Implantologie Vertiefung 6 Min

Das Implantat dreht sich durch

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Moment, der im OP unangenehm ist und trotzdem eine klare Antwort hat. Was auf keinen Fall passiert: das Implantat in Position lassen.

1Was in diesem Moment passiert istKein Halt heißt keine Einheilung.
2Welche zwei Wege es gibtUnd wovon die Wahl abhängt.
3Warum Belassen keine Option istDer Ausgang ist absehbar.
4Wie du es dem Patienten erklärstRuhig und ohne Dramatisierung.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Es dreht sich einfach weiter“

Im Eingriff60 Jahre, Implantatinsertion regio 46. Beim Eindrehen fällt der Widerstand plötzlich weg, das Implantat rotiert ohne Drehmomentaufbau. Die Assistenz: „Das Drehmoment ist auf null — es dreht sich einfach weiter.“

Das Implantat hat keinen Halt im Knochen. Damit ist eine Sache entschieden: So kann es nicht bleiben.

Der springende PunktOhne jede Primärstabilität kann keine Osseointegration stattfinden. Ein belassenes Implantat wird zum Frühverlust — mit einem Knochendefekt, den es vorher nicht gab.

Was passiert ist

Mögliche Ursache Woran du es erkennst
Implantatbett zu weit aufbereitet Der Bohrverlauf lässt sich rekonstruieren
Knochen weicher als erwartet Schon beim Bohren geringer Widerstand
Perforation einer Kortikalis Der Bohrer ist tiefer oder seitlich ausgetreten
Implantatdurchmesser zu gering gewählt Für die vorgefundene Knochenqualität

Die Ursache zu klären lohnt sich sofort — sie bestimmt, welcher der beiden Wege in Frage kommt. Dafür wird das Implantat entfernt und das Bett inspiziert, gegebenenfalls mit einer intraoperativen Aufnahme.

Ein größeres Implantat. Wenn der Knochen es hergibt, lässt sich ein Implantat mit größerem Durchmesser oder größerer Länge einsetzen, das im erweiterten Bett wieder Halt findet. Das ist der Weg, der die ursprüngliche Planung rettet.

Abbruch und Neuanlauf. Reicht der Knochen nicht, wird das Bett versorgt, die Wunde verschlossen und nach Ausheilung neu geplant. Das kostet Zeit, ist aber die sichere Variante — und die Ausgangslage beim zweiten Anlauf ist besser, als sie es bei einem verlorenen Implantat wäre.

Was auf keinen Fall passiert

Nicht Warum
Implantat in Position belassen Ohne Halt keine Osseointegration — der Verlust ist absehbar
Mit Zement oder Klebstoff fixieren Ein rotierendes Implantat wird dadurch nicht osseointegriert
Auf gut Glück verschließen und hoffen Verzögert nur die Erkenntnis und vergrößert den Defekt
⚠️ Wie du es dem Patienten erklärst

Ruhig und ohne Dramatisierung: dass sich der Knochen als weicher erwiesen hat als erwartet, dass das Implantat deshalb nicht ausreichend hält und dass es dafür eine gute Lösung gibt. Was du nicht sagst, ist „etwas ist schiefgegangen“ — das ist es nicht. Eine abweichende Knochenqualität ist eine bekannte Möglichkeit, und der Umgang damit gehört zum Eingriff.

Der intraoperative Befund, die getroffene Entscheidung und ihre Begründung. Bei einem Abbruch zusätzlich die Aufklärung des Patienten über das weitere Vorgehen und den neuen Zeitplan.

Das ist auch für die Abrechnung relevant: Ein abgebrochener Eingriff und ein neuer Anlauf sind zwei Behandlungen. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, gehört vorher besprochen — nicht in der Rechnung geklärt.

Drei Fragen

Bei der Insertion regio 46 rotiert das Implantat ohne Drehmomentaufbau. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ohne jede Primärstabilität findet keine Osseointegration statt — der Verlust ist absehbar, und er hinterlässt einen Defekt.Offene FrageWarum ist der Defekt das eigentliche Problem? Weil er den zweiten Anlauf erschwert. Ein rechtzeitiger Abbruch hinterlässt bessere Verhältnisse als ein verlorenes Implantat.

Welche Ursachen kommen in Betracht?

Drei. Einheilzeit und Suprakonstruktion spielen zu diesem Zeitpunkt keine Rolle — das Implantat ist gerade erst gesetzt.Offene FrageWarum lohnt sich die Ursachenklärung sofort? Weil sie bestimmt, welcher Weg in Frage kommt. Ein zu weites Bett bei gutem Knochen ist etwas anderes als generell weicher Knochen.

Wie erklärst du die Situation dem Patienten?

Die erste. Eine abweichende Knochenqualität ist eine bekannte Möglichkeit, und der Umgang damit gehört zum Eingriff — das ist kein Fehler.Offene FrageWarum nicht schweigen? Weil der Patient merkt, dass etwas anders läuft, und weil sich der Zeitplan ändert. Eine ruhige Erklärung im Moment ist besser als eine Rückfrage zwei Wochen später.

Das, was hängenbleiben soll

Kein Halt heißt kein Einheilen — belassen ist keine Option.

Quellen

  • Lages FS, Douglas-de Oliveira DW, Costa FO: Relationship between implant stability measurements obtained by insertion torque and resonance frequency analysis – a systematic review. Clinical Implant Dentistry and Related Research 2018 — Eindrehmoment und Resonanzfrequenzanalyse als voneinander unabhängige Messverfahren. DOIDeckt ab: Zusammenhang zwischen fehlender Primärstabilität und Frühverlust
  • Gebrauchsanweisung und chirurgisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Bohrprotokoll, Drehmomentgrenzen, Komponentenkompatibilität und Einheilzeiten die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Bohrprotokoll, Durchmesserabstufungen und Vorgaben zur Aufbereitung
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation des intraoperativen Verlaufs und Aufklärung über die geänderte Planung

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