Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Höckeruntergrabung — wann die Krone indiziert ist

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Nach der Exkavation steht ein Höcker ohne Unterstützung. Ob er bleiben kann, entscheidet sich an einer Frage zur Statik — und die wird oft erst gestellt, wenn er abgebrochen ist.

1Woran du die Untergrabung erkennstUnd warum sie vorher nicht sichtbar war.
2Welche Höcker gefährdeter sindEs gibt einen Unterschied.
3Wann überkuppelt und wann überkront wirdZwei verschiedene Entscheidungen.
4Wann der Zahn nicht mehr zu erhalten istDrei Befunde.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Da liegt noch eine alte Füllung drin“

Schmerztermin47 Jahre, Zahn 36. Große Restauration mit sichtbarem Randspalt, radiologisch Sekundärkaries bis pulpanah, kein apikaler Befund. Der Kältereiz ist verlängert positiv. Nach Entfernung der Füllung zeigt sich der mesiobukkale Höcker untergraben.

Der Befund nach der Exkavation ist ein anderer als der davor — und er verändert die Planung. Die Frage lautet jetzt: Trägt dieser Höcker noch?

Der springende PunktEin Höcker aus Schmelz ohne Dentinstütze bricht unter Kaubelastung. Nicht sofort, aber absehbar — und dann meist mit einer Frakturlinie, die tiefer reicht als der ursprüngliche Defekt.

Woran du die Untergrabung erkennst

Zeichen Anmerkung
Schmelz ohne darunterliegendes Dentin Nach der Exkavation direkt sichtbar
Restwandstärke gering Von außen gemessen, nicht geschätzt
Vorhandene Frakturlinie Mit Trockenlegung und Beleuchtung suchen
Höcker beweglich beim Tasten Ein bereits gelöster Höcker

Warum sie vorher nicht sichtbar war: Die alte Füllung hat den Höcker gestützt. Erst nach ihrer Entfernung zeigt sich, wie viel Substanz tatsächlich fehlt — und das ist regelmäßig mehr als im Röntgenbild erkennbar.

Die funktionellen Höcker — im Unterkiefer die bukkalen, im Oberkiefer die palatinalen. Sie tragen die Hauptlast beim Zusammenbeißen.

Ein untergrabener funktioneller Höcker ist deshalb dringlicher zu versorgen als ein nichtfunktioneller. Bei gleicher Restwandstärke fällt die Entscheidung unterschiedlich aus.

Dazu kommt die Frage nach der Parafunktion: Bei Bruxismus wirken andere Kräfte, und die Schwelle für die Überkuppelung liegt niedriger. Die Anamnese gehört deshalb dazu — Schliffacetten, morgendliche Verspannungen, Berichte des Partners.

Überkuppeln oder überkronen

Das sind zwei verschiedene Entscheidungen, und die erste wird oft übersprungen.

Vorgehen Wann
Direkte Versorgung ohne Überkuppelung Höcker gestützt, ausreichende Restwandstärke
Überkuppelung des Höckers Einzelner untergrabener Höcker, sonst ausreichend Substanz
Teilkrone oder Krone Mehrere Höcker betroffen, geringe Restsubstanz, hohe Belastung
Keine Versorgung — Extraktion erwägen Siehe unten

Die Überkuppelung ist die unterschätzte Option. Ein einzelner untergrabener Höcker lässt sich adhäsiv überdecken, ohne dass der ganze Zahn präpariert werden muss — das erhält Substanz und ist bei jungen Patienten oft die bessere Entscheidung.

⚠️ Wann der Zahn nicht mehr zu erhalten ist

Drei Befunde:

Die Frakturlinie reicht weit subgingival. Dann fehlt die Fassung für eine Restauration.
Es bleibt kein umlaufender Substanzrand. Ohne ihn hält keine Krone dauerhaft.
Die Restsubstanz reicht für keine tragfähige Konstruktion.

Diese Beurteilung erfolgt nach der vollständigen Exkavation und bei guter Sicht — nicht vorher und nicht unter Blutung.

Dass sich der Befund nach Entfernung der alten Füllung geändert hat und warum. Das ist keine Ausrede, sondern der Normalfall — und wenn es vorher als Möglichkeit angesprochen wurde, ist es keine Überraschung.

Was dazugehört: die Kosten der geänderten Planung, bevor weitergearbeitet wird. Bei einer Krone ist das eine andere Größenordnung, und die Entscheidung liegt beim Patienten. Notfalls wird die Sitzung mit einer Aufbaufüllung beendet und der Rest geplant.

Drei Fragen

Nach Entfernung einer großen Füllung zeigt sich ein untergrabener Höcker. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ein einzelner untergrabener Höcker lässt sich adhäsiv überdecken, ohne den ganzen Zahn zu präparieren.Offene FrageWann wird überkront? Wenn mehrere Höcker betroffen sind, die Restsubstanz gering ist oder die Belastung hoch. Die Überkuppelung ist der Schritt dazwischen, der oft übersprungen wird.

Welche Höcker sind gefährdeter?

Drei. Sie tragen die Hauptlast beim Zusammenbeißen — bei gleicher Restwandstärke fällt die Entscheidung anders aus.Offene FrageWas kommt in der Anamnese dazu? Die Frage nach Parafunktion. Bei Bruxismus wirken andere Kräfte, und die Schwelle für die Überkuppelung liegt niedriger.

Wann ist der Zahn nicht mehr zu erhalten?

Drei. Ein einzelner untergrabener Höcker und die Devitalität sind für sich keine Gründe gegen den Erhalt.Offene FrageWann wird diese Beurteilung getroffen? Nach vollständiger Exkavation und bei guter Sicht — nicht vorher und nicht unter Blutung.

Das, was hängenbleiben soll

Schmelz ohne Dentin bricht — und zwischen Füllung und Krone liegt die Überkuppelung.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“, AWMF-Registernummer 083-028, Version 2.0, Stand Januar 2024 — Restsubstanz, Kavitätengeometrie und die Entscheidung zwischen direkter Versorgung und Überkuppelung. AWMFDeckt ab: Beurteilung der Höckerfrakturgefahr, Höckerüberkuppelung und die Entscheidung zwischen direkter Versorgung und Krone
  • Josic U, D’Alessandro C, Miletic V et al.: Clinical longevity of direct and indirect posterior resin composite restorations – an updated systematic review and meta-analysis. Dental Materials 2023; 39(12): 1085–1094 — Vergleich von Komposit, Keramikinlay und Krone sowie die Einflussfaktoren auf die Langzeitprognose. DOIDeckt ab: Überlebensraten der Versorgungsformen bei ausgedehntem Substanzverlust
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über Prognose, Alternativen und Kosten

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