Implantologie Vertiefung 6 Min

Verschlussschraube nicht auffindbar

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die Schleimhaut ist über dem Implantat zugewachsen, und nichts ist zu tasten. Was jetzt zählt, ist die Reihenfolge — und ein Dokument, das der Patient hoffentlich dabei hat.

1Warum du nicht blind suchstDer Schaden entsteht beim Suchen, nicht beim Zuwachsen.
2Was du zuerst klärstZwei Fragen: wo und welches System.
3Wie die Freilegung abläuftZwei Techniken mit unterschiedlichem Nebeneffekt.
4Was du bei unbekanntem System tustDer Weg über den Hersteller.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Da ist gar nichts zu sehen?“

Freilegungstermin53 Jahre, Implantat regio 36 nach abgeschlossener Einheilphase. Die Schleimhaut ist vollständig über dem Implantat verheilt, es lässt sich nichts tasten. Der Patient hat seinen Implantatpass dabei. „Ich dachte, man sieht was — aber da ist gar nichts zu sehen?“

Das ist unauffällig und kommt regelmäßig vor. Der Implantatpass ist dabei die wertvollste Information des Termins.

Der springende PunktZwei Fragen sind zu klären, bevor irgendetwas geschnitten wird: wo genau das Implantat liegt und um welches System es sich handelt.

Warum du nicht blind suchst

Ein Sondieren oder Bohren ohne Lokalisation trifft im ungünstigen Fall die Implantatschulter — und beschädigt die Verbindungsgeometrie, auf die später das Abutment aufgesetzt wird. Ein solcher Schaden ist nicht zu reparieren; er betrifft genau die Präzision, von der die Passung der Suprakonstruktion abhängt.

Schritt Inhalt
Lokalisieren Einzelzahnaufnahme — Lage und Tiefe der Implantatschulter
System identifizieren Aus dem Implantatpass: Hersteller, Typ, Durchmesser
Komponenten bereitlegen Passender Schraubendreher und Gingivaformer
Freilegen Erst dann, mit bekanntem Ziel

Die Verbindungsgeometrien der Systeme sind nicht kompatibel. Ein Schraubendreher, der nicht exakt passt, rundet den Innenkonus oder das Schraubenprofil ab — und dann lässt sich die Verschlussschraube gar nicht mehr entfernen.

Der Pass nennt Hersteller, Implantattyp und Durchmesser. Fehlt er, ist die Röntgenaufnahme ein Anhalt: Viele Systeme haben eine charakteristische Kontur. Sicher ist das nicht — im Zweifel hilft die Anfrage beim Hersteller oder bei der implantierenden Praxis, die das System dokumentiert hat.

Wie die Freilegung abläuft

Technik Merkmal
Stanzung Kreisförmige Entfernung über dem Implantat, atraumatisch, meist ohne Naht
Inzision mit Lappenbildung Aufwendiger, dafür lässt sich Weichgewebe gezielt verlagern

Der Unterschied liegt nicht im Aufwand, sondern im Nebeneffekt. Die Stanzung entfernt Weichgewebe — auch keratinisierte Mukosa, falls davon wenig vorhanden ist. Eine Inzision mit Lappenbildung erlaubt es, vorhandenes Gewebe zu verlagern statt zu entfernen.

⚠️ Wann die Technikwahl zählt

Bei knapper keratinisierter Mukosa. Dort ist die Stanzung der bequemere und der schlechtere Weg — sie kostet genau das Gewebe, das später um das Implantat gebraucht wird. Diese Überlegung gehört vor die Freilegung, nicht danach.

Die Verschlussschraube wird gegen einen Gingivaformer getauscht. Er formt die Weichgewebsmanschette in den Wochen bis zur Abformung — und diese Form ist später die Grundlage für das Emergenzprofil der Suprakonstruktion.

Höhe und Durchmesser des Gingivaformers sind damit keine Nebensache: Zu niedrig gewählt, wächst die Schleimhaut wieder darüber. Zu schmal, fehlt später das Volumen für ein natürliches Austrittsprofil.

Drei Fragen

Bei einem Freilegungstermin ist die Schleimhaut vollständig über dem Implantat verheilt. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ein Sondieren ohne Lokalisation kann die Implantatschulter treffen und die Verbindungsgeometrie beschädigen — und das ist nicht zu reparieren.Offene FrageWarum wiegt dieser Schaden so schwer? Weil genau diese Geometrie die Passung der Suprakonstruktion trägt. Eine beschädigte Schulter bedeutet im ungünstigen Fall, dass das Implantat nicht mehr regulär versorgt werden kann.

Warum ist das Implantatsystem vor der Freilegung zu klären?

Drei. Die Technikwahl richtet sich nach der Weichgewebssituation, nicht nach dem System — und die Einheilzeit ist zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen.Offene FrageWas, wenn der Pass fehlt? Die Aufnahme gibt einen Anhalt, viele Systeme haben eine charakteristische Kontur. Sicher ist das nicht — im Zweifel hilft die Anfrage bei der implantierenden Praxis.

Wann ist die Inzision der Stanzung vorzuziehen?

Die erste. Die Stanzung entfernt Weichgewebe — bei knapper keratinisierter Mukosa kostet sie genau das, was später um das Implantat gebraucht wird.Offene FrageWas leistet die Inzision stattdessen? Sie erlaubt es, vorhandenes Gewebe zu verlagern statt zu entfernen. Der Aufwand ist höher, das Ergebnis für die Weichgewebssituation besser.

Das, was hängenbleiben soll

Erst lokalisieren und das System klären — dann schneiden.

Quellen

  • Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Bohrprotokoll, Drehmomentgrenzen, Komponentenkompatibilität und Einheilzeiten die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Identifikation des Systems, Kompatibilität der Komponenten und passende Instrumente
  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Bildgebung zur Lokalisation des Implantats vor der Freilegung
  • S3-Leitlinie „Periimplantäre Weichgewebsaugmentation“, AWMF-Registernummer 083-033, federführend DGI und DGZMK — Indikationen und Verfahren zur Verbesserung der periimplantären Weichgewebssituation.Deckt ab: Weichgewebssituation bei der Freilegung und ihre Gestaltung
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation von System, verwendeten Komponenten und Vorgehen

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