Endodontie unter Antikoagulation
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der häufigste Fehler bei diesen Patienten ist nicht die Blutung, sondern das Absetzen. Die Leitlinie ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich.
„Soll ich die Tabletten weglassen?“
Für eine nicht-chirurgische Wurzelkanalbehandlung: nein. Und diese Antwort gehört auch dem Hausarzt zurückgemeldet, freundlich und mit Begründung.
Was die Leitlinie sagt
Die S3-Leitlinie zur zahnärztlichen Chirurgie unter Antikoagulation ordnet zahnärztlich-chirurgische Eingriffe grundsätzlich den invasiven Methoden mit eher niedrigem Blutungsrisiko zu. Ein allgemein erhöhtes Risiko wird nur für drei Situationen angenommen: infizierte Wunden und Abszesse, Wunden im Bereich des Mundbodens oder des Sinus maxillaris sowie Eingriffe im retromaxillären Raum.
Zum Bridging findet sich in der Leitlinie eine bemerkenswerte Feststellung: Die verbreitete Annahme, eine Unterbrechung der oralen Antikoagulation ohne Ersatztherapie führe zu einem dreifach erhöhten Embolierisiko, geht auf eine Arbeit aus dem Jahr 2000 zurück — ein methodisch korrekter Nachweis für diese Risikobewertung wurde nicht erbracht.
Was du tatsächlich anpasst
| Bereich | Vorgehen |
|---|---|
| Nicht-chirurgische Behandlung | Keine Änderung der Medikation, normales Vorgehen |
| Anästhesie | Aspirieren, langsam injizieren, unnötige Stichkanäle vermeiden |
| Chirurgischer Eingriff | Leitlinie anwenden, Gerinnungsstatus erheben, interdisziplinär abstimmen |
| Lokale Blutstillung | Tranexamsäure als Spülung ist nach Leitlinie eine wirksame Option |
| Absetzen | Niemals eigenständig veranlassen |
Die Leitlinie beschreibt die Anwendung als Spülung nach dem chirurgischen Eingriff, im angloamerikanischen Raum verbreitet und erfolgreich eingesetzt. Auch verkürzte Anwendungsschemata zeigten vergleichbare Ergebnisse. Das ist ein lokales Mittel mit guter Datenlage, das die Frage nach dem Absetzen zusätzlich entschärft.
Drei Fragen
Bei einem antikoagulierten Patienten steht eine nicht-chirurgische Wurzelkanalbehandlung an. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Situationen gelten nach der Leitlinie als zahnärztlich-chirurgische Eingriffe mit erhöhtem Blutungsrisiko?
Der Hausarzt hat dem Patienten geraten, das Präparat drei Tage vorher abzusetzen. Wie gehst du damit um?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation / Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018, Stand August 2017. Federführend DGZMK und DGMKG unter Beteiligung von DEGAM, DGI und Deutscher Gesellschaft für Kardiologie. Hinweis: Die Gültigkeit dieser Fassung ist abgelaufen.Deckt ab: Einteilung zahnärztlicher Eingriffe nach Blutungsrisiko, Vorgehen bei oraler Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung, Bewertung des Bridgings, lokale Blutstillung mit Tranexamsäure
- Kämmerer PW, Al-Nawas B. Praxisorientierte Umsetzung der S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation / Thrombozytenaggregationshemmung“. Übersichtsarbeit zur Einteilung zahnärztlich-chirurgischer Eingriffe nach Blutungsrisiko.Deckt ab: praxisorientierte Zuordnung einzelner Eingriffe zu den Risikogruppen
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Abgrenzung zwischen nicht-chirurgischer Wurzelkanalbehandlung und endodontischer Chirurgie
- Ng YL, Mann V, Rahbaran S, Lewsey J, Gulabivala K. Outcome of primary root canal treatment: systematic review — Part 2. Influence of clinical factors. International Endodontic Journal 2008; 41: 6–31.Deckt ab: Einordnung der Behandlung in den endodontischen Behandlungsablauf
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