Das Implantat liegt frei
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Befund ohne Beschwerden, der trotzdem etwas bedeutet — weil die freiliegende Oberfläche eine Eigenschaft hat, die sie für den Mundraum ungeeignet macht.
„Da liegt was blank — ist das schlimm?“
Aktuell nicht. Was daran problematisch ist, zeigt sich erst über die Zeit — und liegt an der Beschaffenheit der Oberfläche.
Warum die Oberfläche das Problem ist
Moderne Implantatoberflächen sind mikrostrukturiert, weil das die Osseointegration verbessert. Diese Struktur ist für den Kontakt mit Knochen gemacht — nicht für die Exposition zur Mundhöhle.
Liegt sie frei, wird sie besiedelt, und der Biofilm lässt sich mit den üblichen Mitteln nicht vollständig entfernen. Damit entsteht eine Stelle, an der eine periimplantäre Entzündung ihren Ausgang nehmen kann — unabhängig davon, wie gut der Patient sonst reinigt.
| Ursache | Behebbarkeit |
|---|---|
| Zu wenig keratinisierte Mukosa | Chirurgisch verbesserbar |
| Wunddehiszenz in der Einheilphase | Der Defekt bleibt, die Ursache ist abgelaufen |
| Implantat zu weit koronal gesetzt | Positionsbedingt — chirurgisch begrenzt korrigierbar |
| Vorbestehender Weichgewebsmangel | War vorher absehbar, ist chirurgisch angehbar |
Fehlt er, ist die Situation instabiler: Die Reinigung ist unangenehmer, der Patient reinigt entsprechend weniger gründlich, und die Weichgewebsmanschette bietet weniger Widerstand. Genau deshalb gibt es eine eigene Leitlinie zur periimplantären Weichgewebsaugmentation.
Wann konservativ und wann chirurgisch
| Befund | Vorgehen |
|---|---|
| Keine Entzündung, Knochenniveau stabil, ausreichend keratinisierte Mukosa | Beobachten, Hygiene optimieren, engmaschig kontrollieren |
| Keine Entzündung, aber wenig keratinisierte Mukosa | Weichgewebsaugmentation erwägen |
| Entzündungszeichen | Behandeln und die Ursache angehen |
| Progredienter Knochenverlust | Nicht abwarten — periimplantäre Diagnostik |
Zwei Befunde geben den Ausschlag: das Vorhandensein einer Entzündung und die Stabilität des Knochenniveaus. Solange beides günstig ist, hat man Zeit. Sobald eines kippt, wird gehandelt.
Dass die Stelle schwerer zu reinigen ist und deshalb engmaschiger kontrolliert wird — und dass sie ein Ausgangspunkt für eine spätere Entzündung sein kann. Der Patient hat keine Beschwerden und wird die Notwendigkeit häufigerer Termine sonst nicht verstehen.
Die Beobachtung und die Hygieneführung bleiben in der Zwischenzeit bei dir. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern die Rolle, die den Verlauf tatsächlich beeinflusst.
Drei Fragen
Bei einem Implantat regio 36 liegt die Schulter auf wenigen Millimetern frei, ohne Entzündungszeichen. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was trägt die keratinisierte Mukosa bei?
Welche zwei Befunde geben den Ausschlag für das Vorgehen?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Periimplantäre Weichgewebsaugmentation“, AWMF-Registernummer 083-033, federführend DGI und DGZMK — Indikationen und Verfahren zur Verbesserung der periimplantären Weichgewebssituation.Deckt ab: Indikationen und Verfahren der periimplantären Weichgewebsaugmentation
- Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Bedeutung der periimplantären Weichgewebssituation für Prävention und Verlauf
- S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Zusammenhang zwischen freiliegender Implantatoberfläche und periimplantärer Infektion
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über Befund, Therapieoptionen und die Folgen des Zuwartens
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