Implantologie Vertiefung 7 Min

Freilegung und Abformung

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Zwischen dem eingeheilten Implantat und der fertigen Krone liegen zwei Schritte, die das spätere Aussehen weitgehend festlegen — und beide werden oft als reine Formalität behandelt.

1Was der Gingivaformer tatsächlich tutEr formt, was später sichtbar ist.
2Warum die Abformung mehr überträgt als die PositionDas Weichgewebe muss mit.
3Wie sich offene und geschlossene Technik unterscheidenVor allem bei Divergenzen.
4Was digital anders läuftUnd wo die Grenzen liegen.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Jetzt kommt endlich der Zahn?“

Freilegungstermin56 Jahre, Implantat regio 36 nach abgeschlossener Einheilung. Der Gingivaformer wird eingesetzt, in zwei Wochen soll abgeformt werden. „Jetzt kommt endlich der Zahn? Warum dauert das nochmal zwei Wochen?“

Weil in diesen zwei Wochen etwas passiert, das später nicht mehr zu ändern ist: Die Weichgewebsmanschette nimmt ihre endgültige Form an.

Der springende PunktDer Gingivaformer ist keine Abdeckung, sondern ein Werkzeug. Er formt den Austrittsbereich, durch den die Krone später aus der Schleimhaut tritt.

Was der Gingivaformer tut

Nach der Freilegung liegt der Implantatanschluss unter einer Schleimhaut, die keine Form hat. Der Gingivaformer gibt ihr eine — über Höhe und Durchmesser bestimmt er, wie die Manschette am Ende aussieht.

Diese Form ist das Emergenzprofil: der Übergang vom runden Implantatanschluss zur Kontur der späteren Krone. Bei einem Molaren fällt er wenig auf. Bei einem Frontzahn entscheidet er über den Unterschied zwischen einer Krone, die aus dem Zahnfleisch wächst, und einer, die daraufsitzt.

Auswahl Was passiert, wenn sie nicht stimmt
Zu niedrig Die Schleimhaut wächst darüber — die Freilegung war umsonst
Zu schmal Es fehlt später das Volumen für ein natürliches Austrittsprofil
Zu breit Druck auf die Manschette, mögliche Rezession
Passend Die Form, die später übertragen wird

Die Schleimhaut braucht Zeit, sich an die neue Form anzupassen und reizfrei zu werden. Wird zu früh abgeformt, ist die Manschette noch entzündet und geschwollen — und die übertragene Form entspricht nicht der, die sich später einstellt.

Bei einem Frontzahn kann diese Phase länger dauern und mit einem provisorischen Aufbau gestaltet werden, der die Kontur schrittweise entwickelt. Das ist aufwendiger und im sichtbaren Bereich den Aufwand wert.

Die beiden Abformtechniken

Geschlossen Offen
Abformpfosten Verbleibt im Mund, wird nachträglich in den Abdruck gesetzt Wird mit dem Abdruck entnommen
Löffel Standardlöffel Individueller Löffel mit Perforation
Aufwand Geringer Höher
Bei divergierenden Implantaten Fehleranfällig Deutlich zuverlässiger
Bei mehreren Implantaten Zunehmend ungenau Vorzuziehen

Bei einem einzelnen Implantat mit gutem Zugang sind beide Verfahren geeignet. Der Unterschied wird relevant, sobald mehrere Implantate abgeformt werden oder ihre Achsen divergieren — dann kann sich der Pfosten beim Entnehmen des geschlossenen Abdrucks verkanten.

Statt eines Abformpfostens wird ein Scankörper aufgesetzt, dessen Geometrie die Software erkennt und in die Implantatposition umrechnet. Der Ablauf ist für den Patienten angenehmer, und ein Versand entfällt.

Die Genauigkeit ist bei Einzelimplantaten und kleineren Spannen gut. Bei weitspannigen Versorgungen über mehrere Implantate ist die Frage nach der Genauigkeit differenzierter zu betrachten — dort summieren sich Abweichungen über die Strecke, und die Verfahren werden weiterhin verglichen.

Was in beiden Fällen gilt: Die Weichgewebsform muss mit übertragen werden. Ein Scan erfasst sie ebenso wie ein Abdruck — vorausgesetzt, der Gingivaformer war lange genug drin.

Drei Fragen

Nach der Freilegung wird ein Gingivaformer eingesetzt, die Abformung ist für zwei Wochen später geplant. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Eine zu früh abgeformte Manschette ist noch geschwollen — die übertragene Form entspricht nicht der, die sich später einstellt.Offene FrageWas passiert dann? Die Krone passt nicht zur ausgeheilten Situation. Im Seitenzahnbereich ist das verschmerzbar, im Frontzahnbereich sichtbar.

Welche Aussagen zur Abformtechnik treffen zu?

Drei. Bei mehreren Implantaten wird das geschlossene Verfahren zunehmend ungenau — und die Weichgewebsform ist gerade das, was mit übertragen werden muss.Offene FrageWarum verkantet der Pfosten bei Divergenz? Weil er beim Entnehmen des Abdrucks in einer anderen Richtung herausgezogen wird als seiner Achse entspricht. Beim offenen Verfahren bleibt er verschraubt, bis der Abdruck draußen ist.

Was ist das Emergenzprofil?

Die erste. Es entscheidet darüber, ob die Krone aus dem Zahnfleisch zu wachsen scheint oder darauf sitzt.Offene FrageWo fällt es besonders auf? Im sichtbaren Frontzahnbereich. Dort lohnt sich der aufwendigere Weg über ein provisorisches Aufbauteil, das die Kontur schrittweise entwickelt.

Das, was hängenbleiben soll

Der Gingivaformer formt, was man später sieht — und die Abformung überträgt beides.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Periimplantäre Weichgewebsaugmentation“, AWMF-Registernummer 083-033, federführend DGI und DGZMK — Indikationen und Verfahren zur Verbesserung der periimplantären Weichgewebssituation.Deckt ab: Gestaltung der periimplantären Weichgewebssituation bei der Freilegung und ihre Bedeutung
  • Lee H, So JS, Hochstedler JL, Ercoli C: The accuracy of implant impressions – a systematic review. Journal of Prosthetic Dentistry 2008; 100(4): 285–291 — offener gegenüber geschlossenem Löffel sowie verblockte gegenüber unverblockten Abformpfosten. DOIDeckt ab: Verfahren der Implantatabformung, Vergleich offener und geschlossener Technik sowie konventioneller und digitaler Verfahren
  • Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Komponentenauswahl, Verbindungsgeometrie, Anzugsdrehmomente und Kompatibilität die maßgebliche Quelle.Deckt ab: systemabhängige Abformpfosten, Laboranaloge und Komponentenauswahl
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Bedeutung der Weichgewebssituation für die spätere periimplantäre Gesundheit

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.