Milchzahnendodontie — Besonderheiten
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Milchzahn fällt ohnehin aus — dieses Argument hören Eltern oft und meinen es ernst. Es gibt gute Gründe dagegen, und sie haben wenig mit dem Zahn selbst zu tun.
„Der fällt doch eh raus“
Die Frage ist berechtigt und verdient eine Antwort, die über „das machen wir so“ hinausgeht.
Warum der Erhalt zählt
Der Milchmolar ist Platzhalter. Ein vorzeitiger Verlust führt zur Wanderung der Nachbarzähne und damit zu Platzmangel für den bleibenden Zahn — ein Problem, das später kieferorthopädisch gelöst werden muss. Dazu kommen Kaufunktion, Sprachentwicklung und die Erfahrung des Kindes mit zahnärztlicher Behandlung.
Die Entscheidung zwischen Pulpotomie und Pulpektomie fällt wie am bleibenden Zahn: am Blutungsverhalten. Steht die Blutung nach kurzem Druck, ist die Wurzelpulpa mit hoher Wahrscheinlichkeit gesund und die Pulpotomie indiziert. Bleibt sie bestehen, reicht die Entzündung tiefer.
- Die Kanäle sind weit, dünnwandig und stärker gekrümmt als am bleibenden Zahn
- Die Wurzeln resorbieren physiologisch — die Arbeitslänge verschiebt sich über die Zeit
- Gefüllt wird mit einem resorbierbaren Material, das mit der Wurzel abgebaut wird
- Guttapercha ist ungeeignet, weil es nicht resorbiert und die Eruption des Nachfolgers stören kann
- Die definitive Versorgung erfolgt meist mit einer konfektionierten Krone
Wann nicht erhalten wird
| Situation | Warum sie gegen den Erhalt spricht |
|---|---|
| Fortgeschrittene physiologische Wurzelresorption | Der Zahn steht ohnehin kurz vor dem Wechsel |
| Abszess mit Beteiligung des Zahnkeims | Der Nachfolger ist gefährdet — er hat Vorrang |
| Nicht mehr restaurierbare Zahnhartsubstanz | Ohne dichte Versorgung trägt keine Pulpatherapie |
| Anhaltende Blutung nach Amputation | Die Wurzelpulpa ist mitbetroffen — Pulpektomie oder Extraktion |
| Fistel oder Aufhellung im Furkationsbereich | Zeichen einer bereits fortgeschrittenen Infektion |
Dann stellt sich sofort die Frage nach dem Platzhalter. Je jünger das Kind und je weiter der Durchbruch des Nachfolgers entfernt, desto größer das Risiko der Wanderung. Diese Frage gehört ins selbe Gespräch und nicht in einen späteren Termin.
Drei Fragen
Bei einem sechsjährigen Kind ist an 84 die Pulpa bei der Exkavation exponiert, die Blutung steht nach kurzem Druck, der Nachfolger ist angelegt. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Besonderheiten gelten für die Wurzelfüllung am Milchzahn?
Bei welchem Befund ist der Erhalt des Milchzahns nicht mehr angezeigt?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Use of Vital Pulp Therapies in Primary Teeth with Deep Caries Lesions. Evidenzbasierte Leitlinie der American Academy of Pediatric Dentistry, Fassung 2024.Deckt ab: Indikation der Vitalerhaltung am Milchzahn, Wirksamkeit der Materialien im Vergleich, Empfehlungen für und gegen einzelne Präparate
- Pulp Therapy for Primary and Immature Permanent Teeth. Best Practices, American Academy of Pediatric Dentistry.Deckt ab: Abgrenzung von Pulpotomie und Pulpektomie, Technik, Kontraindikationen und Nachsorge
- Pulp Therapy for Primary and Young Permanent Teeth. IAPD Foundational Articles and Consensus Recommendations, International Association of Paediatric Dentistry 2021.Deckt ab: internationale Konsensempfehlungen zur Pulpatherapie im Milchgebiss
- S3-Leitlinie „Management tiefer Karies“, Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung, 2026.Deckt ab: Kariesexkavation als Voraussetzung und Stellenwert des Vitalerhalts
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Abgrenzung zur Endodontie am bleibenden Zahn
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