Füllungstherapie Grundlagen 6 Min

Kariesrisiko bestimmen und das Vorgehen danach ausrichten

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine Einschätzung, die über Recallintervall, Röntgenintervall und Behandlungsentscheidung mitbestimmt — und die in vielen Praxen nirgends steht.

1Woran sich das Risiko bemisstSechs Faktoren, einer wiegt am schwersten.
2Was aus der Einschätzung folgtDrei Konsequenzen, nicht nur das Intervall.
3Warum sie dokumentiert gehörtSie ist die Begründung für alles Weitere.
4Warum sie überprüft wirdNiemand bleibt dauerhaft in seiner Kategorie.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Warum bei mir alle sechs Monate?“

Recall29 Jahre, seit Jahren kariesfrei, gute Mundhygiene. Sie vergleicht sich mit ihrem Partner, der jährlich kommt. „Warum muss ich alle sechs Monate kommen und mein Mann nur einmal im Jahr?“

Eine berechtigte Frage — und wenn sich die Antwort nicht aus einer dokumentierten Einschätzung ergibt, ist das Intervall willkürlich.

Der springende PunktDas Kariesrisiko ist keine Nebenangabe, sondern die Grundlage für Recallintervall, Röntgenintervall, präventive Maßnahmen und die Entscheidung, ob eine Läsion beobachtet wird.

Woran sich das Risiko bemisst

Faktor Was zählt
Bisherige Karieserfahrung Der stärkste Einzelfaktor für die künftige Entwicklung
Aktive Läsionen Bestehende Progression
Plaquesituation Beobachtet, nicht erfragt
Ernährung Häufigkeit zuckerhaltiger Aufnahmen — nicht die Menge
Fluoridverfügbarkeit Häuslich und professionell
Speichel Medikamente, Erkrankungen, Bestrahlung

Die Häufigkeit ist wichtiger als die Menge. Wer über den Tag verteilt zehnmal etwas Zuckerhaltiges zu sich nimmt, hat ein anderes Risiko als jemand, der dieselbe Menge zu einer Mahlzeit isst — das ist die Information, die im Gespräch am meisten bewirkt.

Drei Dinge, nicht nur das Intervall:

Das Recall- und Röntgenintervall. Bei niedrigem Risiko deutlich länger als bei hohem.

Die präventiven Maßnahmen. Bei erhöhtem Risiko kommen hochdosierte Fluoridpräparate in Betracht, deren Anwendung von der Indikation und vom Alter abhängt — die Einzelheiten stehen in der Fachinformation.

Die Behandlungsentscheidung bei einzelnen Läsionen. Dieselbe Läsion wird bei niedrigem Risiko eher beobachtet und bei hohem eher versorgt. Das ist kein Widerspruch, sondern folgt aus der unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit der Progression.

Warum sie dokumentiert und überprüft wird

Ohne Eintrag lässt sich das gewählte Intervall weder gegenüber der Patientin noch bei einer Prüfung begründen. Und der Eintrag ist zugleich die Grundlage für den nächsten Termin — wer die Einschätzung nicht findet, beginnt jedes Mal von vorn.

Was sich ändern kann Wirkung
Neue aktive Läsion Risiko steigt
Medikament mit Mundtrockenheit Risiko steigt
Festsitzende kieferorthopädische Apparatur Risiko steigt
Veränderte Lebenssituation In beide Richtungen möglich
Erfolgreiche präventive Maßnahmen Risiko sinkt
⚠️ Was der Patientin gesagt wird

Dass die Einschätzung sich ändern kann und was sie selbst dazu beitragen kann. Ein Patient, der hört „Sie haben ein hohes Kariesrisiko“, hört eine Eigenschaft. Wer hört „Diese drei Dinge erhöhen es gerade, und an zweien davon lässt sich etwas ändern“, hört einen Auftrag.

Drei Fragen

Eine Patientin fragt nach der Begründung für ihr Recallintervall. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Eine neue Läsion, ein Medikament mit Mundtrockenheit oder eine kieferorthopädische Apparatur verändern sie.Offene FrageWas folgt aus der Einschätzung noch? Das Röntgenintervall und die präventiven Maßnahmen — bei erhöhtem Risiko kommen hochdosierte Fluoridpräparate in Betracht.

Was gehört zur Risikoeinschätzung?

Drei. Das Alter wirkt über andere Faktoren, und die Terminzahl sagt über das Risiko nichts.Offene FrageWarum ist die Häufigkeit wichtiger als die Menge? Weil jede Aufnahme eine Phase der Demineralisation auslöst. Zehn kleine Portionen wirken anders als dieselbe Menge zu einer Mahlzeit.

Wie erklärst du die Einschätzung im Gespräch?

Die erste. Wer „Sie haben ein hohes Kariesrisiko“ hört, hört eine Eigenschaft — wer die Faktoren hört, hört einen Auftrag.Offene FrageWarum ist das mehr als Rhetorik? Weil die wirksamsten Maßnahmen häuslich sind. Ohne Beteiligung des Patienten wirken sie nicht.

Das, was hängenbleiben soll

Das Risiko bestimmt Intervall, Prävention und Behandlungsentscheidung — und es gehört in die Akte.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen — grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Register-Nr. 083-021, federführend DGZMK und DGZ.Deckt ab: Kariesrisikofaktoren, präventive Maßnahmen und deren risikoabhängige Anwendung
  • Pitts NB, Ekstrand KR: International Caries Detection and Assessment System (ICDAS) and its International Caries Classification and Management System (ICCMS). Community Dentistry and Oral Epidemiology 2013; 41(1): e41–e52 — Erfassung der Läsionstiefe, Aktivitätsbeurteilung und die daraus abgeleitete Behandlungsentscheidung. DOIDeckt ab: Zusammenführung von Risikoeinschätzung, Läsionsbefund und Behandlungsentscheidung
  • S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Registernummer 083-021, Version 2.0, 2025 — Indikation bei erhöhtem Kariesrisiko, Anwendungshinweise und Altersgrenzen. AWMFDeckt ab: Indikation und Anwendung hochdosierter Fluoridpräparate bei erhöhtem Risiko

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