Endodontie Vertiefung 6 Min

Endodontie und Implantatplanung

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein entzündeter Nachbarzahn kann ein Implantat gefährden. Das klingt nach Randthema, ist aber die häufigste Ursache einer selten erkannten Komplikation.

1Was retrograde Periimplantitis istEine Läsion am Implantatapex bei intakter koronaler Osseointegration.
2Woher sie meistens kommtDie Antwort steht im Nachbarzahn.
3Wann sie auffälltMeist innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters nach der Implantation.
4Was das für die Reihenfolge bedeutetErst der Befund am Nachbarzahn, dann die Implantatplanung.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

Die Frage des Chirurgen

Konsil52 Jahre, Implantat an 36 geplant. Am Nachbarzahn 35 zeigt sich eine apikale Aufhellung, der Zahn ist beschwerdefrei. „Der Chirurg fragt, ob der Nachbarzahn vorher behandelt werden muss.“

Die Frage ist berechtigt und die Antwort lautet ja — mit einer Begründung, die über „sicherheitshalber“ hinausgeht.

Der springende PunktEine apikale Läsion am Nachbarzahn ist ein Keimreservoir in unmittelbarer Nähe des künftigen Implantatbetts. Sie gilt als häufigste Ursache der retrograden Periimplantitis.

Retrograde Periimplantitis

Gemeint ist eine entzündliche Läsion am Apex des Implantats, während der koronale Anteil regelrecht osseointegriert ist. Radiologisch zeigt sich eine Aufhellung um die Implantatspitze, klinisch oft eine Fistel oder eine Schwellung im Vestibulum.

Die Literaturübersichten benennen als häufigste Ursache die endodontische Infektion eines Nachbarzahns. Die Diagnose fällt in der Mehrzahl der berichteten Fälle innerhalb der ersten sechs Monate nach der Implantation.

Insgesamt selten — die berichteten Häufigkeiten schwanken erheblich, weil die Datenlage überwiegend aus Fallberichten und retrospektiven Auswertungen besteht. Erhöht ist das Risiko dort, wo der Nachbarzahn endodontisch vorbehandelt ist oder wo zuvor eine Wurzelspitzenresektion stattgefunden hat. Eine retrospektive Untersuchung an solchen Standorten fand eine Häufigkeit von rund zwanzig Prozent.

Ein Mindestabstand zwischen Implantat und Nachbarzahn sowie ein zeitlicher Vorlauf zwischen dem Abschluss der endodontischen Behandlung und der Implantation. Beide Angaben stammen aus der Auswertung von Fallberichten, nicht aus kontrollierten Studien — das ist bei der Gewichtung zu berücksichtigen.

Die Reihenfolge

Schritt Warum
Nachbarzähne vor der Planung endodontisch beurteilen Ein stummer Befund fällt sonst erst nach der Implantation auf
Aktive Läsionen vor der Implantation behandeln Das Keimreservoir wird beseitigt, bevor das Bett angelegt wird
Ausheilung radiologisch kontrollieren Die Beurteilung stützt sich auf den Verlauf, nicht auf ein Einzelbild
Befund schriftlich an den Chirurgen Die Reihenfolge muss zwischen beiden abgestimmt sein
⚠️ Was oft übersehen wird

Nicht nur der zu ersetzende Zahn zählt. Auch ein zurückliegender Eingriff an der Nachbarwurzel und persistierende Wurzelreste im Kieferknochen gehören zur Beurteilung des Implantatbetts.

Drei Fragen

Welche Aussage zur retrograden Periimplantitis trifft nicht zu?

Die dritte. In der Mehrzahl der berichteten Fälle wurde die Diagnose innerhalb der ersten sechs Monate nach der Implantation gestellt. Spätere Fälle kommen vor, sind aber nicht der Regelfall.Offene FrageWie belastbar sind diese Angaben? Die Datenlage besteht überwiegend aus Fallberichten und retrospektiven Serien. Kontrollierte Studien fehlen — die Häufigkeitsangaben schwanken entsprechend stark.

Welche Situationen erhöhen das Risiko einer retrograden Periimplantitis?

Drei. Ein unauffälliger vitaler Nachbarzahn ist kein Risikofaktor, und ein Zusammenhang mit dem Implantatsystem ist nicht beschrieben.Offene FrageHeißt das, jeder wurzelkanalbehandelte Nachbarzahn ist ein Problem? Nein — entscheidend ist, ob ein Befund vorliegt. Eine ausgeheilte Behandlung ohne periapikale Veränderung ist etwas anderes als eine persistierende Läsion.

Der Nachbarzahn wurde endodontisch behandelt, die Aufhellung besteht noch. Der Chirurg drängt auf einen baldigen Termin. Was ist fachlich richtig?

Die erste. Der Abschluss der Behandlung ist nicht dasselbe wie die Ausheilung, und die Ausheilung zeigt sich erst im Verlauf. Eine feste Wartezeit von Jahren ist ebenso wenig belegt wie eine vorsorgliche Extraktion.Offene FrageWie lange soll man warten? Die Empfehlungen aus den Übersichtsarbeiten nennen einen zeitlichen Vorlauf, stützen sich dabei aber auf Fallberichte. Eine belastbare Frist gibt es nicht — deshalb entscheidet der radiologische Verlauf und nicht der Kalender.

Das, was hängenbleiben soll

Bevor das Implantat geplant wird, gehört der Nachbarzahn beurteilt.

Quellen

  • Sarmast ND et al. A novel treatment decision tree and literature review of retrograde peri-implantitis. Journal of Periodontology 2016.Deckt ab: Ätiologie der retrograden Periimplantitis, Häufigkeit endodontischer Ursachen, Empfehlungen zu Abstand und zeitlichem Vorlauf
  • Saleh MHA et al. Incidence of retrograde peri-implantitis in sites with previous apical surgeries: a retrospective study. Journal of Periodontology 2021.Deckt ab: Häufigkeit der retrograden Periimplantitis an Standorten mit endodontischer Vorgeschichte
  • Setzer FC, Kim S. Comparison of long-term survival of implants and endodontically treated teeth. Journal of Dental Research 2014; 93: 19–26.Deckt ab: Entscheidung zwischen Zahnerhalt und Implantat im Gesamtplan
  • Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Behandlung der apikalen Parodontitis und Beurteilung der Ausheilung

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