Verschraubt oder zementiert
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Eine Entscheidung, die wie eine Geschmacksfrage aussieht und es nicht ist — weil eine der beiden Varianten ein Risiko mitbringt, das sich nachträglich kaum beheben lässt.
Die Entscheidung vor der Krone
In dieser Konstellation ist die Antwort einfacher, als sie oft gemacht wird — und der Grund hat mit Ästhetik wenig zu tun.
Was Zementreste anrichten
Beim Zementieren wird überschüssiges Material nach apikal in den Sulkus gepresst. Was dort verbleibt, wirkt als Fremdkörper und als Retentionsfläche für Biofilm — und die entzündliche Reaktion darauf ist einer der Wege, auf denen eine Periimplantitis ihren Anfang nimmt.
Systematische Auswertungen beschreiben subgingivale Zementreste bei zementierten Implantatversorgungen häufig und zeigen einen Zusammenhang mit periimplantärer Entzündung. Die europäische Leitlinie führt sie entsprechend unter den Faktoren, die es zu vermeiden gilt.
Zweitens ist die Oberfläche unterhalb der polierten Abutmentzone mikrostrukturiert. Zement, der dort haftet, lässt sich mit Sonde oder Kürette nicht sauber ablösen — anders als von einer glatten Wurzeloberfläche.
Dazu kommt: Ein Implantat hat keine Perzeption wie ein Zahn im Parodontalligament. Der Patient bemerkt den Fremdkörper nicht.
Die Abwägung
| Verschraubt | Zementiert | |
|---|---|---|
| Zementrisiko | entfällt | besteht |
| Abnehmbarkeit | jederzeit, zerstörungsfrei | nur destruktiv |
| Passivität der Passung | Ungenauigkeiten wirken sich direkt aus | Zementspalt gleicht aus |
| Ästhetik | Schraubenkanal muss verschlossen werden | geschlossene Kaufläche |
| Achsanforderung | Der Kanal muss günstig austreten | unabhängig von der Achse |
Die Abnehmbarkeit wird unterschätzt. Eine verschraubte Krone lässt sich lösen — für eine Schraubennachziehung, für die Reinigung, für eine Reparatur oder wenn eine periimplantäre Therapie den Zugang braucht. Bei Bruxismuspatienten, bei denen eine Schraubenlockerung wahrscheinlich ist, ist das ein praktisches Argument.
- Den Kronenrand so weit wie möglich nach koronal legen — je flacher, desto besser kontrollierbar
- Zementüberschuss außerhalb des Mundes auf einem Modellanalog abnehmen, bevor die Krone eingesetzt wird
- Sparsam zementieren
- Nach dem Einsetzen gezielt sondieren und, wo möglich, radiologisch kontrollieren
Der erste Punkt ist der wirksamste — und er ist eine Entscheidung bei der Abutmentgestaltung, nicht beim Zementieren.
Drei Fragen
Bei einem Implantat regio 46 mit günstiger Achse steht die Entscheidung an. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was spricht für die verschraubte Lösung?
Wie lässt sich das Risiko bei zementierter Versorgung am wirksamsten senken?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Wilson TG Jr: The positive relationship between excess cement and peri-implant disease – a prospective clinical endoscopic study. Journal of Periodontology 2009; 80(9): 1388–1392 — Zementüberschuss als Auslöser periimplantärer Entzündungen und Rückbildung nach Entfernung. DOIDeckt ab: Häufigkeit subgingivaler Zementreste, ihr Zusammenhang mit periimplantärer Entzündung und der Vergleich verschraubter und zementierter Versorgungen
- Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Zementreste als Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen und Empfehlungen zur Prävention
- S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Bewertung iatrogener Faktoren in der Entstehung periimplantärer Infektionen
- Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Komponentenauswahl, Anzugsdrehmomente und Belastungsvorgaben die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Anzugsdrehmomente und Komponentenauswahl bei verschraubten Versorgungen
- Sailer I, Mühlemann S, Zwahlen M, Hämmerle CHF, Schneider D: Cemented and screw-retained implant reconstructions – a systematic review of the survival and complication rates. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 163–201 — systematischer Vergleich verschraubter und zementierter Versorgungen. DOIDeckt ab: Vergleich der Überlebens- und Komplikationsraten beider Befestigungsarten
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