Chirurgie Vertiefung 7 Min

Periimplantitis — Erstmaßnahmen

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Befund am Implantat im Recall — und die Unterscheidung, die darüber entscheidet, ob du behandelst oder überweist.

1Welche Unterscheidung zuerst getroffen wirdMit oder ohne Knochenbeteiligung.
2Warum die Referenzaufnahme zähltOhne sie fehlt der Bezugspunkt.
3Was du selbst tustUnd wo die Grenze liegt.
4Wie du die Kostenfrage beantwortestSie kommt sofort.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Muss das jetzt raus?“

Recall54 Jahre, Implantat regio 36 seit drei Jahren. Blutung auf Sondierung, Sondierungstiefe sechs Millimeter, radiologisch ein Knochenabbau von etwa drei Millimetern gegenüber der Voraufnahme. „Das Implantat hat mich viel Geld gekostet. Muss das jetzt raus?“

Nein — bei diesem Befund ist eine Behandlung möglich. Die Frage nach den Kosten kommt allerdings sofort, und sie gehört beantwortet, bevor über die Therapie gesprochen wird.

Der springende PunktDie entscheidende Unterscheidung ist die Knochenbeteiligung. Ohne sie liegt eine Mukositis vor — und die ist reversibel.

Die Unterscheidung

Periimplantäre Mukositis Periimplantitis
Betroffen Nur das Weichgewebe Weichgewebe und Knochen
Blutung auf Sondierung Vorhanden Vorhanden
Sondierungstiefe Erhöht möglich Erhöht
Röntgenbefund Kein Knochenverlust über den Umbau hinaus Knochenverlust gegenüber der Referenz
Reversibilität Reversibel Der Knochenverlust nicht

Die Mukositis ist die Vorstufe — und sie ist die Chance. Wer sie erkennt und behandelt, verhindert die Periimplantitis. Wer sie übersieht, sieht das Implantat in einigen Jahren mit Knochenverlust wieder.

Die Diagnose stützt sich auf den Vergleich mit der Aufnahme nach Eingliederung der Suprakonstruktion. Nach dem Einbringen findet ein gewisser Umbau statt — er gehört zum normalen Verlauf und ist kein Krankheitszeichen.

Ohne Referenz lässt sich nicht sagen, ob ein sichtbarer Knochenverlust dieser Umbau oder ein pathologischer Prozess ist. Die Falldefinitionen sehen für diesen Fall ein Ersatzvorgehen über die Kombination aus klinischen Zeichen und dem Ausmaß des sichtbaren Verlusts vor — es ist weniger präzise.

Was daraus für die eigene Praxis folgt: Bei jedem eingegliederten Implantat gehört eine Aufnahme angefertigt und als Referenz gekennzeichnet. Sie wird Jahre später gebraucht, möglicherweise von jemand anderem.

Und für die Diagnose gilt: Sie braucht beides — Sondierung und Bild. Ein unauffälliges Bild schließt einen Befund vestibulär oder oral nicht aus, weil diese Flächen nicht abgebildet sind.

Was du selbst tust

Maßnahme Einordnung
Befund vollständig erheben Sondierung an mehreren Stellen, Bild, Vergleich
Ursachen suchen Zementrest, Konstruktion, Hygienefähigkeit, Rauchen
Nichtchirurgische Reinigung Mit implantatgeeigneten Instrumenten
Hygieneinstruktion und Nachsorgeintervall Der tragende Teil
Neubeurteilung nach Wochen Vor jeder weiteren Entscheidung

Die zweite Zeile wird häufig übersprungen. Ein Zementrest, eine nicht reinigbare Konstruktion oder eine ungünstige Emergenzprofilgestaltung sind Ursachen, die sich beseitigen lassen — und ohne ihre Beseitigung wirkt keine Therapie dauerhaft.

⚠️ Wo die Grenze liegt

Die nichtchirurgische Behandlung ist bei der Mukositis in der Regel ausreichend. Bei der Periimplantitis mit relevantem Knochenverlust ist sie es meist nicht — dort ist ein chirurgisches Vorgehen erforderlich, und das gehört in erfahrene Hände.

Was du beiträgst: die Erkennung, die Ursachenklärung, die nichtchirurgische Erstbehandlung und die Überweisung mit vollständigem Befund einschließlich der Referenzaufnahme.

Die vollständigen Therapiewege stehen in der Implantologie.

Sie kommt sofort und ist berechtigt — der Patient hat erheblich investiert.

Was hilft: die klare Aussage, dass ein Knochenverlust von diesem Ausmaß behandelbar ist und die Entfernung nicht ansteht. Dann die Erklärung des Vorgehens in Stufen: erst die nichtchirurgische Behandlung mit Neubeurteilung, dann gegebenenfalls der chirurgische Schritt.

Was ebenfalls dazugehört: dass der Erfolg von seiner Mitarbeit abhängt. Die periimplantäre Region ist anspruchsvoller zu reinigen als ein natürlicher Zahn, und ohne Änderung der Hygiene kommt der Befund wieder.

Und ehrlich: dass eine Behandlung nicht in jedem Fall gelingt und dass die Entfernung eine Möglichkeit bleibt, wenn der Verlust fortschreitet. Diese Aussage jetzt ist besser als die Überraschung später.

Drei Fragen

Bei einem Implantat bestehen Blutung, erhöhte Sondierungstiefe und Knochenverlust. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei diesem Befund ist eine Behandlung möglich — die Entfernung steht nicht an.Offene FrageWelche Ursachen werden gesucht? Zementrest, nicht reinigbare Konstruktion, ungünstiges Emergenzprofil, Rauchen. Ohne ihre Beseitigung wirkt keine Therapie dauerhaft.

Warum ist die Referenzaufnahme wichtig?

Drei. Ein unauffälliges Bild schließt einen Befund vestibulär oder oral nicht aus — diese Flächen sind nicht abgebildet.Offene FrageWas folgt für die eigene Praxis? Bei jedem eingegliederten Implantat eine Aufnahme anfertigen und als Referenz kennzeichnen.

Wo liegt die Grenze deiner Behandlung?

Drei. Bei der Mukositis ist die nichtchirurgische Behandlung in der Regel ausreichend.Offene FrageWas gehört ehrlich gesagt? Dass eine Behandlung nicht in jedem Fall gelingt — diese Aussage jetzt ist besser als die Überraschung später.

Das, was hängenbleiben soll

Knochen betroffen oder nicht — und ohne Referenzaufnahme fehlt der Bezugspunkt.

Quellen

  • Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Falldefinitionen der periimplantären Mukositis und Periimplantitis sowie die diagnostischen Kriterien
  • Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Konsensusbericht zur Einordnung periimplantärer Erkrankungen
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023.Deckt ab: Prävention und Behandlung periimplantärer Erkrankungen sowie das gestufte Vorgehen

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