth C, Parnell C, van Loveren C, Lygidakis NA. Guidelines on the use of fluoride for caries prevention in children — an updated EAPD policy document. European Archives of Paediatric Dentistry 2019.Deckt ab: europäische Empfehlungen zur Fluoridanwendung bei Kindern einschließlich professioneller Anwendungen

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