Endodontie Vertiefung 6 Min

Der MB2 am Oberkiefermolaren

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der MB2 ist da — in etwa sieben von zehn ersten Oberkiefermolaren. Ob du ihn findest, hängt weniger vom Zahn ab als davon, womit du suchst.

1Wie häufig er tatsächlich vorkommtDie Metaanalyse ist präziser als die üblichen Faustzahlen.
2Warum die Auffindequote so stark schwanktDer Unterschied zwischen bloßem Hinsehen und systematischer Suche ist enorm.
3Wo er anatomisch liegtUnd warum die Zugangskavität oft der eigentliche Engpass ist.
4Was zu dokumentieren ist, wenn du ihn nicht findestDenn auch das kommt vor und ist kein Behandlungsfehler.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

Drei Kanäle, und jetzt?

Behandlung46 Jahre, Wurzelkanalbehandlung an 16. Mesiobukkal, distobukkal und palatinal sind gefunden und aufbereitet, ein zweiter mesiobukkaler Kanal nicht. „Meine Kollegin sagt, ich soll alle Kanäle finden. Aber ich sehe da nur drei.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass an diesem Zahn vier Kanäle vorliegen, ist deutlich höher als die, dass es drei sind. Nicht zu sehen und nicht vorhanden ist nicht dasselbe.

Der springende PunktDie Frage ist nicht, ob der MB2 da ist. Die Frage ist, ob dein Vorgehen geeignet ist, ihn zu finden.

Die Zahlen

Die Metaanalyse der CBCT-Prävalenzstudien kommt für den ersten Oberkiefermolaren auf 69,6 Prozent (Konfidenzintervall 64,5 bis 74,8) und für den zweiten auf 39,0 Prozent. Männer haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, und die geografische Herkunft beeinflusst die Häufigkeit. Alter und Auflösung der Aufnahme tun das nicht.

Entscheidender für den Alltag ist die zweite Zahl. Eine Metaanalyse zur Detektion zeigt, wie stark die Auffindequote vom Vorgehen abhängt: bloße direkte Inspektion 26,5 Prozent, Inspektion mit Vergrößerung 60,4 Prozent, mit zusätzlicher Ultraschallanwendung 71,9 Prozent. Zum Vergleich die Häufigkeit in der Bildgebung: 64,8 Prozent.

Wer ohne Vergrößerung sucht, findet etwa ein Drittel der vorhandenen MB2-Kanäle. Wer mit Vergrößerung und Ultraschall arbeitet, findet mehr, als die Bildgebung anzeigt. Die Ausrüstung ist hier kein Komfort, sondern der Unterschied zwischen vollständiger und unvollständiger Behandlung.

Der Eingang findet sich mesial der gedachten Verbindungslinie zwischen mesiobukkalem und palatinalem Kanal, meist nur ein bis zwei Millimeter davon entfernt. Häufig verdeckt ihn eine Dentikelauflagerung oder ein Dentinvorsprung. Die Zugangskavität muss dafür oft nach mesial erweitert werden — wer den Zugang zu konservativ anlegt, sucht an einer Stelle, die er gar nicht einsehen kann.

Systematisch suchen

Hilfsmittel Was es beiträgt
Vergrößerung Der größte Einzeleffekt auf die Auffindequote
Abgewinkelte Sonde Ertasten der Eingangsdelle im Dentinvorsprung
Ultraschall Gezieltes Abtragen der Auflagerung ohne unkontrollierten Substanzverlust
Anfärbung Macht Kanaleingänge und Isthmen sichtbar
Zusätzliche Projektion Zeigt, ob eine zweite Wurzelkanalstruktur angelegt ist
⚠️ Wo die Suche endet

Nicht bei der Perforation. Wer immer tiefer nach mesial geht, riskiert eine Perforation in den Furkationsbereich — und die ist prognostisch schlechter als ein nicht gefundener Kanal. Findest du ihn nach systematischer Suche nicht, dokumentierst du Suchtiefe, Hilfsmittel und Befund und klärst über das erhöhte Rezidivrisiko auf.

Drei Fragen

Welche Aussage zum MB2 am ersten Oberkiefermolaren trifft nicht zu?

Die dritte. Bei bloßer Inspektion werden nur etwa 26 Prozent der vorhandenen MB2-Kanäle entdeckt. Nicht gesehen zu haben sagt vor allem etwas über die Methode aus.Offene FrageWie sicher kann man überhaupt ausschließen, dass ein Kanal vorliegt? Sicher gar nicht. Selbst die Bildgebung findet weniger als die Untersuchung unter Vergrößerung mit Ultraschall — ein Ausschluss ist damit praktisch nicht möglich.

Welche Maßnahmen erhöhen die Auffindequote nachweislich?

Drei. Aufbereitung und Spülung des bereits gefundenen Kanals ändern nichts daran, ob ein zweiter entdeckt wird.Offene FrageUnd wenn MB1 und MB2 konfluieren? Das kommt häufig vor und ändert die Aufbereitung. Ob sie zusammenlaufen, zeigt sich oft erst bei der Messung — wenn beide Feilen dieselbe Länge erreichen und sich gegenseitig blockieren.

Du hast systematisch mit Vergrößerung und Ultraschall gesucht und keinen MB2 gefunden. Was folgt?

Die erste. Immer weiter zu präparieren führt zur Perforation, und ein nicht gefundener Kanal ist kein Grund, den Zahn aufzugeben — er ist ein Grund für Transparenz und engmaschigere Kontrolle.Offene FrageWäre eine Überweisung falsch? Nein, sie ist eine legitime Option, gerade wenn die Ausstattung fehlt. Die schlechteste Variante ist, den Fall abzuschließen, als sei nichts gewesen.

Das, was hängenbleiben soll

Der Kanal ist meistens da. Ob du ihn findest, entscheidet dein Vorgehen.

Quellen

  • Martins JNR, Marques D, Silva EJNL, Caramês J, Mata A, Versiani MA. Second mesiobuccal root canal in maxillary molars — a systematic review and meta-analysis of prevalence studies using cone beam computed tomography. Archives of Oral Biology 2020; 113: 104589.Deckt ab: Häufigkeit des MB2 an Oberkiefermolaren, Einfluss von Geschlecht und geografischer Herkunft
  • Anirudhan S, Suneelkumar C, Uppalapati H, Anumula L, Kirubakaran R. Detection of second mesiobuccal canals in maxillary first molars — a systematic review and meta-analysis. Evidence-Based Dentistry 2022.Deckt ab: Auffindequote in Abhängigkeit vom Vorgehen: bloße Inspektion, Vergrößerung, Ultraschall
  • Patel S, Brown J, Semper M, Abella F, Mannocci F. ESE position statement: use of cone beam computed tomography in endodontics. International Endodontic Journal 2019; 52: 1675–1678.Deckt ab: Stellenwert der dreidimensionalen Bildgebung bei unklarer Kanalanatomie
  • Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Folgen unvollständiger Aufbereitung für das Behandlungsergebnis und Dokumentationsanforderungen

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