Endodontie Vertiefung 6 Min

Horizontale Wurzelfraktur

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Anders als die Längsfraktur ist die Querfraktur oft kein Grund zur Aufgabe. Entscheidend ist, wo sie liegt — und was man in den ersten Wochen unterlässt.

1Warum die Lokalisation über die Prognose entscheidetJe weiter apikal, desto besser.
2Warum nicht prophylaktisch behandelt wirdEin erheblicher Teil dieser Zähne bleibt vital.
3Was bei eingetretener Nekrose behandelt wirdNur ein Teil des Zahns — und das ist entscheidend.
4Wie du die Fraktur überhaupt siehstEine Aufnahme reicht selten.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

Ein Strich quer durch die Wurzel

Notfall19 Jahre, Fußballtrauma. Zahn 11 ist leicht gelockert und minimal nach palatinal verlagert. Die Aufnahme zeigt eine horizontale Frakturlinie im mittleren Wurzeldrittel. „Ist der Zahn noch zu retten? Muss der Nerv jetzt behandelt werden?“

Zweimal nein und ja: Der Zahn ist zu retten, und der Nerv wird zunächst nicht behandelt.

Der springende PunktDie Querfraktur trennt den Zahn in zwei Fragmente, aber sie zerstört ihn nicht. Ein erheblicher Teil dieser Zähne behält die Vitalität — wer sofort trepaniert, nimmt sie ihnen.

Die Lokalisation bestimmt die Prognose

Je weiter apikal die Frakturlinie verläuft, desto günstiger. Eine Fraktur im apikalen oder mittleren Drittel hat eine deutlich bessere Aussicht als eine im koronalen Drittel — dort liegt die Frakturlinie nahe am Sulkus, die bakterielle Besiedlung ist wahrscheinlicher und die Beweglichkeit des koronalen Fragments größer.

Die erste Maßnahme ist mechanisch, nicht endodontisch: Das koronale Fragment wird reponiert und geschient. Erst danach beginnt die Beobachtung.

Nach den Traumaleitlinien wird die Wurzelkanalbehandlung erst bei nachgewiesener Nekrose eingeleitet, nicht vorsorglich. Der Grund ist einfach: Ein relevanter Anteil dieser Zähne heilt mit erhaltener Vitalität, teils unter Bildung von Hartgewebe zwischen den Fragmenten. Eine vorsorgliche Trepanation macht diese Möglichkeit zunichte.

In aller Regel nur das koronale Fragment. Das apikale Fragment bleibt meist vital und wird nicht einbezogen. Die Arbeitslänge endet an der Frakturlinie — das ist eine ungewohnte Vorstellung, aber sie folgt derselben Logik wie überall: behandelt wird das infizierte Gewebe, nicht das gesunde.

Wie du die Fraktur siehst

Maßnahme Was sie beiträgt
Aufnahme in mehreren Projektionen Der Spalt erscheint nur, wenn der Strahl in seiner Ebene verläuft
Exzentrische Zusatzaufnahme Trennt Überlagerungen, kostet kaum Dosis
Dreidimensionale Bildgebung Bei unklarem Befund, mit eigener rechtfertigender Indikation
Vitalitätsprüfung im Verlauf Über mehrere Termine, nicht einmalig
Beweglichkeitsprüfung Ein isoliert bewegliches koronales Fragment ist ein Hinweis
⚠️ Worauf du im Verlauf achtest

Auf eine negativ werdende Vitalitätsprobe, auf eine Aufhellung auf Höhe der Frakturlinie und auf zunehmende Beweglichkeit oder Beschwerden. Die Aufhellung zwischen den Fragmenten ist dabei das charakteristische Zeichen — sie zeigt an, dass die Infektion aus dem koronalen Anteil stammt.

Drei Fragen

Bei der Querfraktur im mittleren Wurzeldrittel ist der Zahn leicht disloziert und die Vitalitätsprobe fällt aktuell negativ aus. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Nach einem Trauma kann die Nervantwort vorübergehend ausbleiben, ohne dass die Pulpa abgestorben ist. Wer sofort trepaniert, behandelt möglicherweise einen vitalen Zahn.Offene FrageWie lange wartet man auf die Erholung? Die Angaben reichen über Monate. Eine harte Grenze gibt es nicht — weshalb die Kombination aus Vitalitätsprüfung, Beschwerdebild und radiologischem Verlauf entscheidet und nicht ein einzelner Wert.

Welche Aussagen zur horizontalen Wurzelfraktur treffen zu?

Drei. Prophylaktisch wird nicht behandelt, und das apikale Fragment bleibt meist vital — es einzubeziehen wäre ein Eingriff in gesundes Gewebe.Offene FrageWie sicher lässt sich die Vitalität des apikalen Fragments überhaupt beurteilen? Kaum direkt. Man schließt indirekt aus dem Fehlen einer apikalen Aufhellung darauf — das ist eine Annahme, die in den seltenen Ausnahmefällen auch falsch sein kann.

Im Verlauf zeigt sich eine Aufhellung auf Höhe der Frakturlinie, die Vitalitätsprobe bleibt negativ. Was folgt daraus?

Die erste. Die Aufhellung zwischen den Fragmenten bei negativer Vitalitätsprobe ist das Zeichen für eine Infektion des koronalen Anteils. Über die Frakturlinie hinaus zu arbeiten würde das apikale Fragment unnötig einbeziehen.Offene FrageUnd wenn die Behandlung nicht anschlägt? Dann kommen die Entfernung des koronalen Fragments und eine prothetische Lösung in Betracht — oder, je nach Frakturhöhe, eine chirurgische Option. Der Zahn ist auch dann nicht zwangsläufig verloren.

Das, was hängenbleiben soll

Reponieren, schienen, beobachten — und wenn behandelt wird, dann nur bis zur Frakturlinie.

Quellen

  • S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004, Stand 10/2022. Federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: Wurzelquerfraktur: Reposition, Schienung, Verlaufskontrolle und endodontische Indikationsstellung
  • Levin L, Day PF, Hicks L et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: general introduction. Dental Traumatology 2020; 36: 309–313, sowie die zugehörigen Teilleitlinien zu Fraktur- und Luxationsverletzungen.Deckt ab: internationale Empfehlungen zu Frakturverletzungen, Schienungsdauer und Nachkontrollintervallen
  • Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Behandlung nur des koronalen Fragments bei eingetretener Nekrose
  • Ng YL, Mann V, Rahbaran S, Lewsey J, Gulabivala K. Outcome of primary root canal treatment: systematic review — Part 2. Influence of clinical factors. International Endodontic Journal 2008; 41: 6–31.Deckt ab: prognostische Faktoren der Wurzelkanalbehandlung, die auch hier gelten

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