Endodontie Vertiefung 6 Min

Stiftversorgter Zahn und Revision

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Stift im Kanal macht die Revision schwieriger, aber selten unmöglich. Die eigentliche Frage ist, ob der Weg durch den Stift der beste ist — oder ob man ihn umgeht.

1Welche Risiken die Entfernung mit sich bringtDrei, und alle drei können den Zahn kosten.
2Was vor dem Eingriff beurteilt gehörtVier Größen, die über die Machbarkeit entscheiden.
3Wann die Chirurgie die bessere Wahl istSie umgeht das Problem vollständig.
4Warum stiftversorgte Zähne besonders bruchgefährdet sindUnd was das für die Abwägung bedeutet.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

„Muss der Stift raus?“

Sprechstunde59 Jahre, Zahn 11. Periapikale Aufhellung, im Kanal ein Metallstift, die Revision ist indiziert. „Ich habe doch diesen Stift drin. Müssen Sie den herausnehmen? Ist das sicher?“

Zwei ehrliche Antworten: Meistens lässt er sich entfernen. Und ganz ohne Risiko ist es nicht.

Der springende PunktDie Entscheidung fällt nicht am Stift, sondern an der verbliebenen Wurzelwandstärke. Sie bestimmt, wie viel Substanzverlust der Zahn noch verträgt.

Warum stiftversorgte Zähne anfälliger sind

Die Übersichtsarbeit zu vertikalen Wurzelfrakturen benennt den Zusammenhang deutlich: Wurzelkanalbehandelte Zähne frakturieren häufiger als vitale, und die Stiftplatzpräparation trägt dazu bei — über den Verlust an Dentin und über die eingebrachten Kräfte. Stifte sollen deshalb passiv sitzen, und eine übermäßige Erweiterung des Stiftbetts gilt es zu vermeiden.

Für die Revision heißt das: Jeder Millimeter Dentin, den die Stiftentfernung zusätzlich kostet, erhöht das Frakturrisiko des Zahns, den man gerade erhalten will.

  • Perforation — besonders bei gekrümmtem Verlauf oder dünner Wand
  • Wurzelfraktur — durch Vibration, Hebelkräfte oder thermische Belastung
  • Substanzverlust — jeder Bohrer kostet Wandstärke, die nicht zurückkommt

Diese Risiken sind der Grund, warum die präoperative Beurteilung nicht optional ist.

Länge und Durchmesser des Stifts, der Verlauf des darunterliegenden Kanals, die verbliebene Wandstärke und die Zementierungsart. Für diese Fragen kann eine dreidimensionale Bildgebung angezeigt sein — sie braucht wie jede Aufnahme eine eigene rechtfertigende Indikation.

Entfernen oder umgehen

Befund Naheliegendes Vorgehen
Kurzer Stift, gerader Kanal, kräftige Wand Orthograde Entfernung, Revision
Langer Stift, dünne Wand, gekrümmter Verlauf Chirurgisches Vorgehen erwägen
Stift bereits gelockert Entfernung meist unproblematisch
Verdacht auf Längsfraktur Vor jeder Intervention abklären

Die Erfolgsrate der Revision liegt in der systematischen Übersicht bei etwa 77 Prozent, und dieselben Faktoren wie bei der Erstbehandlung wirken erneut — präoperativer Befund, apikale Ausdehnung und die Qualität der koronalen Versorgung. Der chirurgische Weg umgeht den Stift von apikal und ist dort sinnvoll, wo der orthograde Zugang unverhältnismäßig teuer erkauft würde.

⚠️ Was in die Aufklärung gehört

Dass die Entfernung misslingen kann, dass dabei eine Perforation oder Fraktur entstehen kann und dass in diesem Fall die Behandlungsplanung neu aufgesetzt werden muss. Wer das erst hinterher bespricht, hat es zu spät besprochen.

Drei Fragen

Bei einem langen Metallstift in einer dünnwandigen, gekrümmten Wurzel ist eine Revision indiziert. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Wenn der orthograde Zugang den Zahn mehr kostet, als die Revision ihm bringt, ist die endodontische Chirurgie das dafür vorgesehene Verfahren.Offene FrageWie gut sind die Ergebnisse des chirurgischen Wegs? Die Vergleichsuntersuchungen zeigen für beide Verfahren brauchbare Ergebnisse mit unterschiedlichem zeitlichem Verlauf. Ein pauschaler Vorrang lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Aussagen zu stiftversorgten Zähnen treffen zu?

Drei. Ein Stift verstärkt die Wurzel nicht — er dient der Retention des Aufbaus. Und auch bei Glasfaserstiften besteht ein Perforationsrisiko, wenn der Bohrer vom Kanalverlauf abweicht.Offene FrageWoher kommt der Irrtum mit der Verstärkung? Aus einer Zeit, in der Stifte routinemäßig gesetzt wurden. Heute gilt der Erhalt von Dentin als der wichtigere Faktor — jeder Stift kostet davon.

Was gehört vor der Entscheidung über die Stiftentfernung beurteilt?

Die erste. Ohne diese vier Größen lässt sich das Risiko nicht abschätzen, und ohne Risikoabschätzung ist die Aufklärung unvollständig.Offene FrageRechtfertigt das eine dreidimensionale Aufnahme? In geeigneten Fällen ja — die Stellungnahme der Fachgesellschaft nennt komplexe Anatomie und chirurgische Planung als Anwendungsbereiche. Eine pauschale Indikation ist es nicht.

Das, was hängenbleiben soll

Nicht der Stift entscheidet, sondern wie viel Dentin nach seiner Entfernung übrig bleibt.

Quellen

  • Ng YL, Mann V, Gulabivala K. Outcome of secondary root canal treatment: a systematic review. International Endodontic Journal 2008; 41: 1026–1046.Deckt ab: Erfolgsrate der Revision und die prognostisch bedeutsamen Faktoren
  • Patel S, Bhuva B, Bose R. Present status and future directions: vertical root fractures in root filled teeth. International Endodontic Journal 2022; 55(S3): 804–826.Deckt ab: Frakturrisiko stiftversorgter Zähne, Bedeutung der Stiftplatzpräparation und der Restsubstanz
  • Clauder T. Present status and future directions — managing perforations. International Endodontic Journal 2022.Deckt ab: Perforationsrisiko bei der Stiftentfernung und Umgang mit dem Zwischenfall
  • Patel S, Brown J, Semper M, Abella F, Mannocci F. ESE position statement: use of cone beam computed tomography in endodontics. International Endodontic Journal 2019; 52: 1675–1678.Deckt ab: präoperative Beurteilung von Stiftlage, Wandstärke und Kanalverlauf
  • Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023.Deckt ab: Abwägung zwischen orthogradem und chirurgischem Vorgehen

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.