Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Wurzelkaries beim älteren Patienten

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Das am schnellsten wachsende Kariesproblem — und restaurativ eine eigene Disziplin, weil fast alles anders ist als an der Krone.

1Warum sie zunimmtEin Erfolg der Zahnmedizin mit einer Kehrseite.
2Warum sie schneller fortschreitetDas Gewebe ist ein anderes.
3Warum nichtinvasiv hier besonders wichtig istDie Restauration ist schwierig.
4Was die Versorgung erschwertVier Punkte, alle praktisch.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Ich habe doch mein Leben lang keine Löcher gehabt“

Recall74 Jahre, eigene Zähne, seit Jahrzehnten kariesfrei. Seit einer Medikamentenumstellung besteht Mundtrockenheit. An mehreren freiliegenden Wurzeloberflächen zeigen sich bräunliche, weiche Bereiche. „Ich habe doch mein Leben lang keine Löcher gehabt — warum jetzt plötzlich?“

Weil sich zwei Dinge geändert haben: Die Wurzeloberflächen liegen frei, und der Speichel schützt nicht mehr wie früher.

Der springende PunktWurzeldentin ist weniger mineralisiert als Schmelz und wird schon bei einem höheren pH-Wert angegriffen. Eine Läsion entsteht dort unter Bedingungen, die an der Krone noch harmlos wären.

Warum sie zunimmt und schneller fortschreitet

Die Zunahme ist eine Folge des Erfolgs: Menschen behalten ihre Zähne länger. Damit steigt die Zahl freiliegender Wurzeloberflächen — durch parodontalen Abbau, nach parodontaler Therapie oder durch Rezessionen.

Faktor Wirkung
Freiliegende Wurzeloberfläche Die Voraussetzung — ohne sie keine Wurzelkaries
Mundtrockenheit Häufig medikamentenbedingt, oft mehrere Präparate
Eingeschränkte Handfunktion Die Reinigung wird schwieriger
Prothetische Konstruktionen Klammern und Ränder als Retentionsstellen
Veränderte Ernährung Weiche, oft kohlenhydratreiche Kost

Wurzeldentin enthält weniger Mineral und mehr organische Substanz als Schmelz. Zwei Folgen:

Es wird früher angegriffen. Die Demineralisation beginnt bei einem weniger sauren pH-Wert — Bedingungen, unter denen Schmelz noch stabil bliebe.

Die Läsion breitet sich flächig aus. Statt in die Tiefe zu wachsen wie an der Krone, umgreift sie oft die Wurzel — was die Versorgung erschwert und die Substanz an einer statisch ungünstigen Stelle schwächt.

Dazu kommt, dass die Pulpa näher liegt. Eine Läsion, die an der Krone unbedenklich wäre, ist hier bereits pulpanah.

Warum nichtinvasiv hier besonders zählt

Weil die Restauration schwierig ist — und jede gescheiterte Füllung die Ausgangslage verschlechtert.

Was die Versorgung erschwert Warum
Lage am Übergang zur Gingiva Feuchtigkeit, Blutung, schlechte Sicht
Adhäsion am Dentin statt am Schmelz Der Verbund ist schwächer und empfindlicher
Zugänglichkeit Oft zirkulär, teilweise subgingival
Belastung durch die Reinigung Der Rand liegt dort, wo geputzt wird

Daraus folgt die Reihenfolge: Eine inaktive oder beginnende Läsion wird nichtinvasiv behandelt — mit hochdosierten Fluoridpräparaten, angepasster Reinigung und, wenn möglich, der Behandlung der Mundtrockenheit. Erst wenn das nicht gelingt oder die Läsion kavitiert und aktiv ist, wird versorgt.

⚠️ Was in die Ursachensuche gehört

Die Medikation. Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung, und bei mehreren Präparaten summiert sie sich. Die hausärztliche Praxis kann prüfen, ob eine Alternative in Betracht kommt — das ist wirksamer als jede Füllung.

Was du selbst tun kannst: über speichelfördernde Maßnahmen beraten, hochdosierte Fluoride einsetzen und das Recallintervall verkürzen. Die Läsion ist ein Symptom, nicht die Ursache.

Drei Fragen

Bei einer 74-Jährigen mit Mundtrockenheit zeigen sich Wurzelkariesläsionen. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die Versorgung ist am Wurzeldentin schwierig — eine gescheiterte Füllung verschlechtert die Ausgangslage.Offene FrageWas steht am Anfang? Die Ursachensuche und die nichtinvasiven Maßnahmen. Erst bei kavitierter aktiver Läsion oder ausbleibendem Erfolg wird versorgt.

Warum schreitet Wurzelkaries anders fort als Kronenkaries?

Drei. Es geht um die Gewebeeigenschaften, nicht um andere Bakterien.Offene FrageWas folgt aus der flächigen Ausbreitung? Sie umgreift oft die Wurzel — das erschwert die Versorgung und schwächt die Substanz an einer statisch ungünstigen Stelle.

Was erschwert die restaurative Versorgung am Wurzeldentin?

Drei. Die Kaubelastung ist dort gering, und die Zähne sind in der Regel vital.Offene FrageWarum ist der Verbund am Dentin schwächer? Weil ihm der Schmelz als stabile Verbundfläche fehlt. Das macht die Trockenlegung noch wichtiger — und schwieriger.

Das, was hängenbleiben soll

Anderes Gewebe, andere Regeln — erst die Ursache, dann das Fluorid, zuletzt die Füllung.

Quellen

  • Paris S, Banerjee A, Bottenberg P et al.: How to Intervene in the Caries Process in Older Adults – A Joint ORCA and EFCD Expert Delphi Consensus Statement. Caries Research 2020 — Risikofaktoren, Prävention mit hochdosierten Fluoriden, nichtinvasive Maßnahmen und die restaurative Versorgung. DOIDeckt ab: Risikofaktoren, Prävention, nichtinvasive Maßnahmen und restaurative Versorgung der Wurzelkaries
  • S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Registernummer 083-021, Version 2.0, 2025 — Indikation bei erhöhtem Kariesrisiko, Anwendungshinweise und Altersgrenzen. AWMFDeckt ab: hochdosierte Fluoridanwendung als tragende präventive Maßnahme
  • S3-Leitlinie „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen — grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Register-Nr. 083-021, federführend DGZMK und DGZ.Deckt ab: grundlegende Empfehlungen zur Kariesprophylaxe

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