Implantologie Vertiefung 7 Min

Knochenangebot beurteilen

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Zwei Zahlen aus der Aufnahme — Breite und Höhe — und eine dritte Größe, die man nicht messen kann und die trotzdem über die Einheilzeit entscheidet.

1Wie viel Knochen das Implantat brauchtNicht nur für die Stabilität.
2Warum die Knochenqualität mitentscheidetUnd wo welche Qualität zu erwarten ist.
3Was nach einer Extraktion passiertDer Verlust ist früh am größten.
4Welche Wege es bei knappem Angebot gibtDrei, mit unterschiedlichem Aufwand.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Reicht das oder muss ich aufbauen lassen?“

Planung58 Jahre, Lücke regio 25 seit fünf Jahren. Die dreidimensionale Aufnahme zeigt eine Kammbreite von gut fünf Millimetern und eine Höhe von neun Millimetern bis zum Kieferhöhlenboden. „Reicht das oder muss ich mir Knochen aufbauen lassen?“

Es ist knapp in beide Richtungen — und beide Werte brauchen eine eigene Überlegung.

Der springende PunktDas Implantat braucht nicht nur Platz für sich selbst, sondern auch eine Knochenlamelle ringsherum. Diese Lamelle ist der Teil, der bei knapper Breite fehlt.

Wie viel Knochen gebraucht wird

Der Implantatdurchmesser allein sagt nichts über den benötigten Kamm. Dazu kommt beidseits eine periimplantäre Knochenlamelle — sie sichert die Blutversorgung und schützt vor einer Dehiszenz, wenn es nach der Belastung zu einem geringen marginalen Umbau kommt.

Ist die Lamelle zu dünn, kann sie resorbieren. Was folgt, ist ein freiliegender Implantatanteil mit den entsprechenden hygienischen und ästhetischen Folgen — und ein Ausgangspunkt für eine periimplantäre Entzündung.

Größe Was zu bedenken ist
Breite Implantatdurchmesser plus beidseitige Knochenlamelle
Höhe Implantatlänge plus Sicherheitsabstand zu Nachbarstrukturen
Qualität Nicht messbar, aber für Primärstabilität und Einheilzeit entscheidend
Verlauf Konkavitäten und Kammneigung sind zweidimensional nicht erkennbar

Die gebräuchliche Einteilung unterscheidet vier Qualitäten — von sehr dichter, kompakter Struktur bis zu weichem Knochen mit dünner Kortikalis und weitmaschiger Spongiosa.

Die Verteilung ist regional typisch: Die dichtesten Verhältnisse finden sich im vorderen Unterkiefer, die weichsten im hinteren Oberkiefer. Dazwischen liegen die übrigen Regionen. Das erklärt, warum ein Implantat im hinteren Oberkiefer schwieriger primärstabil zu setzen ist und länger einheilt als eines in der Unterkieferfront.

Der Alveolarkamm verändert sich nach Zahnverlust, und der Verlust ist in den ersten Monaten am größten. Untersuchungen zum Verlauf nach Einzelzahnextraktion zeigen eine erhebliche Abnahme der Kammbreite im ersten Jahr, danach flacht die Kurve ab.

Praktisch folgt daraus: Je länger eine Lücke besteht, desto wahrscheinlicher ist ein augmentativer Bedarf — und im vorliegenden Fall mit fünf Jahren Lücke ist die knappe Breite kein Zufall.

Welche Wege es bei knappem Angebot gibt

Weg Erwägung
Durchmesserreduziertes Implantat Geringerer Aufwand, aber weniger Fläche und geringere Belastbarkeit
Kürzeres Implantat Vermeidet den Eingriff an der Kieferhöhle, verändert das Verhältnis von Krone zu Implantat
Augmentation Schafft die Verhältnisse für ein Standardimplantat, mit zusätzlichem Eingriff und Heilzeit

Die Entscheidung ist eine Abwägung, keine Rechnung. Sie berücksichtigt neben den Maßen auch die Belastungssituation, die Erwartung an die Haltbarkeit, die Bereitschaft zu einem zweiten Eingriff und die Risikofaktoren des Patienten.

⚠️ Was in die Aufklärung gehört

Dass bei knappen Verhältnissen ein erhöhtes Risiko besteht — und welches. Ein Patient, der die Augmentation aus Aufwandsgründen ablehnt, trifft eine legitime Entscheidung; er sollte nur wissen, dass sie die Prognose beeinflusst. Diese Aufklärung und seine Entscheidung gehören dokumentiert.

Drei Fragen

Bei einer Lücke regio 25 zeigt die Aufnahme eine knappe Kammbreite. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Zum Durchmesser kommt beidseits die periimplantäre Knochenlamelle — sie sichert die Blutversorgung und schützt vor einer Dehiszenz.Offene FrageWas passiert, wenn sie fehlt? Der Knochen kann resorbieren, ein Implantatanteil liegt frei. Das ist ein hygienisches und ästhetisches Problem — und ein Ausgangspunkt für eine periimplantäre Entzündung.

Welche Aussagen zur Knochenqualität treffen zu?

Drei. Die Qualität lässt sich abschätzen, aber nicht messen — und weicher Knochen braucht eher mehr Zeit, nicht weniger.Offene FrageWoran merkt man sie? Beim Bohren, am Widerstand. Das ist eine der Situationen, in denen die intraoperative Wahrnehmung mehr sagt als die präoperative Aufnahme.

Was folgt aus einer seit Jahren bestehenden Lücke?

Die erste. Der Kammverlust nach Extraktion ist in den ersten Monaten am größten und flacht danach ab — nach Jahren ist entsprechend viel verloren.Offene FrageWas heißt das für die Beratung nach einer Extraktion? Dass die Frage nach dem Implantat besser früh gestellt wird. Wer Jahre wartet, braucht häufiger einen zusätzlichen Eingriff.

Das, was hängenbleiben soll

Durchmesser plus Lamelle beidseits — und weicher Knochen braucht mehr Zeit.

Quellen

  • Lekholm U, Zarb GA. Patient selection and preparation. In: Brånemark P-I, Zarb GA, Albrektsson T (Hrsg.): Tissue-integrated prostheses. Quintessence, Chicago 1985: 199–209 — Einteilung von Knochenangebot und Knochenqualität.Deckt ab: Einteilung des Knochenangebots und der Knochenqualität sowie deren Bedeutung für die Planung
  • Schropp L, Wenzel A, Kostopoulos L, Karring T. Bone healing and soft tissue contour changes following single-tooth extraction: a clinical and radiographic 12-month prospective study. International Journal of Periodontics and Restorative Dentistry 2003; 23: 313–323.Deckt ab: Ausmaß und zeitlicher Verlauf der Alveolarkammveränderungen nach Zahnextraktion
  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: dreidimensionale Beurteilung von Knochenbreite und -höhe in der Planung
  • S2k-Leitlinie „Implantologische Indikationen für die Anwendung von Knochenersatzmaterialien“, AWMF-Registernummer 083-009, Stand Juli 2020 — Indikationen und Materialauswahl bei unzureichendem Knochenangebot. AWMFDeckt ab: augmentative Verfahren bei unzureichendem Knochenangebot

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