Implantologie Grundlagen 6 Min

Das Implantat-Recall

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Patient ist beschwerdefrei und fragt, wozu er kommen soll. Die Antwort ist der Kern der periimplantären Prävention — und sie liegt in dem, was er nicht bemerkt.

1Was die Nachsorge nachweislich bewirktDie Datenlage ist hier ungewöhnlich klar.
2Was bei jedem Termin erhoben wirdFünf Befunde in wenigen Minuten.
3Warum sondiert wirdUnd mit welchem Druck.
4Wie das Intervall festgelegt wirdNach Risiko, nicht nach Kalender.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Muss ich wirklich jedes Mal kommen?“

Erster Recall56 Jahre, Implantat regio 36 seit einem Jahr, beschwerdefrei. „Das Implantat macht keine Probleme — muss ich wirklich jedes Mal kommen?“

Ja, und die Beschwerdefreiheit ist genau der Grund. Periimplantäre Erkrankungen verlaufen lange ohne Symptome — wer auf Beschwerden wartet, kommt spät.

Der springende PunktDie unterstützende periimplantäre Nachsorge senkt nachweislich das Erkrankungsrisiko. Ihr Ausbleiben erhöht es — das ist einer der klarsten Befunde des Fachgebiets.

Was die Nachsorge bewirkt

Die europäische Leitlinie widmet der unterstützenden periimplantären Nachsorge einen eigenen Abschnitt. Die zugrunde liegenden Auswertungen kommen zu einem deutlichen Ergebnis: Wer keine regelmäßige Nachsorge erhält, hat ein erhöhtes Risiko für periimplantäre Erkrankungen. Die Nachsorge kann ihren Beginn verhindern oder verzögern — und sie ist kosteneffektiv, besonders bei Risikopatienten.

Befund Was er zeigt
Sondierungstiefe An mehreren Stellen rings um das Implantat, im Vergleich zum Vorbefund
Blutung auf Sondierung Der empfindlichste Frühindikator
Eiteraustritt Zeichen einer fortgeschrittenen Entzündung
Beweglichkeit Sie darf nicht vorhanden sein
Okklusion und Konstruktion Kontakte, Schraubensitz, Zustand der Verblendung

Die Sorge, das Sondieren könne die periimplantäre Manschette schädigen, hält sich hartnäckig. Sie ist unbegründet, solange mit leichtem, kontrolliertem Druck sondiert wird — und ohne Sondierung fehlt der wichtigste Verlaufsparameter.

Zu starker Druck erzeugt tiefere Werte und Blutung an gesunden Stellen — dasselbe Problem wie am natürlichen Zahn, nur dass die Manschette hier weniger Widerstand bietet. Die Kalibrierung des eigenen Drucks ist deshalb wichtiger als das Sondenmodell.

Wie das Intervall festgelegt wird

Faktor Wirkung auf das Intervall
Parodontitis in der Vorgeschichte Kürzer
Rauchen Kürzer
Diabetes Kürzer
Schwer reinigbare Konstruktion Kürzer
Bisheriger Verlauf mit Befunden Kürzer
Keiner dieser Faktoren Regelintervall

Das Intervall wird festgelegt und dokumentiert, nicht dem Patienten überlassen. „Melden Sie sich, wenn was ist“ führt bei einer symptomarmen Erkrankung dazu, dass er sich beim ersten schmerzhaften Befund meldet — und der liegt spät.

⚠️ Zur Röntgenkontrolle

Eine Aufnahme nach Eingliederung der Suprakonstruktion ist der Bezugspunkt für jede spätere Beurteilung — sie gehört angefertigt und als Referenz gekennzeichnet. Weitere Aufnahmen brauchen eine eigene rechtfertigende Indikation: bei auffälligem klinischem Befund oder wenn die Frage die Behandlung ändert. Ein festes jährliches Intervall ohne Anlass ist damit nicht begründet.

Drei Fragen

Ein beschwerdefreier Patient fragt nach dem Sinn des Recalls. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei einer symptomarmen Erkrankung führt das dazu, dass der Patient sich beim ersten schmerzhaften Befund meldet — und der liegt spät.Offene FrageWie deutlich ist die Datenlage? Ungewöhnlich klar für dieses Fachgebiet: Fehlende Nachsorge erhöht das Risiko, vorhandene kann den Beginn verhindern oder verzögern.

Was wird bei jedem Recall erhoben?

Drei. Eine Aufnahme braucht eine eigene rechtfertigende Indikation, und eine Vitalitätsprüfung gibt es am Implantat nicht — es hat keine Pulpa.Offene FrageWann ist eine Aufnahme angezeigt? Bei auffälligem klinischem Befund oder wenn die Frage die Behandlung ändert. Die Referenzaufnahme nach Eingliederung ist davon zu unterscheiden — sie ist der Bezugspunkt.

Was gilt für die Sondierung am Implantat?

Die erste. Ohne Sondierung fehlt der wichtigste Verlaufsparameter — und die Sorge um die Manschette ist bei leichtem Druck unbegründet.Offene FrageWas passiert bei zu starkem Druck? Tiefere Werte und Blutung an gesunden Stellen. Die Manschette bietet weniger Widerstand als das parodontale Gewebe — die Kalibrierung zählt hier noch mehr.

Das, was hängenbleiben soll

Die Beschwerdefreiheit ist der Grund zu kommen, nicht der Grund zu bleiben.

Quellen

  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76 — einschließlich der unterstützenden periimplantären Nachsorge.Deckt ab: unterstützende periimplantäre Nachsorge, ihre Bestandteile und ihre Wirkung auf das Erkrankungsrisiko
  • Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Befunde, die im Rahmen der Nachsorge zu erheben sind, und ihre diagnostische Bedeutung
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: deutsche Empfehlungen zur periimplantären Nachsorge
  • Strahlenschutzgesetz § 83 und Strahlenschutzverordnung § 119 — rechtfertigende Indikation vor jeder Anwendung ionisierender Strahlung.Deckt ab: rechtfertigende Indikation für Kontrollaufnahmen

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