Implantologie Vertiefung 6 Min

Rauchen und Implantat

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der häufigste beeinflussbare Risikofaktor — und der einzige, bei dem der Patient selbst etwas ändern kann, was in wenigen Wochen wirkt.

1Wo das Risiko konkret liegtZwei Phasen, zwei verschiedene Mechanismen.
2Warum es keine absolute Kontraindikation istUnd was daraus für die Aufklärung folgt.
3Was ein Rauchstopp um den Eingriff bringtUnd warum die Zeiträume so gewählt sind.
4Wie du es ansprichstAls Teil der Behandlung, nicht als Moral.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Das wird doch kein Problem sein“

Sprechstunde47 Jahre, Implantatwunsch regio 36. Raucher, etwa 15 Zigaretten täglich seit zwanzig Jahren, sonst gesund, gutes Knochenangebot. „Ich rauche schon immer — das wird doch kein Problem sein, oder?“

Doch, aber ein beeinflussbares. Und genau darin liegt der Unterschied zu den meisten anderen Risikofaktoren.

Der springende PunktRauchen ist keine absolute Kontraindikation. Es erhöht das Risiko in zwei Phasen — und in einer davon lässt sich durch eine zeitlich begrenzte Pause etwas erreichen.

Zwei Phasen, zwei Mechanismen

Phase Was betroffen ist Mechanismus
Frühe Phase Wundheilung und Osseointegration Vasokonstriktion und verschlechterte Sauerstoffversorgung
Langfristig Periimplantäre Gesundheit Rauchen gilt als etablierter Risikofaktor für Periimplantitis

Die europäische Leitlinie zu periimplantären Erkrankungen führt Rauchen unter den Risikofaktoren und sieht die Risikofaktorkontrolle ausdrücklich als Bestandteil von Prävention und Therapie vor. Das ist mehr als ein Nebensatz: Es macht das Ansprechen zur Behandlungsaufgabe, nicht zur persönlichen Meinung.

Er zielt auf die erste Phase. Eine Pause vor dem Eingriff soll die Durchblutungssituation für die Wundheilung verbessern, eine Pause danach die Einheilung schützen — die Osseointegration braucht Wochen, und in dieser Zeit wirkt die Beeinträchtigung fort.

Die genauen Zeiträume werden unterschiedlich angegeben und sind nicht einheitlich festgelegt. Was sich sagen lässt: Je länger die Pause und je näher am Eingriff, desto günstiger — und ein dauerhafter Rauchstopp wirkt zusätzlich auf die zweite Phase.

Implantate bei Rauchern sind möglich und werden regelmäßig erfolgreich versorgt. Was sich ändert, ist die Risikolage — und damit der Umfang der Aufklärung und die Engmaschigkeit der Nachsorge.

Bei starkem Rauchen und zusätzlichen Risikofaktoren verschiebt sich die Abwägung allerdings deutlich. Dann gehört offen benannt, dass die Prognose schlechter ist und dass eine Ablehnung des Eingriffs im Einzelfall vertretbar sein kann.

Wie du es ansprichst

Statt Besser
„Sie müssen aufhören zu rauchen“ „Ein Rauchstopp um den Eingriff verbessert die Einheilungschancen“
„Sonst verlieren Sie das Implantat“ „Das Risiko ist erhöht — und Sie können es selbst beeinflussen“
„Rauchen ist schlecht für Implantate“ „Es betrifft zwei Phasen: die Einheilung und die Zeit danach“
⚠️ Was dokumentiert gehört

Dass über das erhöhte Risiko aufgeklärt wurde, und was konkret besprochen wurde. Bei einem späteren Frühverlust ist das die Frage, die gestellt wird — und ein Kreuz bei „aufgeklärt“ beantwortet sie nicht. Die empfohlene Rauchpause gehört mit in den Eintrag, ebenso die Reaktion des Patienten.

Drei Fragen

Ein 47-jähriger Raucher wünscht ein Implantat. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Implantate bei Rauchern werden regelmäßig erfolgreich versorgt. Was sich ändert, ist die Risikolage — und damit Aufklärung und Nachsorge.Offene FrageWann verschiebt sich die Abwägung? Bei starkem Rauchen und zusätzlichen Risikofaktoren. Dann gehört offen benannt, dass die Prognose schlechter ist — und eine Ablehnung kann im Einzelfall vertretbar sein.

Welche Aussagen zum Rauchen treffen zu?

Drei. Der dauerhafte Rauchstopp wirkt zusätzlich auf die zweite Phase — und genau dort, in der periimplantären Gesundheit, bleibt Rauchen langfristig relevant.Offene FrageWarum sind die genauen Zeiträume für die Pause nicht einheitlich? Weil die Datenlage dazu keine scharfe Grenze hergibt. Was sich sagen lässt: je länger und je näher am Eingriff, desto günstiger.

Wie sprichst du das Thema fachlich sinnvoll an?

Die erste. Sie ist zutreffend und macht die Risikofaktorkontrolle zum Teil der Behandlung. Drohungen wirken kurzfristig, und das Thema auszusparen lässt die einzige wirksame Maßnahme ungenutzt.Offene FrageUnd wenn der Patient ablehnt? Dann wird behandelt, mit dokumentierter Aufklärung und engerer Nachsorge — und das Thema bleibt beim nächsten Mal offen.

Das, was hängenbleiben soll

Zwei Phasen, zwei Mechanismen — und beides kann der Patient selbst beeinflussen.

Quellen

  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Rauchen als Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen und die Bedeutung der Risikofaktorkontrolle
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Rauchen in der Risikobewertung periimplantärer Infektionen
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630f — Behandlungsvertrag, Aufklärung über Alternativen und Risiken sowie Dokumentation.Deckt ab: Aufklärung über das erhöhte Risiko und deren Dokumentation

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