Großflächige Fraktur — Aufbau oder Extraktion
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Die schwerste Entscheidung der restaurativen Zahnheilkunde — und eine, die in der falschen Reihenfolge getroffen wird, wenn man mit der Restauration beginnt.
„Die halbe Füllung hat sich gelöst“
Bevor über Aufbau oder Extraktion entschieden wird, sind zwei andere Fragen zu klären — und die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Die Reihenfolge
| Schritt | Frage | Warum zuerst |
|---|---|---|
| 1 | Wie ist der Pulpastatus? | Er bestimmt, ob endodontisch behandelt wird |
| 2 | Ist der Zahn restaurierbar? | Ohne Fassung trägt keine Versorgung |
| 3 | Welche Versorgung? | Erst wenn 1 und 2 geklärt sind |
Die Reihenfolge wird häufig umgedreht. Ein Zahn wird aufgebaut, überkront — und drei Monate später zeigt sich, dass er endodontisch behandelt werden muss. Der Zugang durch die Krone ist möglich, aber sie ist geschwächt, und die Patientin hat für etwas bezahlt, das jetzt beeinträchtigt ist.
Praktisch heißt das: eine adhäsive Aufbaufüllung, Beobachtung über einige Wochen und die definitive Versorgung erst, wenn der Zahn beschwerdefrei und die Diagnose klar ist.
Wenn die Symptomatik für eine irreversible Pulpitis spricht, wird endodontisch behandelt — und die Frage nach der Versorgung stellt sich danach neu, weil ein wurzelbehandelter Zahn andere Anforderungen hat.
Was die Restaurierbarkeit bestimmt
Der umlaufende Substanzrand — die Zone gesunder Zahnsubstanz, die eine Krone umfassen kann. Sie überträgt die Kräfte auf die Wurzel und verhindert, dass der Aufbau als Keil wirkt.
| Befund | Bedeutung |
|---|---|
| Umlaufend ausreichende Substanzhöhe | Restaurierbar |
| Einseitig fehlend | Kritisch — Kronenverlängerung oder Extrusion erwägen |
| Rand tief subgingival | Biologische Breite betroffen |
| Substanz bis unter das Knochenniveau verloren | In der Regel nicht mehr restaurierbar |
Vier Befunde:
Kein umlaufender Substanzrand herstellbar, auch nicht chirurgisch oder kieferorthopädisch.
Fraktur reicht in die Wurzel. Eine vertikale Wurzelfraktur ist ein Ausschlusskriterium.
Parodontal kompromittierter Zahn mit ungünstiger Langzeitprognose.
Aufwand und Prognose stehen in keinem Verhältnis — insbesondere, wenn eine Alternative im Gesamtplan ohnehin vorgesehen ist.
Der vierte Punkt braucht den Blick auf das gesamte Gebiss. Ein Zahn, der einzeln erhaltungswürdig wäre, kann im Rahmen einer geplanten Gesamtversorgung eine andere Rolle spielen.
Was nicht hilft, ist eine frühe Festlegung in die eine oder andere Richtung. Wer heute den Erhalt zusagt und in drei Wochen extrahieren muss, hat ein Vertrauensproblem — und wer zu früh zur Extraktion rät, nimmt dem Zahn eine Chance, die er möglicherweise gehabt hätte.
Drei Fragen
Ein Zahn mit großflächig frakturierter Restauration und verlängertem Kältereiz stellt sich vor. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was bestimmt die Restaurierbarkeit?
Wann ist die Extraktion die bessere Entscheidung?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Batista VES, Bitencourt SB, Bastos NA, Pellizzer EP, Goiato MC, Dos Santos DM: Influence of the ferrule effect on the failure of fiber-reinforced composite post-and-core restorations. Journal of Prosthetic Dentistry 2019 — erforderliche Restsubstanz, biologische Breite und Prognose. DOIDeckt ab: erforderliche Restsubstanz, Ferrule-Effekt und die Prognose stark zerstörter Zähne
- Ercoli C, Caton JG: Dental prostheses and tooth-related factors. Journal of Periodontology 2018; 89(Suppl. 1): S223–S236 — Abstand zwischen Restaurationsrand und Knochen sowie die Folgen seiner Unterschreitung. DOIDeckt ab: biologische Breite und die Indikationsstellung zur chirurgischen Kronenverlängerung
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Klärung des Pulpastatus vor der definitiven Versorgung
- Josic U, D’Alessandro C, Miletic V et al.: Clinical longevity of direct and indirect posterior resin composite restorations – an updated systematic review and meta-analysis. Dental Materials 2023; 39(12): 1085–1094 — Einflussfaktoren auf die Langzeitprognose. DOIDeckt ab: Überlebensraten der Versorgungsformen bei ausgedehntem Substanzverlust
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