Den Riss im Zahn erkennen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Riss ist die unangenehmste Diagnose der Endodontie: schwer zu sichern, oft erst spät erkannt, und die Konsequenz ist häufig der Verlust des Zahns. Umso wichtiger, die Zeichen zu kennen.
„Das ist merkwürdig“
Zwei Befunde in diesem Absatz passen nicht zu einer gewöhnlichen Endodontie: die isolierte schmale Tasche und der Schmerz beim Loslassen.
Warum das Bild schweigt
Ein Riss ist ein Spalt von wenigen Mikrometern. Damit er im Röntgenbild erscheint, müsste der Zentralstrahl genau in seiner Ebene verlaufen — das ist Zufall, nicht Planung. Sichtbar wird meist erst die Folge: der Knochenabbau entlang der Wurzel, der als schmaler Saum oder als sogenannte Halo-Aufhellung erscheint.
Der Schmerz beim Loslassen ist das aussagekräftigste Einzelsymptom. Beim Zubeißen werden die Fragmente zusammengepresst, beim Entlasten federn sie auseinander und reizen das Gewebe im Spalt. Kaum ein anderer Befund erzeugt dieses Muster.
- Schmale, isolierte Tasche an einer Fläche, oft über sechs Millimeter
- Nachbarzähne parodontal unauffällig
- Beißschmerz wechselnder Intensität, Schmerz in der Entlastungsphase
- Fistel, die nicht zum Apex, sondern seitlich zur Wurzel zeigt
- Häufiger an wurzelkanalbehandelten, stiftversorgten Zähnen und an Molaren
Was dir tatsächlich weiterhilft
| Verfahren | Was es leistet | Wo es aufhört |
|---|---|---|
| Beißtest mit Watteroll oder Keil | Lokalisiert die betroffene Höckerregion | Zeigt keinen Riss, nur eine Region |
| Transillumination | Der Riss unterbricht die Lichtleitung | Funktioniert nur bei koronal sichtbarem Verlauf |
| Anfärbung | Macht den Spalt sichtbar | Braucht eine zugängliche Oberfläche |
| Sondierung | Die schmale isolierte Tasche ist ein Leitbefund | Erfasst nur, was die Sonde erreicht |
| Volumentomographie | Zeigt den Knochenabbau entlang der Wurzel | Der Riss selbst bleibt oft unsichtbar |
| Direkte Inspektion unter Vergrößerung | Der sicherste Nachweis | Setzt Eröffnung voraus |
Ein rein koronaler Riss kann unter Umständen versorgt werden. Reicht er bis zur Furkation oder nach apikal, ist der Zahn nicht erhaltbar. Bei mehrwurzeligen Zähnen mit nur einer betroffenen Wurzel kommt eine Teilentfernung in Betracht. Diese Einordnung gehört vor die Aufklärung, nicht danach.
Drei Fragen
Ein Patient hat an 36 eine isolierte, schmale Tasche von sieben Millimetern mesial. Die Nachbarzähne sind parodontal gesund, das Röntgenbild zeigt keinen Riss. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Befunde passen zum vertikalen Wurzelriss?
Der Verdacht bestätigt sich während der laufenden Behandlung: Unter dem Mikroskop zeigt sich ein Riss, der bis zur Furkation reicht. Wie gehst du damit um?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Patel S et al. ESE position statement on longitudinal cracks and fractures of teeth. International Endodontic Journal 2025.Deckt ab: Definition, Diagnostik und Management von Längsrissen und Frakturen
- Patel S, Bhuva B, Bose R. Present status and future directions: vertical root fractures in root filled teeth. International Endodontic Journal 2022; 55(S3): 804–826.Deckt ab: Ätiologie, prädisponierende Faktoren, klinische Zeichen, Grenzen der Bildgebung
- Patel S, Brown J, Semper M, Abella F, Mannocci F. ESE position statement: use of cone beam computed tomography in endodontics. International Endodontic Journal 2019; 52: 1675–1678.Deckt ab: Aussagekraft und Grenzen der dreidimensionalen Bildgebung beim Riss
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023. Ersetzt die ESE Quality Guidelines von 2006.Deckt ab: endodontische Diagnostik; Längsfrakturen sind darin ausdrücklich nicht behandelt
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