Höckeruntergrabung — wann die Krone indiziert ist
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Nach der Exkavation steht ein Höcker ohne Unterstützung. Ob er bleiben kann, entscheidet sich an einer Frage zur Statik — und die wird oft erst gestellt, wenn er abgebrochen ist.
„Da liegt noch eine alte Füllung drin“
Der Befund nach der Exkavation ist ein anderer als der davor — und er verändert die Planung. Die Frage lautet jetzt: Trägt dieser Höcker noch?
Woran du die Untergrabung erkennst
| Zeichen | Anmerkung |
|---|---|
| Schmelz ohne darunterliegendes Dentin | Nach der Exkavation direkt sichtbar |
| Restwandstärke gering | Von außen gemessen, nicht geschätzt |
| Vorhandene Frakturlinie | Mit Trockenlegung und Beleuchtung suchen |
| Höcker beweglich beim Tasten | Ein bereits gelöster Höcker |
Warum sie vorher nicht sichtbar war: Die alte Füllung hat den Höcker gestützt. Erst nach ihrer Entfernung zeigt sich, wie viel Substanz tatsächlich fehlt — und das ist regelmäßig mehr als im Röntgenbild erkennbar.
Ein untergrabener funktioneller Höcker ist deshalb dringlicher zu versorgen als ein nichtfunktioneller. Bei gleicher Restwandstärke fällt die Entscheidung unterschiedlich aus.
Dazu kommt die Frage nach der Parafunktion: Bei Bruxismus wirken andere Kräfte, und die Schwelle für die Überkuppelung liegt niedriger. Die Anamnese gehört deshalb dazu — Schliffacetten, morgendliche Verspannungen, Berichte des Partners.
Überkuppeln oder überkronen
Das sind zwei verschiedene Entscheidungen, und die erste wird oft übersprungen.
| Vorgehen | Wann |
|---|---|
| Direkte Versorgung ohne Überkuppelung | Höcker gestützt, ausreichende Restwandstärke |
| Überkuppelung des Höckers | Einzelner untergrabener Höcker, sonst ausreichend Substanz |
| Teilkrone oder Krone | Mehrere Höcker betroffen, geringe Restsubstanz, hohe Belastung |
| Keine Versorgung — Extraktion erwägen | Siehe unten |
Die Überkuppelung ist die unterschätzte Option. Ein einzelner untergrabener Höcker lässt sich adhäsiv überdecken, ohne dass der ganze Zahn präpariert werden muss — das erhält Substanz und ist bei jungen Patienten oft die bessere Entscheidung.
Drei Befunde:
Die Frakturlinie reicht weit subgingival. Dann fehlt die Fassung für eine Restauration.
Es bleibt kein umlaufender Substanzrand. Ohne ihn hält keine Krone dauerhaft.
Die Restsubstanz reicht für keine tragfähige Konstruktion.
Diese Beurteilung erfolgt nach der vollständigen Exkavation und bei guter Sicht — nicht vorher und nicht unter Blutung.
Was dazugehört: die Kosten der geänderten Planung, bevor weitergearbeitet wird. Bei einer Krone ist das eine andere Größenordnung, und die Entscheidung liegt beim Patienten. Notfalls wird die Sitzung mit einer Aufbaufüllung beendet und der Rest geplant.
Drei Fragen
Nach Entfernung einer großen Füllung zeigt sich ein untergrabener Höcker. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Höcker sind gefährdeter?
Wann ist der Zahn nicht mehr zu erhalten?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“, AWMF-Registernummer 083-028, Version 2.0, Stand Januar 2024 — Restsubstanz, Kavitätengeometrie und die Entscheidung zwischen direkter Versorgung und Überkuppelung. AWMFDeckt ab: Beurteilung der Höckerfrakturgefahr, Höckerüberkuppelung und die Entscheidung zwischen direkter Versorgung und Krone
- Josic U, D’Alessandro C, Miletic V et al.: Clinical longevity of direct and indirect posterior resin composite restorations – an updated systematic review and meta-analysis. Dental Materials 2023; 39(12): 1085–1094 — Vergleich von Komposit, Keramikinlay und Krone sowie die Einflussfaktoren auf die Langzeitprognose. DOIDeckt ab: Überlebensraten der Versorgungsformen bei ausgedehntem Substanzverlust
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über Prognose, Alternativen und Kosten
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