Chirurgie Vertiefung 7 Min

Wundinfektion — wann ein Antibiotikum

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine Entscheidung, die häufiger zugunsten des Antibiotikums fällt als nötig — und ein Grundsatz, der die Indikation ordnet.

1Welche Kriterien die Indikation tragenNicht die Rötung allein.
2Warum die Entlastung vorgehtDer Grundsatz für alle Infektionen.
3Was bei der Substanzauswahl giltUnd was sich bei Penicillinallergie geändert hat.
4Warum die Dauer nicht gekürzt wirdUnd nicht verlängert.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Brauche ich jetzt eines?“

Kontrolle, fünf Tage nach dem Eingriff41 Jahre, Wurzelspitzenresektion an 21. Die Schwellung ist nicht rückläufig, die Wunde gerötet, die Temperatur leicht erhöht. Kein Eiter sichtbar, keine Kieferklemme. „Ich habe kein Antibiotikum bekommen. Brauche ich jetzt eines?“

In dieser Konstellation ja — aber nicht wegen der Rötung, sondern wegen der Kombination aus Rückläufigkeit, die ausbleibt, und der erhöhten Temperatur.

Der springende PunktEine gerötete Wunde ist kein Grund für ein Antibiotikum. Was die Indikation trägt, ist die Kombination mehrerer Zeichen — und die Frage, ob eine Entlastung nötig ist.

Welche Kriterien die Indikation tragen

Für die Antibiotikagabe Kein ausreichender Grund
Ausbleibende Rückläufigkeit nach Tag drei bis vier Rötung allein
Erhöhte Temperatur Leichte Schwellung im normalen Verlauf
Zunehmende Schwellung Wundschmerz in den ersten Tagen
Ausbreitungszeichen Unsicherheit ohne Befund
Relevante Immunsuppression oder Risikoprofil Der Wunsch des Patienten

Die letzte Zeile der rechten Spalte ist ein realer Punkt. Der Wunsch nach einem Antibiotikum ist verbreitet und verständlich — er ist aber keine Indikation. Was hilft, ist die Erklärung, warum keines gegeben wird und woran der Patient erkennt, dass sich das ändert.

Ein Antibiotikum erreicht den Inhalt eines Abszesses nicht — die Kapsel und die fehlende Durchblutung verhindern das. Wo Eiter ist, muss er heraus.

Die Reihenfolge lautet deshalb: Zuerst prüfen, ob eine Entlastung erforderlich ist. Dann entscheiden, ob zusätzlich ein Antibiotikum gebraucht wird.

Praktisch heißt das: Bei einer fluktuierenden Schwellung ist die Inzision die Behandlung, das Antibiotikum die Begleitung. Bei einer prallen, nicht fluktuierenden ist die antibiotische Behandlung mit engmaschiger Kontrolle vertretbar — mit der Bereitschaft, bei Zunahme zu entlasten.

Und dazu gehört: Wenn die Ursache noch besteht — ein verbliebenes Fragment, eine nicht entfernte Quelle —, wird sie beseitigt. Auch das ist kausale Behandlung, die kein Antibiotikum ersetzt.

Was bei der Substanzauswahl gilt

Situation Auswahl
Standard Aminopenicillin, gegebenenfalls mit Betalaktamasehemmer
Sinusbeteiligung Substanz mit erweitertem Spektrum
Penicillinallergie Nach Allergietyp — siehe unten
Dauer Nach Befund, in der Regel wenige Tage
⚠️ Was sich bei Penicillinallergie geändert hat

Clindamycin war über Jahrzehnte das selbstverständliche Ausweichmittel. Es wird wegen der Komplikationen durch Clostridioides difficile und der Resistenzentwicklung zunehmend zurückhaltender eingesetzt — in der Endokarditisprophylaxe ist es inzwischen ausdrücklich nicht mehr empfohlen.

Für die Infektionsbehandlung bleibt es eine Option, aber keine automatische. Was zuerst geklärt wird: Welcher Art war die Reaktion? Ein Ausschlag in der Kindheit ist etwas anderes als eine Anaphylaxie — und bei vielen dokumentierten „Penicillinallergien“ besteht keine.

Bei Unsicherheit oder schwerer Reaktion in der Anamnese gehört die Rücksprache dazu. Die konkrete Auswahl und Dosierung richtet sich nach aktuellen Empfehlungen und Fachinformation.

Nicht kürzen: Ein Abbruch bei Besserung nach zwei Tagen begünstigt Resistenzen und ein Wiederaufflammen. Die Besserung tritt vor der Ausheilung ein.

Nicht verlängern: Eine Fortsetzung „zur Sicherheit“ ohne Befundkontrolle ist ebenso wenig sinnvoll. Wenn nach der vorgesehenen Dauer keine Ausheilung eingetreten ist, ist das ein Befund — und der erfordert eine erneute Beurteilung, keine Verlängerung.

Was dazugehört: ein fester Kontrolltermin. Ein Antibiotikum ohne Wiedervorstellung ist eine Verordnung ins Ungewisse — man erfährt nicht, ob es gewirkt hat.

Drei Fragen

Fünf Tage nach einem Eingriff ist die Wunde gerötet, die Schwellung nicht rückläufig, die Temperatur leicht erhöht. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Was die Indikation trägt, ist die Kombination — ausbleibende Rückläufigkeit, Temperatur, Zunahme.Offene FrageWas ist mit dem Wunsch des Patienten? Er ist verständlich und keine Indikation. Was hilft, ist die Erklärung, woran er erkennt, dass sich die Lage ändert.

Warum geht die Entlastung vor?

Drei. Die Kapsel und die fehlende Durchblutung verhindern, dass die Substanz wirkt.Offene FrageWas ist die Reihenfolge? Zuerst prüfen, ob eine Entlastung erforderlich ist. Dann entscheiden, ob zusätzlich ein Antibiotikum gebraucht wird.

Was gilt bei angegebener Penicillinallergie?

Drei. Bei vielen dokumentierten Penicillinallergien besteht tatsächlich keine.Offene FrageWarum ist Clindamycin zurückhaltender zu bewerten? Wegen der Komplikationen durch Clostridioides difficile und der Resistenzentwicklung — in der Endokarditisprophylaxe ist es nicht mehr empfohlen.

Das, was hängenbleiben soll

Erst entlasten, dann verordnen — und die Dauer weder kürzen noch verlängern.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“, AWMF-Registernummer 007-006, Stand September 2016 — Erkennung, Indikation zur antibiotischen Behandlung, Substanzauswahl und die Bedeutung der chirurgischen Entlastung. AWMFDeckt ab: Erkennung, Indikation zur antibiotischen Behandlung und die Bedeutung der chirurgischen Entlastung
  • S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“, AWMF-Registernummer 007-006, Stand September 2016 — Indikationen, Substanzauswahl, Therapiedauer und die Abgrenzung von Prophylaxe und Therapie. AWMFDeckt ab: Substanzauswahl, Therapiedauer und das Vorgehen bei Penicillinallergie
  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — postoperative Komplikationen, deren Erkennung und Management.Deckt ab: klinische Beurteilung des Wundbefunds

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