Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Abrasionen — Restauration oder erst Schienentherapie

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Kürzer gewordene Zähne über Jahre — und eine Entscheidung, die davon abhängt, ob die Bisshöhe erhalten geblieben ist.

1Warum die Ursache zuerst kommtSie arbeitet weiter.
2Wie du die Bisshöhe beurteilstDer entscheidende Befund.
3Was einfache von komplexen Fällen trenntUnd wann überwiesen wird.
4Warum Zeit hier ein Vorteil istDie Kompensation braucht Beurteilung.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Meine Zähne sind kürzer geworden“

Sprechstunde52 Jahre, generalisierte Abrasionen durch Bruxismus, Schliffacetten an allen Frontzähnen. Die vertikale Dimension erscheint um etwa drei Millimeter verringert. Keine akuten Schmerzen, gelegentlich Kiefergelenkbeschwerden. „Meine Zähne sind in den letzten Jahren deutlich kürzer geworden. Was kann man da machen?“

Einiges — aber nicht sofort und nicht allein restaurativ. Der Umfang des Bisshöhenverlusts entscheidet darüber, ob dieser Fall in der eigenen Praxis bleibt.

Der springende PunktOhne Kontrolle der Parafunktion zerstört der Bruxismus jede Restauration. Die Schienentherapie ist keine Vorstufe, sondern die Bedingung.

Warum die Ursache zuerst kommt

Abrasionen sind das Ergebnis eines Prozesses, der weiterläuft. Wer restauriert, ohne ihn zu beeinflussen, stellt Material in denselben Mechanismus — mit dem Unterschied, dass Komposit und Keramik weniger widerstandsfähig sind als Schmelz.

Schritt Inhalt
Funktionsdiagnostik Kiefergelenk, Muskulatur, Okklusion
Schienentherapie Schutz und zugleich diagnostisches Mittel
Verlaufskontrolle Wird die Schiene getragen, wie sind die Abrasionsspuren
Beurteilung der Beschwerden Bessern sich die Kiefergelenkbeschwerden
Dann die restaurative Planung Auf gesicherter Grundlage

Sie zeigt zweierlei. Erstens die Aktivität: Die Abrasionsspuren auf der Schiene machen sichtbar, wie stark und in welcher Richtung geknirscht wird — und ob es sich über die Monate verändert.

Zweitens die Verträglichkeit einer veränderten Bisslage: Wenn die Schiene die vertikale Dimension anhebt, lässt sich beobachten, wie Muskulatur und Kiefergelenk darauf reagieren. Das ist die Information, die vor einer aufwendigen Rehabilitation gebraucht wird — und sie ist reversibel zu gewinnen.

Deshalb ist die Schienentherapie hier keine verlorene Zeit, sondern der Teil der Planung, der die Entscheidung trägt.

Was einfache von komplexen Fällen trennt

Befund Vorgehen
Abrasionen ohne Bisshöhenverlust Direkte Versorgung nach Schienentherapie möglich
Geringer Bisshöhenverlust Restaurative Versorgung mit begrenzter Anhebung
Deutlicher Bisshöhenverlust Komplexe Rehabilitation — Überweisung erwägen
Mit Kiefergelenkbeschwerden Funktionsdiagnostik vorschalten

Der Bisshöhenverlust ist der Punkt, an dem sich der Fall teilt. Eine Anhebung der vertikalen Dimension betrifft nicht einzelne Zähne, sondern das gesamte Kausystem — Muskulatur, Gelenk und Okklusion. Das ist eine andere Größenordnung als eine Reihe von Kompositaufbauten.

⚠️ Warum die Beurteilung schwierig ist

Der Kieferknochen kompensiert den Substanzverlust über die Jahre teilweise durch Elongation der Zähne. Die tatsächliche vertikale Dimension kann deshalb weniger verändert sein, als die kürzeren Kronen vermuten lassen.

Praktisch heißt das: Die Einschätzung anhand der Zahnlänge allein trägt nicht. Was gebraucht wird, ist die funktionsdiagnostische Beurteilung — und bei größerem Umfang die Zusammenarbeit mit einer entsprechend ausgerichteten Praxis.

Dass der Prozess angehalten werden kann und dass eine Wiederherstellung möglich ist — aber dass der Weg dorthin über die Ursache führt und Zeit braucht.

Und dass die Schiene kein Aufschub ist, sondern der Teil, ohne den alles Weitere nicht hält. Ein Patient, der die Schiene als Hinhaltetaktik erlebt, trägt sie nicht — und dann trägt die spätere Versorgung ebenfalls nicht.

Bei größerem Umfang gehört die Überweisung dazu, mit derselben Begründung: nicht weil es nicht ginge, sondern weil eine Rehabilitation dieser Größenordnung eine eigene Planung braucht.

Drei Fragen

Ein Patient mit generalisierten Abrasionen und Bisshöhenverlust stellt sich vor. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ohne Kontrolle der Parafunktion zerstört der Bruxismus jede Restauration — und Komposit ist weniger widerstandsfähig als Schmelz.Offene FrageWas zeigt die Schiene diagnostisch? Die Aktivität über die Abrasionsspuren und die Verträglichkeit einer veränderten Bisslage — beides reversibel zu gewinnen.

Was trennt einfache von komplexen Fällen?

Drei. Eine Anhebung der vertikalen Dimension ist eine andere Größenordnung als eine Reihe von Kompositaufbauten.Offene FrageWarum ist die Beurteilung schwierig? Weil der Kieferknochen den Verlust über die Jahre teilweise durch Elongation kompensiert. Die Zahnlänge allein trägt die Einschätzung nicht.

Was gehört dem Patienten gesagt?

Drei. Ein Patient, der die Schiene als Hinhaltetaktik erlebt, trägt sie nicht — und dann trägt die spätere Versorgung ebenfalls nicht.Offene FrageWie begründet man die Überweisung? Nicht damit, dass es nicht ginge, sondern damit, dass eine Rehabilitation dieser Größenordnung eine eigene Planung braucht.

Das, was hängenbleiben soll

Erst die Ursache, dann die Höhe, dann die Zähne — und die Schiene ist Diagnostik, nicht Aufschub.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus“, AWMF-Register-Nr. 083-027, federführend DGFDT und DGZMK.Deckt ab: Diagnostik und Behandlung des Bruxismus sowie die Schienentherapie als Voraussetzung restaurativer Maßnahmen
  • Carvalho TS, Colon P, Ganss C et al.: Consensus report of the European Federation of Conservative Dentistry – erosive tooth wear, diagnosis and management. Clinical Oral Investigations 2015; 19(7): 1557–1561, sowie Loomans B, Opdam N, Attin T et al.: Severe Tooth Wear – European Consensus Statement on Management Guidelines. Journal of Adhesive Dentistry 2017; 19: 111–119 — Diagnostik, Vorgehen und die Abgrenzung einfacher von komplexen Rehabilitationen. DOIDeckt ab: Versorgung generalisierter Abrasionen, Bisshebung und die Abgrenzung einfacher von komplexen Rehabilitationen
  • Schiffman E, Ohrbach R, Truelove E et al.: Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD). Journal of Oral & Facial Pain and Headache 2014; 28(1): 6–27 — klinische Funktionsdiagnostik und Schienentherapie. DOIDeckt ab: klinische Funktionsdiagnostik vor restaurativen Eingriffen

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