Stiftversorgter Zahn und Revision
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Stift im Kanal macht die Revision schwieriger, aber selten unmöglich. Die eigentliche Frage ist, ob der Weg durch den Stift der beste ist — oder ob man ihn umgeht.
„Muss der Stift raus?“
Zwei ehrliche Antworten: Meistens lässt er sich entfernen. Und ganz ohne Risiko ist es nicht.
Warum stiftversorgte Zähne anfälliger sind
Die Übersichtsarbeit zu vertikalen Wurzelfrakturen benennt den Zusammenhang deutlich: Wurzelkanalbehandelte Zähne frakturieren häufiger als vitale, und die Stiftplatzpräparation trägt dazu bei — über den Verlust an Dentin und über die eingebrachten Kräfte. Stifte sollen deshalb passiv sitzen, und eine übermäßige Erweiterung des Stiftbetts gilt es zu vermeiden.
Für die Revision heißt das: Jeder Millimeter Dentin, den die Stiftentfernung zusätzlich kostet, erhöht das Frakturrisiko des Zahns, den man gerade erhalten will.
- Perforation — besonders bei gekrümmtem Verlauf oder dünner Wand
- Wurzelfraktur — durch Vibration, Hebelkräfte oder thermische Belastung
- Substanzverlust — jeder Bohrer kostet Wandstärke, die nicht zurückkommt
Diese Risiken sind der Grund, warum die präoperative Beurteilung nicht optional ist.
Entfernen oder umgehen
| Befund | Naheliegendes Vorgehen |
|---|---|
| Kurzer Stift, gerader Kanal, kräftige Wand | Orthograde Entfernung, Revision |
| Langer Stift, dünne Wand, gekrümmter Verlauf | Chirurgisches Vorgehen erwägen |
| Stift bereits gelockert | Entfernung meist unproblematisch |
| Verdacht auf Längsfraktur | Vor jeder Intervention abklären |
Die Erfolgsrate der Revision liegt in der systematischen Übersicht bei etwa 77 Prozent, und dieselben Faktoren wie bei der Erstbehandlung wirken erneut — präoperativer Befund, apikale Ausdehnung und die Qualität der koronalen Versorgung. Der chirurgische Weg umgeht den Stift von apikal und ist dort sinnvoll, wo der orthograde Zugang unverhältnismäßig teuer erkauft würde.
Dass die Entfernung misslingen kann, dass dabei eine Perforation oder Fraktur entstehen kann und dass in diesem Fall die Behandlungsplanung neu aufgesetzt werden muss. Wer das erst hinterher bespricht, hat es zu spät besprochen.
Drei Fragen
Bei einem langen Metallstift in einer dünnwandigen, gekrümmten Wurzel ist eine Revision indiziert. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zu stiftversorgten Zähnen treffen zu?
Was gehört vor der Entscheidung über die Stiftentfernung beurteilt?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Ng YL, Mann V, Gulabivala K. Outcome of secondary root canal treatment: a systematic review. International Endodontic Journal 2008; 41: 1026–1046.Deckt ab: Erfolgsrate der Revision und die prognostisch bedeutsamen Faktoren
- Patel S, Bhuva B, Bose R. Present status and future directions: vertical root fractures in root filled teeth. International Endodontic Journal 2022; 55(S3): 804–826.Deckt ab: Frakturrisiko stiftversorgter Zähne, Bedeutung der Stiftplatzpräparation und der Restsubstanz
- Clauder T. Present status and future directions — managing perforations. International Endodontic Journal 2022.Deckt ab: Perforationsrisiko bei der Stiftentfernung und Umgang mit dem Zwischenfall
- Patel S, Brown J, Semper M, Abella F, Mannocci F. ESE position statement: use of cone beam computed tomography in endodontics. International Endodontic Journal 2019; 52: 1675–1678.Deckt ab: präoperative Beurteilung von Stiftlage, Wandstärke und Kanalverlauf
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Abwägung zwischen orthogradem und chirurgischem Vorgehen
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