Weisheitszahn Unterkiefer — die Überweisung vorbereiten
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Eine Patientin fragt nach dem Nervrisiko — und die ehrliche Antwort braucht Größenordnungen, keine genauen Zahlen.
„Werde ich danach taub sein?“
Wahrscheinlich nicht dauerhaft — und die Antwort auf ihre Frage entscheidet mit darüber, ob sie den Eingriff machen lässt.
Wie du das Nervrisiko erklärst
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Eine vorübergehende Gefühlsstörung ist möglich | Sie kommt vor und bildet sich meist zurück |
| Eine bleibende Störung ist selten | Deutlich seltener als die vorübergehende |
| Das Risiko steigt bei Kanalkontakt | Und mit der Zahl der Risikozeichen |
| Es sinkt mit der Erfahrung des Operateurs | Ein Grund für die Überweisung |
Warum hier keine genauen Prozentzahlen stehen: Sie unterscheiden sich zwischen den Untersuchungen erheblich, je nach Definition der Störung, Nachbeobachtungszeit und Ausgangslage. Eine genannte Zahl, die für diese Patientin nicht stimmt, ist schlechter als eine ehrliche Größenordnung — und sie wird von Patienten als Zusage verstanden.
Was ebenfalls hilft: die konkrete Beschreibung. Betroffen wäre das Gefühl an Unterlippe und Kinn auf einer Seite — nicht die Bewegung, nicht das Sprechen, nicht der Geschmack. Viele stellen sich etwas Umfassenderes vor.
Was nicht hilft: die Verharmlosung. Wenn die Störung eintritt, war sie angekündigt — oder eben nicht, und dann ist das Vertrauen verloren.
Und die Gegenrechnung gehört dazu: Was passiert, wenn nicht behandelt wird? Bei rezidivierender Perikoronitis besteht ein eigenes Risiko, und die Ausgangslage wird mit den Jahren nicht besser.
Was aus dem Befund folgt
| Situation | Konsequenz |
|---|---|
| Mehrere Risikozeichen zugleich | Dreidimensionale Aufnahme gerechtfertigt |
| Einzelnes Zeichen, sonst unauffällig | In der Regel nicht erforderlich |
| Bestätigter enger Kontakt | Chirurgisch erfahrene Stelle, Koronektomie erwägen |
| Klare Distanz | Normales Vorgehen |
Die Koronektomie: Die Krone wird entfernt, die Wurzel bleibt im Knochen. Da an der Wurzel nicht manipuliert wird, ist das Risiko einer Nervschädigung erheblich geringer.
Was zu bedenken ist: Das Risiko ist reduziert, nicht null. Die Wurzel bleibt liegen und wandert meist über die Zeit vom Kanal weg — ein späterer Zweiteingriff ist möglich. Und nicht jede Ausgangslage eignet sich.
Die Entscheidung fällt chirurgisch. Was in die überweisende Praxis gehört, ist die Information, dass es diese Möglichkeit gibt — die Patientin sollte davon nicht erst dort erfahren.
- Die Bildgebung als Datei, damit sie nicht wiederholt wird
- Der Befund mit Lage, Achse und den erkannten Risikozeichen
- Die Anamnese einschließlich Medikation
- Die Dringlichkeit und die bisherige Symptomatik
- Was zur Überbrückung veranlasst wurde
Zur Überbrückung bis zum Termin: bei rezidivierender Perikoronitis die Spülung unter der Schleimhautkapuze, die die Patientin selbst durchführen kann, sowie Analgesie nach Bedarf. Eine antibiotische Behandlung nur bei Schwellung oder Allgemeinsymptomen — nicht dauerhaft und nicht prophylaktisch bis zum Termin.
Und ein Termin, der vereinbart und nicht nur empfohlen ist.
Drei Fragen
Bei einem retinierten Zahn 48 ist die Kanalkortikalis im Bild unterbrochen. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gehört in die Risikoerklärung?
Was leistet die Koronektomie?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Rood JP, Shehab BA. The radiological prediction of inferior alveolar nerve injury during third molar surgery. British Journal of Oral and Maxillofacial Surgery 1990; 28: 20–25 — radiologische Risikozeichen für die Nervnähe.Deckt ab: radiologische Risikozeichen für die Nähe zum Nervkanal
- Lee J, Feng B, Park JS, Foo M, Kruger E: Incidence of lingual nerve damage following surgical extraction of mandibular third molars with lingual flap retraction – a systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 2023; 18(2): e0282185 — Häufigkeit vorübergehender und bleibender Störungen, Risikofaktoren und Verlauf. DOIDeckt ab: Häufigkeit vorübergehender und bleibender Nervstörungen sowie deren Verlauf
- S2k-Leitlinie „Dentale digitale Volumentomographie“, AWMF-Register-Nr. 083-005 — Indikationsstellung für die dreidimensionale Bildgebung.Deckt ab: Indikationsstellung für die dreidimensionale Bildgebung bei Kanalnähe
- Cervera-Espert J, Pérez-Martínez S, Cervera-Ballester J, Peñarrocha-Oltra D, Peñarrocha-Diago M: Coronectomy of impacted mandibular third molars – a meta-analysis and systematic review. Medicina Oral Patología Oral y Cirugía Bucal 2016; 21(4): e505–e513 — Indikation, Nervschädigungsrate im Vergleich zur vollständigen Entfernung und das Verhalten der belassenen Wurzel. PubMedDeckt ab: Koronektomie als Alternative bei hohem Nervrisiko
- Bürgerliches Gesetzbuch § 630e — Aufklärungspflichten, insbesondere zu eingriffstypischen Risiken.Deckt ab: Aufklärung über eingriffstypische Risiken
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