Fluoridierung nach Alter und Risiko
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Zu kaum einem Thema kursieren so viele veraltete Zahlen. Seit 2021 gibt es gemeinsame Empfehlungen von Kinder- und Zahnärzten — und sie weichen von dem ab, was viele gelernt haben.
„Ist das zu viel?“
Die Frage ist berechtigt, und sie hat eine klare Antwort. Der Fall zeigt zugleich das Problem, das die Empfehlungen von 2021 lösen sollten: Kinder- und Zahnärzte rieten jahrelang Unterschiedliches, und Eltern machten im Zweifel beides.
Was seit 2021 gilt
Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ hat gemeinsame Handlungsempfehlungen erarbeitet, getragen von zahnmedizinischen und pädiatrischen Fachgesellschaften. Der Kern:
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| Bis zum ersten Zahn | Fluoridtablette, kombiniert mit Vitamin D |
| Ab dem ersten Zahn bis 12 Monate | Wahl zwischen Zahnpasta mit 1.000 ppm in Reiskorngröße oder Tablette |
| 12 bis 24 Monate | Zweimal täglich Zahnpasta mit 1.000 ppm, reiskorngroß |
| Ab 24 Monaten bis 6 Jahre | Zweimal täglich Zahnpasta mit 1.000 ppm, erbsengroß |
Zahnpasta mit 500 ppm ist in diesen Empfehlungen nicht mehr vorgesehen. Sie war in älteren Empfehlungen für Kleinkinder gebräuchlich — wer noch danach berät, gibt einen überholten Stand weiter.
Was du im Fall konkret sagst
Bei der dreijährigen Patientin liegt eine Doppelversorgung vor. Die Empfehlung lautet, sich für einen Weg zu entscheiden — und in diesem Alter ist die Zahnpasta der vorgesehene.
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Was du empfiehlst | Zahnpasta beibehalten, erbsengroße Menge, 1.000 ppm; Tabletten absetzen |
| Warum | Die Aufnahme aus beiden Quellen addiert sich |
| Wer noch beteiligt ist | Rückmeldung an die kinderärztliche Praxis, damit beide denselben Stand haben |
| Was du dokumentierst | Beratungsinhalt und die vereinbarte Vorgehensweise |
Die Verordnung war nach älteren Empfehlungen korrekt. Es geht nicht um einen Fehler, sondern um einen gemeinsamen Stand — und genau dafür wurden die Empfehlungen von 2021 erarbeitet.
Drei Fragen
Eine Mutter gibt ihrem dreijährigen Kind Fluoridtabletten und putzt zusätzlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Angaben entsprechen den gemeinsamen Empfehlungen von 2021?
Wie erklärst du der Mutter das Fluoroserisiko sachlich?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Netzwerk „Gesund ins Leben“ — Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Gemeinsame Handlungsempfehlungen zahnmedizinischer und pädiatrischer Fachgesellschaften, 2021.Deckt ab: gemeinsame Empfehlungen zu Fluoridzahnpasta nach Alter, Konzentration und Menge sowie zur Frage Tabletten oder Zahnpasta
- S2k-Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“, AWMF-Register-Nr. 083-001, federführend DGZMK, DGZ und DGKiZ.Deckt ab: Fluoridierungsmaßnahmen und Grenzwerte der Gesamtaufnahme
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Für gesunde Zähne: Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern. Stellungnahme zur Abwägung zwischen Kariesprävention und Fluoroserisiko.Deckt ab: Abwägung zwischen Kariesprävention und Fluoroserisiko, Mehrfachexposition durch verschiedene Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin. Stellungnahme zum Sicherheitsspielraum der Fluoridempfehlungen von 2021.Deckt ab: Bewertung der Sicherheit der Empfehlungen von 2021 und des Fluoroserisikos bei korrekter Dosierung
- Toumba KJ, Twetman S, Splieth C, Parnell C, van Loveren C, Lygidakis NA. Guidelines on the use of fluoride for caries prevention in children — an updated EAPD policy document. European Archives of Paediatric Dentistry 2019.Deckt ab: europäische Empfehlungen zur Fluoridanwendung bei Kindern einschließlich professioneller Anwendungen
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