Instrumentarium und Kraftführung
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Welches Instrument wofür — und warum der häufigste Fehler in der Richtung der Kraft liegt, nicht in ihrer Stärke.
„Ich kriege ihn nicht raus“
Nein. Wenn ein Zahn sich nicht bewegt, hilft mehr Kraft in derselben Richtung nicht — sie erhöht nur das Risiko, dass etwas anderes nachgibt.
Was die Instrumente leisten
| Instrument | Aufgabe | Was es nicht ist |
|---|---|---|
| Periotom | Durchtrennt die parodontalen Fasern zirkulär | Kein Hebel |
| Luxator | Erweitert den Parodontalspalt, löst den Zahn | Kein Zangenersatz |
| Hebel | Überträgt Kraft über einen Stützpunkt | Kein Werkzeug für den Nachbarzahn |
| Zange | Fasst und bewegt den bereits gelockerten Zahn | Kein Lockerungsinstrument |
Die letzte Zeile enthält den häufigsten Denkfehler. Die Zange wird angesetzt, wenn die Lockerung erfolgt ist — nicht, um sie zu erzeugen. Wer mit der Zange lockert, bricht Kronen und Alveolarwände.
Was dabei geschieht: Die parodontalen Fasern reißen nacheinander, der Knochen weitet sich, der Zahn wird beweglich. Das braucht Zeit, nicht Kraft.
Eine anhaltende Kraft in eine Richtung erreicht das Gegenteil: Sie bringt die Alveolarwand zum Brechen, bevor der Zahn gelockert ist. Zwei bis drei Minuten geduldige Luxation ersparen die halbe Sitzung — und die Alveolarwand, die man sonst rekonstruieren muss.
Wo der Hebelpunkt liegen darf
| Zulässig | Nicht zulässig |
|---|---|
| Der Alveolarknochen des zu entfernenden Zahns | Der Nachbarzahn als Widerlager |
| Die Wurzeloberfläche selbst | Eine Restauration am Nachbarzahn |
| Bei mehrwurzeligen Zähnen das Septum | Dünne bukkale Lamelle bei ohnehin knappem Knochen |
Der Nachbarzahn als Hebelpunkt ist die klassische Ursache für eine gelockerte oder frakturierte Nachbarrestauration — und für eine Beschwerde, die vermeidbar gewesen wäre. Der Griff dorthin passiert unbewusst, wenn es eng wird.
Zwei Dinge. Erstens stützt sie den Kiefer — im Unterkiefer von außen gegen den Druck, im Oberkiefer den Alveolarfortsatz. Ohne diese Abstützung wirkt die Kraft auf das Kiefergelenk, und der Patient hat anschließend Beschwerden, die nichts mit dem Zahn zu tun haben.
Zweitens tastet sie. Der Finger auf dem Alveolarfortsatz spürt, ob sich der Zahn bewegt, ob die Lamelle nachgibt und ob sich etwas löst, das sich nicht lösen soll. Diese Rückmeldung kommt schneller als die visuelle.
Drei Fragen
Eine einwurzelige Extraktion gelingt nach zwanzig Minuten nicht. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was leisten die Instrumente?
Was tut die freie Hand?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Instrumentenkunde, Kraftführung, Luxationstechniken und Alveolenversorgung.Deckt ab: Instrumentenkunde, Kraftführung und Luxationstechniken
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Periotom, Luxatoren und maschinelle Verfahren im Vergleich zur konventionellen Technik hinsichtlich Knochenerhalt und Komplikationsrate.Deckt ab: Vergleich atraumatischer Verfahren mit der konventionellen Technik hinsichtlich Knochenerhalt und Komplikationsrate
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