Hemisektion und Wurzelamputation
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Verfahren zwischen Wurzelbehandlung und Extraktion — und drei Voraussetzungen, die alle erfüllt sein müssen.
„Muss der ganze Zahn raus?“
Nicht zwingend. Bei einem mehrwurzeligen Zahn mit einseitigem Befund gibt es einen Weg dazwischen — er setzt allerdings einiges voraus.
Was die beiden Verfahren unterscheiden
| Wurzelamputation | Hemisektion | |
|---|---|---|
| Was entfernt wird | Nur die Wurzel, die Krone bleibt vollständig | Wurzel mit dem zugehörigen Kronenanteil |
| Wo typisch | Oberkiefermolaren, dreiwurzelig | Unterkiefermolaren, zweiwurzelig |
| Ergebnis | Zahn mit reduzierter Wurzelzahl | Ein prämolarenähnlicher Rest oder zwei getrennte Anteile |
| Prothetisch | Krone wird angepasst | Neuversorgung in der Regel erforderlich |
Die Trennung führt bei der Hemisektion durch die Furkation — der verbleibende Anteil muss so gestaltet werden, dass er von allen Seiten zu reinigen ist. Ein belassener Überhang an der Trennfläche ist die häufigste Ursache für das Scheitern.
Parodontal: Die verbleibende Wurzel hat ausreichenden Knochenhalt. Eine Hemisektion an einem Zahn, dessen beide Wurzeln kompromittiert sind, verschiebt das Problem nur.
Prothetisch: Der verbleibende Anteil ist restaurierbar und lässt sich in die Versorgung einbeziehen. Und die Frage nach der Belastung: Ein prämolarenähnlicher Rest trägt weniger als ein Molar.
Alle drei müssen zutreffen. Fällt eine weg, ist die Extraktion die bessere Entscheidung.
Wann die Extraktion besser ist
| Situation | Warum |
|---|---|
| Beide Wurzeln parodontal kompromittiert | Das Problem wird verschoben, nicht gelöst |
| Verbleibender Anteil nicht restaurierbar | Die Grundlage fehlt |
| Implantation ohnehin geplant | Der Aufwand steht in keinem Verhältnis |
| Mundhygiene nicht ausreichend | Die Reinigbarkeit ist die Voraussetzung |
| Verschmolzene Wurzeln ohne Furkation | Die Trennung ist nicht möglich |
Nicht der chirurgische Teil — der ist bei guter Zugänglichkeit unkompliziert. Was entscheidet, sind drei andere Dinge:
Die Qualität der endodontischen Versorgung der verbleibenden Wurzeln.
Die Reinigbarkeit des verbleibenden Anteils — sie hängt an der Gestaltung der Trennfläche und an der prothetischen Kontur.
Die Mitarbeit des Patienten, weil die Region anspruchsvoller zu reinigen ist als vorher.
Deshalb gehört die Frage nach der Mundhygiene in die Indikationsstellung, nicht in die Nachsorge.
Der Aufwand: mehrere Sitzungen, endodontische Vorbereitung, Neuversorgung.
Die Prognose: Der Erhalt ist möglich, aber die Überlebensraten liegen unter denen eines intakten Zahns. Wenn der Erhaltungsversuch scheitert, steht man an derselben Stelle wie heute — nur später und nach zusätzlichem Aufwand.
Diese Ehrlichkeit ist wichtig. Ein Patient, der weiß, dass es ein Versuch ist, trägt ein Scheitern anders als einer, dem eine Lösung zugesagt wurde.
Drei Fragen
Ein Molar zeigt einen einseitigen parodontalen Defekt an einer Wurzel. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was unterscheidet Wurzelamputation und Hemisektion?
Wann ist die Extraktion die bessere Entscheidung?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Mokbel N, Kassir AR, Naaman N, Megarbane JM: Root resection and hemisection revisited. Part I – A systematic review. International Journal of Periodontics & Restorative Dentistry 2019; 39(1): e11–e31 — Überlebensraten, Indikationskriterien und der Vergleich mit Extraktion und Implantation. DOIDeckt ab: Überlebensraten und Indikationskriterien von Hemisektion und Wurzelamputation
- Huynh-Ba G, Kuonen P, Hofer D, Schmid J, Lang NP, Salvi GE: The effect of periodontal therapy on the survival rate and incidence of complications of multirooted teeth with furcation involvement after an observation period of at least 5 years. Journal of Clinical Periodontology 2009; 36(2): 164–176, dazu die Klassifikation nach Hamp, Nyman und Lindhe 1975 — Einteilung, Therapieoptionen und prognostische Bewertung. DOIDeckt ab: Einteilung der Furkationsbeteiligung und die daraus abgeleiteten Therapieoptionen
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: parodontales Vorgehen bei Furkationsbefall
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023 — einschließlich der Indikationsstellung zur chirurgischen Endodontie.Deckt ab: endodontische Voraussetzungen für zahnerhaltende chirurgische Verfahren
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