Kinderzahnheilkunde Vertiefung 6 Min

Kinder mit ADHS

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der übliche Reflex ist, Ruhe einzufordern. Das funktioniert hier am wenigsten — was funktioniert, ist das Gegenteil: dem Kind etwas zu tun geben.

1Warum Stillhalten die falsche Anforderung istSie verlangt genau das, was schwerfällt.
2Wie du den Termin legstZwei Faktoren, die du steuern kannst.
3Wie du das Kind einbindestAufgaben statt Ermahnungen.
4Was die Medikation für die Zähne bedeutetEine Nebenwirkung mit Folgen für das Kariesrisiko.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Wann bin ich fertig?“

Behandlung9 Jahre, ADHS. Füllung an einem Molaren. Das Kind steht wiederholt vom Stuhl auf, unterbricht und kann kaum fünf Minuten am Stück stillhalten. Die Mutter ist sichtlich angespannt. „Bin ich fertig? Wann bin ich fertig? Was machst du jetzt? Kann ich aufstehen?“

Die Fragen sind kein Widerstand, sondern der Versuch, sich zu orientieren. Wer sie als Störung behandelt, verstärkt sie.

Der springende PunktDie Aufmerksamkeit lässt sich nicht durch Ermahnung verlängern. Sie lässt sich aber durch Struktur, kurze Abschnitte und eine Aufgabe binden.

Was den Termin trägt

Faktor Was du tun kannst
Tageszeit Termine früh am Tag legen, wenn die Medikation eingenommen wurde
Wartezeit So kurz wie möglich — Warten kostet Aufmerksamkeit, die danach fehlt
Dauer Kurze Termine mit klarem Ende, lieber zwei kurze als einen langen
Struktur Den Eingriff in benannte Abschnitte teilen und die Abschnitte ansagen
Pausen Von vornherein einplanen, nicht erst wenn es nicht mehr geht

Ein Kind, das eine Aufgabe hat, hält besser still als eines, dem Stillhalten befohlen wird. Die Hände auf den Bauch legen und die eigenen Atemzüge zählen, den Spiegel halten, bis zehn zählen bis zur nächsten Pause — all das bindet Aufmerksamkeit und gibt Kontrolle. Der Unterschied zur Ermahnung ist entscheidend: Die Aufgabe ist erfüllbar, die Anforderung „halt still“ ist es in diesem Moment nicht.

Stimulanzien können zu Mundtrockenheit führen. Weniger Speichel bedeutet weniger Selbstreinigung und weniger Pufferkapazität — und damit ein erhöhtes Kariesrisiko. Das ist kein Grund gegen die Medikation, wohl aber einer, die Prophylaxe daran anzupassen: engere Intervalle, intensivere Fluoridierung, Beratung zu Trinkverhalten und zuckerfreien Alternativen.

Wie du sprichst

Statt Besser
„Du musst jetzt stillhalten“ „Leg die Hände auf den Bauch und zähl deine Atemzüge“
„Gleich sind wir fertig“ „Noch drei Sekunden, dann machen wir Pause“
„Nicht schon wieder aufstehen“ „Nach diesem Teil darfst du dich einmal strecken“
„Sei doch mal ruhig“ „Halt du den Spiegel und schau, was ich mache“
⚠️ Zur Rolle der Eltern

Die Anspannung der Mutter in diesem Fall ist verständlich — sie kennt die Situation aus vielen anderen Zusammenhängen und rechnet mit einer Blamage. Ein Satz vorab, dass Bewegung hier erwartbar ist und eingeplant wurde, nimmt ihr den Druck. Und ein entspanntes Elternteil hilft dem Kind mehr als jede Ermahnung.

Drei Fragen

Ein neunjähriges Kind mit ADHS steht während der Behandlung wiederholt auf. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die Aufforderung verlangt genau das, was in diesem Moment am schwersten fällt — und ihre Wiederholung erzeugt Druck ohne Wirkung.Offene FrageWie lang darf ein Termin realistisch sein? Die Empfehlungen nennen keine feste Zahl, und die Spanne ist groß. Praktisch bewährt sich, den Eingriff so zu teilen, dass jeder Abschnitt für sich abgeschlossen werden kann.

Welche Maßnahmen sind bei der Terminplanung sinnvoll?

Drei. Behandlungen zusammenzulegen verlängert genau das, was schwerfällt, und eine Ermahnung vorab setzt den Termin unter Vorzeichen, die niemandem helfen.Offene FrageUnd wenn die Familie weit anreist und mehrere Termine kaum möglich sind? Dann wird die Sitzung in klare Abschnitte mit echten Pausen geteilt. Das ist etwas anderes als eine durchgehend lange Behandlung.

Welche Konsequenz hat die medikamentenbedingte Mundtrockenheit?

Die erste. Weniger Speichel heißt weniger Selbstreinigung und weniger Pufferkapazität. Das Absetzen der Medikation ist keine zahnärztliche Entscheidung und wäre hier auch kontraproduktiv.Offene FrageWie stark ist der Effekt? Das lässt sich im Einzelfall schlecht beziffern. Was sich sagen lässt: Er gehört in die Risikobewertung — und damit in die Entscheidung über Recallintervall und Fluoridierung.

Das, was hängenbleiben soll

Gib dem Kind eine Aufgabe, nicht eine Ermahnung.

Quellen

  • American Academy of Pediatric Dentistry. Management of Dental Patients with Special Health Care Needs. Best Practices. The Reference Manual of Pediatric Dentistry, Ausgabe 2025–2026. Chicago, Ill.: American Academy of Pediatric Dentistry. AAPDDeckt ab: Behandlungsplanung bei eingeschränkter Aufmerksamkeitsspanne, Terminstruktur und Einbindung des Kindes
  • American Academy of Pediatric Dentistry. Behavior Guidance for the Pediatric Dental Patient. Best Practices. The Reference Manual of Pediatric Dentistry, Ausgabe 2025–2026. Chicago, Ill.: American Academy of Pediatric Dentistry. AAPDDeckt ab: Verhaltensführung, Ablenkung und aktive Einbindung als Techniken
  • American Academy of Pediatric Dentistry. Caries-risk Assessment and Management for Infants, Children, and Adolescents. Best Practices. The Reference Manual of Pediatric Dentistry, Ausgabe 2025–2026. Chicago, Ill.: American Academy of Pediatric Dentistry. AAPDDeckt ab: Risikobewertung bei medikamentenbedingter Mundtrockenheit und Anpassung der Prophylaxe
  • International Association of Paediatric Dentistry. Foundational Articles and Consensus Recommendations, 2021.Deckt ab: Konsensempfehlungen zur Betreuung von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf

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