Implantologie Vertiefung 7 Min

Verschraubt oder zementiert

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine Entscheidung, die wie eine Geschmacksfrage aussieht und es nicht ist — weil eine der beiden Varianten ein Risiko mitbringt, das sich nachträglich kaum beheben lässt.

1Was Zementreste anrichtenSie sitzen dort, wo man sie nicht sieht.
2Warum sie schwerer zu entfernen sind als am ZahnZwei anatomische Unterschiede.
3Was für die verschraubte Lösung sprichtUnd was gegen sie.
4Wie sich zementiert sicherer machen lässtWenn sie doch gewählt wird.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

Die Entscheidung vor der Krone

Planung54 Jahre, Implantat regio 46, Einheilung abgeschlossen, Weichgewebe reizlos. Die Implantatachse ist günstig, der Schraubenkanal würde okklusal austreten. Das Labor fragt, ob die Krone verschraubt oder zementiert werden soll.

In dieser Konstellation ist die Antwort einfacher, als sie oft gemacht wird — und der Grund hat mit Ästhetik wenig zu tun.

Der springende PunktSubgingivale Zementreste gehören zu den bekannten Risikofaktoren für eine periimplantäre Entzündung. Sie entstehen unbemerkt und lassen sich schlecht entfernen.

Was Zementreste anrichten

Beim Zementieren wird überschüssiges Material nach apikal in den Sulkus gepresst. Was dort verbleibt, wirkt als Fremdkörper und als Retentionsfläche für Biofilm — und die entzündliche Reaktion darauf ist einer der Wege, auf denen eine Periimplantitis ihren Anfang nimmt.

Systematische Auswertungen beschreiben subgingivale Zementreste bei zementierten Implantatversorgungen häufig und zeigen einen Zusammenhang mit periimplantärer Entzündung. Die europäische Leitlinie führt sie entsprechend unter den Faktoren, die es zu vermeiden gilt.

Zwei anatomische Unterschiede. Erstens verläuft die Faserstruktur um ein Implantat anders: Am Zahn setzen Fasern schräg in den Wurzelzement ein und bilden eine Barriere; am Implantat verlaufen sie überwiegend parallel zur Oberfläche. Der Sulkus ist damit weniger abgedichtet, und Zement gelangt tiefer.

Zweitens ist die Oberfläche unterhalb der polierten Abutmentzone mikrostrukturiert. Zement, der dort haftet, lässt sich mit Sonde oder Kürette nicht sauber ablösen — anders als von einer glatten Wurzeloberfläche.

Dazu kommt: Ein Implantat hat keine Perzeption wie ein Zahn im Parodontalligament. Der Patient bemerkt den Fremdkörper nicht.

Die Abwägung

Verschraubt Zementiert
Zementrisiko entfällt besteht
Abnehmbarkeit jederzeit, zerstörungsfrei nur destruktiv
Passivität der Passung Ungenauigkeiten wirken sich direkt aus Zementspalt gleicht aus
Ästhetik Schraubenkanal muss verschlossen werden geschlossene Kaufläche
Achsanforderung Der Kanal muss günstig austreten unabhängig von der Achse

Die Abnehmbarkeit wird unterschätzt. Eine verschraubte Krone lässt sich lösen — für eine Schraubennachziehung, für die Reinigung, für eine Reparatur oder wenn eine periimplantäre Therapie den Zugang braucht. Bei Bruxismuspatienten, bei denen eine Schraubenlockerung wahrscheinlich ist, ist das ein praktisches Argument.

Wenn die Achse eine Verschraubung nicht zulässt und zementiert werden muss, verringern mehrere Maßnahmen das Risiko:

  • Den Kronenrand so weit wie möglich nach koronal legen — je flacher, desto besser kontrollierbar
  • Zementüberschuss außerhalb des Mundes auf einem Modellanalog abnehmen, bevor die Krone eingesetzt wird
  • Sparsam zementieren
  • Nach dem Einsetzen gezielt sondieren und, wo möglich, radiologisch kontrollieren

Der erste Punkt ist der wirksamste — und er ist eine Entscheidung bei der Abutmentgestaltung, nicht beim Zementieren.

Drei Fragen

Bei einem Implantat regio 46 mit günstiger Achse steht die Entscheidung an. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die Faserstruktur dichtet den Sulkus weniger ab, und die mikrostrukturierte Oberfläche unterhalb der Abutmentzone hält den Zement fest.Offene FrageWarum bemerkt der Patient nichts? Weil dem Implantat die Perzeption über das Parodontalligament fehlt. Ein Zementrest am natürlichen Zahn fällt eher auf.

Was spricht für die verschraubte Lösung?

Drei. Ungenauigkeiten wirken sich bei der Verschraubung gerade direkt aus, und die Achse muss den Schraubenkanal günstig austreten lassen.Offene FrageWarum ist die Abnehmbarkeit so praktisch? Weil eine Schraubenlockerung dann eine Bagatelle bleibt. Bei einer zementierten Krone wird daraus ein zerstörender Eingriff.

Wie lässt sich das Risiko bei zementierter Versorgung am wirksamsten senken?

Die erste. Je flacher der Rand liegt, desto kontrollierbarer ist der Überschuss — und das ist eine Entscheidung bei der Abutmentgestaltung, nicht beim Zementieren.Offene FrageWas hilft zusätzlich? Den Überschuss außerhalb des Mundes auf einem Analog abnehmen, bevor die Krone eingesetzt wird. Damit gelangt deutlich weniger Material in den Sulkus.

Das, was hängenbleiben soll

Was man nicht zementiert, muss man nicht suchen.

Quellen

  • Wilson TG Jr: The positive relationship between excess cement and peri-implant disease – a prospective clinical endoscopic study. Journal of Periodontology 2009; 80(9): 1388–1392 — Zementüberschuss als Auslöser periimplantärer Entzündungen und Rückbildung nach Entfernung. DOIDeckt ab: Häufigkeit subgingivaler Zementreste, ihr Zusammenhang mit periimplantärer Entzündung und der Vergleich verschraubter und zementierter Versorgungen
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Zementreste als Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen und Empfehlungen zur Prävention
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Bewertung iatrogener Faktoren in der Entstehung periimplantärer Infektionen
  • Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Komponentenauswahl, Anzugsdrehmomente und Belastungsvorgaben die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Anzugsdrehmomente und Komponentenauswahl bei verschraubten Versorgungen
  • Sailer I, Mühlemann S, Zwahlen M, Hämmerle CHF, Schneider D: Cemented and screw-retained implant reconstructions – a systematic review of the survival and complication rates. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 163–201 — systematischer Vergleich verschraubter und zementierter Versorgungen. DOIDeckt ab: Vergleich der Überlebens- und Komplikationsraten beider Befestigungsarten

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