Fraktur des Alveolarknochens
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein mitgekommenes Knochenstück — und eine Unterscheidung, die darüber entscheidet, ob es entfernt oder erhalten wird.
„Ein Stück Knochen ist mitgekommen“
Zuerst prüfen, ob es noch am Weichgewebe hängt. Davon hängt alles Weitere ab.
Die Unterscheidung
| Mit Periost- oder Weichgewebskontakt | Vollständig gelöst | |
|---|---|---|
| Blutversorgung | Vorhanden | Fehlt |
| Vorgehen | Reponieren und fixieren | Entfernen |
| Prognose | Einheilung möglich | Wird abgestoßen |
| Wenn belassen | Heilt an | Verzögert die Heilung, wirkt als Fremdkörper |
Die Prüfung ist einfach: Vorsichtig am Fragment tasten. Hängt es am Weichgewebe, bleibt es. Lässt es sich frei bewegen und heben, ist es gelöst und wird entfernt — auch wenn es groß und wertvoll wirkt.
2. Kanten glätten. Scharfe Knochenränder perforieren die Schleimhaut und verursachen anhaltende Beschwerden. Das ist der Schritt, der am ehesten unterbleibt und die meisten postoperativen Beschwerden verursacht.
3. Weichgewebe adaptieren und nähen. Exponierter Knochen heilt schlecht — die Deckung ist das Ziel. Wo sie nicht vollständig gelingt, wird zumindest angenähert.
Und die Dokumentation: welches Fragment, welche Größe, welches Vorgehen. Bei einer späteren Beurteilung — etwa vor einer Implantation — ist das die Information, die den veränderten Knochenverlauf erklärt.
Wann sofort überwiesen wird
| Situation | Bedeutung |
|---|---|
| Fraktur des Tuber maxillae | Ein eigener Befund — siehe unten |
| Ausgedehnter Verlust der Alveolarwand | Rekonstruktiver Bedarf |
| Nachbarzähne mitbewegt | Größerer Segmentbruch |
| Kieferhöhle breit exponiert | Aufwendiger Verschluss erforderlich |
Selten und ernst. Bei der Extraktion eines Oberkiefermolaren — meist des Weisheitszahns — kann sich der gesamte Tuber maxillae mitbewegen, weil er am Zahn hängt.
Woran man es merkt: Der Zahn bewegt sich, aber es bewegt sich zu viel — ein größeres Segment, oft mit dem Nachbarzahn, manchmal sichtbar am Kieferhöhlenboden.
Was dann gilt: nicht weiterextrahieren. Der Zug wird sofort eingestellt, die Situation stabilisiert und in eine mund-kiefer-gesichtschirurgische Einrichtung überwiesen. Wer weiterzieht, vergrößert einen Defekt, der rekonstruiert werden muss.
Drei Fragen
Bei einer Extraktion kommt ein Knochenfragment mit. Welche Aussage trifft nicht zu?
Wie wird die Alveole versorgt?
Woran erkennst du eine Tuberfraktur?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — intraoperative Komplikationen, deren Erkennung und Management.Deckt ab: Management intraoperativer Knochenfrakturen und die Bedeutung des Periostkontakts
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Häufigkeit, Risikofaktoren und Vorgehen.Deckt ab: Tuberfraktur — Häufigkeit, Erkennung und Vorgehen
- Bürgerliches Gesetzbuch § 630f und § 630c Absatz 2 — Dokumentationspflicht sowie die Informationspflicht bei erkennbaren Behandlungsfehlern.Deckt ab: Dokumentation der Abweichung vom geplanten Verlauf
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