Endodontie Vertiefung 7 Min

Interne und externe Resorption

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Zwei Befunde, die auf dem Zahnfilm ähnlich aussehen und völlig unterschiedlich behandelt werden. Die Unterscheidung gelingt mit einem Handgriff — und die häufigere der beiden Formen wird oft übersehen.

1Wo beide Formen ihren Ursprung habenAn zwei verschiedenen Schutzschichten, die verletzt wurden.
2Wie du sie auf dem Bild trennstEin zweiter Winkel genügt meistens.
3Warum die interne Form die Behandlung selbst beendetDie Zellen, die resorbieren, brauchen die Pulpa.
4Warum die externe zervikale Form die schwierigere istSie ist unabhängig von der Pulpa — und lange stumm.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

Die Ausbuchtung im Kanal

Recall44 Jahre, Kontrollaufnahme. An Zahn 12 zeigt sich eine ovale Aufhellung, die aus dem Kanalverlauf herauszutreten scheint. Keine Beschwerden, keine Vorgeschichte eines Traumas. „Was bedeutet diese Ausbuchtung auf dem Röntgenbild?“

Bevor irgendetwas behandelt wird, muss geklärt sein, ob der Defekt von innen oder von außen kommt. Die Antwort entscheidet über zwei völlig verschiedene Wege.

Der springende PunktBeide Formen entstehen dort, wo eine schützende Schicht verletzt wurde: innen die Odontoblastenschicht mit dem Prädentin, außen das Präzement mit dem Parodontalligament. Welche Schicht betroffen ist, bestimmt alles Weitere.

Warum Resorption überhaupt entsteht

Die aktuelle Stellungnahme der Fachgesellschaft benennt den Mechanismus knapp: Eine Schädigung oder Reizung der schützenden, nicht-kollagenen organischen Schicht — an der Kanalwand die Odontoblastenschicht mit dem Prädentin, an der Wurzeloberfläche das Präzement mit dem Parodontalligament — kann zur internen beziehungsweise externen Wurzelresorption führen.

Daraus folgt der entscheidende Unterschied. Die interne Resorption wird von Zellen im Kanalsystem unterhalten, die auf die Blutversorgung der Pulpa angewiesen sind. Die externe Resorption geht vom parodontalen Gewebe aus und ist von der Pulpa unabhängig.

Entfernt man das vitale Gewebe aus dem Kanal, entzieht man den resorbierenden Zellen ihre Versorgung. Der Prozess kommt damit zum Stillstand. Genau deshalb ist die Behandlung hier nicht nur Therapie des Defekts, sondern seine Ursachenbeseitigung — und deshalb sollte sie zügig erfolgen, solange die Wandstärke noch trägt.

Sie beginnt an der Wurzeloberfläche unterhalb des Epithelansatzes und schreitet fort, während die Pulpa lange vital und der Patient beschwerdefrei bleibt. Die Fachgesellschaft hält fest, dass frühe Formen häufig asymptomatisch sind und als Zufallsbefund auffallen. Eine Wurzelkanalbehandlung stoppt sie nicht — behandelt werden muss der Defekt von außen.

Wie du sie auseinanderhältst

Merkmal Intern Extern
Ursprung Kanalwand, Prädentin geschädigt Wurzeloberfläche, Präzement geschädigt
Form im Bild symmetrische Auftreibung im Kanalverlauf unregelmäßig begrenzt, oft seitlich der Wurzel
Kanalkontur geht im Defekt verloren bleibt durch den Defekt hindurch erkennbar
Zweiter Aufnahmewinkel Defekt bleibt zentriert am Kanal Defekt wandert relativ zum Kanal
Vitalität Pulpa ganz oder teilweise vital unabhängig von der Pulpa, oft vital
Konsequenz Wurzelkanalbehandlung beendet den Prozess Defekt von außen versorgen, Ursache klären
⚠️ Wo die zweidimensionale Aufnahme an ihre Grenze kommt

Ausdehnung, Lage zum Kanal und Erreichbarkeit lassen sich am Zahnfilm oft nicht sicher beurteilen. Für diese Fragen ist die dreidimensionale Bildgebung in der Stellungnahme der Fachgesellschaft vorgesehen — und für die externe zervikale Form gibt es darauf aufbauend eine eigene dreidimensionale Klassifikation, die die Behandlungsplanung trägt.

Drei Fragen

Bei einer ovalen Aufhellung im Bereich des Kanals fällt die Vitalitätsprobe positiv aus. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die externe zervikale Resorption geht vom parodontalen Gewebe aus und lässt die Pulpa lange unberührt — eine positive Probe ist dort sogar der Regelfall.Offene FrageWas heißt das für die Früherkennung? Dass man sie nicht über Symptome findet. Die Stellungnahme hält fest, dass frühe Formen häufig als Zufallsbefund auffallen — also dort, wo ohnehin eine Aufnahme gemacht wird.

Welche Aussagen zur Unterscheidung treffen zu?

Drei. Die interne Form verläuft häufig beschwerdefrei, und die externe zervikale Resorption wird durch eine Wurzelkanalbehandlung nicht aufgehalten — der Defekt muss von außen versorgt werden.Offene FrageUnd wenn beide Formen zugleich vorliegen? Das kommt vor, insbesondere nach Trauma. Dann greift keine der beiden Faustregeln sauber, und die dreidimensionale Beurteilung wird zur Voraussetzung jeder Planung.

Bei bestätigter interner Resorption ohne Perforation: Was ist der sachgerechte Weg?

Die erste. Die resorbierenden Zellen im Kanal brauchen die Blutversorgung der Pulpa. Wird sie entfernt, endet der Prozess. Zu warten heißt, weitere Wandstärke zu verlieren.Offene FrageUnd wenn der Defekt bereits perforiert? Dann wird es aufwendiger — der Defekt muss zusätzlich abgedichtet werden, und die Prognose hängt an Lage und Ausdehnung. Genau für diese Beurteilung ist die dreidimensionale Bildgebung gedacht.

Das, was hängenbleiben soll

Intern lebt von der Pulpa, extern nicht — und genau daran hängt die Behandlung.

Quellen

  • Patel S, Krastl G, Weiger R, Lambrechts P, Tjäderhane L, Gambarini G et al. ESE position statement on root resorption. International Endodontic Journal 2023; 56: 792–801.Deckt ab: Einteilung der Resorptionsformen, Entstehungsmechanismus über die Schädigung der schützenden Schichten an Kanalwand und Wurzeloberfläche, Diagnostik und Behandlungsgrundsätze
  • European Society of Endodontology (Patel S, Lambrechts P, Shemesh H, Mavridou A). ESE position statement: external cervical resorption. International Endodontic Journal 2018; 51: 1323–1326.Deckt ab: Ätiologie, klinisches Erscheinungsbild und Management der externen zervikalen Resorption sowie die Bereiche mit geringer Evidenz
  • Patel S, Foschi F, Mannocci F, Patel K. External cervical resorption: a three-dimensional classification. International Endodontic Journal 2018; 51: 206–214, sowie Patel S, Foschi F, Condon R, Pimentel T, Bhuva B. External cervical resorption: part 2 — management. Ebd.: 1224–1238.Deckt ab: dreidimensionale Klassifikation der externen zervikalen Resorption und die daraus abgeleitete Behandlungsplanung
  • Patel S, Brown J, Semper M, Abella F, Mannocci F. ESE position statement: use of cone beam computed tomography in endodontics. International Endodontic Journal 2019; 52: 1675–1678.Deckt ab: Aussagekraft der dreidimensionalen Bildgebung bei der Unterscheidung und Ausdehnungsbeurteilung
  • S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004, Stand 10/2022.Deckt ab: traumabedingte Resorptionsformen und ihre Nachkontrolle

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.