Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Großflächige Fraktur — Aufbau oder Extraktion

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die schwerste Entscheidung der restaurativen Zahnheilkunde — und eine, die in der falschen Reihenfolge getroffen wird, wenn man mit der Restauration beginnt.

1Welche Frage zuerst beantwortet wirdNicht die nach dem Aufbau.
2Was die Restaurierbarkeit bestimmtDer umlaufende Substanzrand.
3Warum der Pulpastatus vorher geklärt wirdKeine Krone auf einen symptomatischen Zahn.
4Wann die Extraktion die bessere Entscheidung istVier Befunde.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Die halbe Füllung hat sich gelöst“

Schmerztermin61 Jahre, Zahn 36. Große Restauration bukkal abgefrakturiert, Perkussion positiv, Kältereiz verlängert. Radiologisch kein apikaler Befund, Pulpanähe. Mesiale und distale Wand sind erhalten. „Beim Essen hat sich die halbe Füllung gelöst. Der Zahn tut jetzt weh.“

Bevor über Aufbau oder Extraktion entschieden wird, sind zwei andere Fragen zu klären — und die Reihenfolge ist nicht beliebig.

Der springende PunktErst der Pulpastatus, dann die Restaurierbarkeit, dann die Versorgung. Wer mit der Versorgung beginnt, baut möglicherweise auf einem Zahn auf, der endodontisch behandelt werden muss.

Die Reihenfolge

Schritt Frage Warum zuerst
1 Wie ist der Pulpastatus? Er bestimmt, ob endodontisch behandelt wird
2 Ist der Zahn restaurierbar? Ohne Fassung trägt keine Versorgung
3 Welche Versorgung? Erst wenn 1 und 2 geklärt sind

Die Reihenfolge wird häufig umgedreht. Ein Zahn wird aufgebaut, überkront — und drei Monate später zeigt sich, dass er endodontisch behandelt werden muss. Der Zugang durch die Krone ist möglich, aber sie ist geschwächt, und die Patientin hat für etwas bezahlt, das jetzt beeinträchtigt ist.

Ein verlängerter Kältereiz und positive Perkussion sprechen für eine pulpale Beteiligung. Ob sie reversibel ist, entscheidet sich nicht in dieser Sitzung — und genau deshalb wird zuerst stabilisiert.

Praktisch heißt das: eine adhäsive Aufbaufüllung, Beobachtung über einige Wochen und die definitive Versorgung erst, wenn der Zahn beschwerdefrei und die Diagnose klar ist.

Wenn die Symptomatik für eine irreversible Pulpitis spricht, wird endodontisch behandelt — und die Frage nach der Versorgung stellt sich danach neu, weil ein wurzelbehandelter Zahn andere Anforderungen hat.

Was die Restaurierbarkeit bestimmt

Der umlaufende Substanzrand — die Zone gesunder Zahnsubstanz, die eine Krone umfassen kann. Sie überträgt die Kräfte auf die Wurzel und verhindert, dass der Aufbau als Keil wirkt.

Befund Bedeutung
Umlaufend ausreichende Substanzhöhe Restaurierbar
Einseitig fehlend Kritisch — Kronenverlängerung oder Extrusion erwägen
Rand tief subgingival Biologische Breite betroffen
Substanz bis unter das Knochenniveau verloren In der Regel nicht mehr restaurierbar
⚠️ Wann die Extraktion die bessere Entscheidung ist

Vier Befunde:

Kein umlaufender Substanzrand herstellbar, auch nicht chirurgisch oder kieferorthopädisch.
Fraktur reicht in die Wurzel. Eine vertikale Wurzelfraktur ist ein Ausschlusskriterium.
Parodontal kompromittierter Zahn mit ungünstiger Langzeitprognose.
Aufwand und Prognose stehen in keinem Verhältnis — insbesondere, wenn eine Alternative im Gesamtplan ohnehin vorgesehen ist.

Der vierte Punkt braucht den Blick auf das gesamte Gebiss. Ein Zahn, der einzeln erhaltungswürdig wäre, kann im Rahmen einer geplanten Gesamtversorgung eine andere Rolle spielen.

Dass die Entscheidung noch nicht feststeht und in welcher Reihenfolge sie getroffen wird. Dass heute stabilisiert und die Schmerzen behandelt werden. Und dass die Prognose sich erst beurteilen lässt, wenn der Pulpastatus klar ist.

Was nicht hilft, ist eine frühe Festlegung in die eine oder andere Richtung. Wer heute den Erhalt zusagt und in drei Wochen extrahieren muss, hat ein Vertrauensproblem — und wer zu früh zur Extraktion rät, nimmt dem Zahn eine Chance, die er möglicherweise gehabt hätte.

Drei Fragen

Ein Zahn mit großflächig frakturierter Restauration und verlängertem Kältereiz stellt sich vor. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Keine definitive Versorgung auf einem symptomatischen Zahn — sonst baut man möglicherweise auf einem Zahn auf, der endodontisch behandelt werden muss.Offene FrageWas passiert sonst? Der Zugang durch die Krone ist möglich, aber sie ist geschwächt — und die Patientin hat für etwas bezahlt, das jetzt beeinträchtigt ist.

Was bestimmt die Restaurierbarkeit?

Drei. Der Substanzrand überträgt die Kräfte auf die Wurzel und verhindert, dass der Aufbau als Keil wirkt.Offene FrageWas ist bei einseitigem Fehlen zu erwägen? Chirurgische Kronenverlängerung oder kieferorthopädische Extrusion — beide schaffen den Rand, auf unterschiedliche Weise.

Wann ist die Extraktion die bessere Entscheidung?

Drei. Weder die Größe der Fraktur noch die Devitalität sind für sich Gründe gegen den Erhalt.Offene FrageWas braucht der vierte Punkt? Den Blick auf das gesamte Gebiss. Ein einzeln erhaltungswürdiger Zahn kann im Rahmen einer geplanten Gesamtversorgung eine andere Rolle spielen.

Das, was hängenbleiben soll

Erst die Pulpa, dann die Fassung, dann die Versorgung — und keine Krone auf einen Zahn, der wehtut.

Quellen

  • Batista VES, Bitencourt SB, Bastos NA, Pellizzer EP, Goiato MC, Dos Santos DM: Influence of the ferrule effect on the failure of fiber-reinforced composite post-and-core restorations. Journal of Prosthetic Dentistry 2019 — erforderliche Restsubstanz, biologische Breite und Prognose. DOIDeckt ab: erforderliche Restsubstanz, Ferrule-Effekt und die Prognose stark zerstörter Zähne
  • Ercoli C, Caton JG: Dental prostheses and tooth-related factors. Journal of Periodontology 2018; 89(Suppl. 1): S223–S236 — Abstand zwischen Restaurationsrand und Knochen sowie die Folgen seiner Unterschreitung. DOIDeckt ab: biologische Breite und die Indikationsstellung zur chirurgischen Kronenverlängerung
  • Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Klärung des Pulpastatus vor der definitiven Versorgung
  • Josic U, D’Alessandro C, Miletic V et al.: Clinical longevity of direct and indirect posterior resin composite restorations – an updated systematic review and meta-analysis. Dental Materials 2023; 39(12): 1085–1094 — Einflussfaktoren auf die Langzeitprognose. DOIDeckt ab: Überlebensraten der Versorgungsformen bei ausgedehntem Substanzverlust

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