Perkussionsschmerz einordnen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein positiver Klopftest wird oft als endodontischer Befund gelesen. Er ist zunächst etwas viel Unspezifischeres — und genau deshalb so leicht fehlzudeuten.
„Der tut weh beim Draufbeißen“
Die Versuchung ist groß, hier endodontisch zu denken. Der Kältebefund spricht allerdings dagegen — und die Füllung von letzter Woche ist die naheliegendere Spur.
Die Richtung macht den Unterschied
Beim Klopfen wird der Zahn minimal bewegt. Schmerzt das, ist das Gewebe gereizt, das ihn hält: der Desmodontalspalt und das umgebende Knochengewebe.
Vertikal positiv spricht für eine Reizung im apikalen Bereich. Der Druck wird über die Zahnachse nach apikal weitergegeben, dorthin also, wo eine periapikale Entzündung sitzt.
Horizontal positiv weist eher seitlich — auf ein parodontales Geschehen, einen lateralen Abszess oder eine Beteiligung des marginalen Parodonts.
Was es sonst noch sein kann
| Ursache | Worauf du achtest |
|---|---|
| Frische Restauration zu hoch | Okklusionskontrolle mit Folie — die häufigste Ursache im ersten Jahr |
| Okklusales Trauma, Bruxismus | Schliffacetten, mehrere Zähne betroffen, morgens schlimmer |
| Marginale Parodontitis | Sondierungstiefen, Lockerungsgrad, horizontale Perkussion eher positiv |
| Sinusitis maxillaris | Mehrere Oberkieferseitenzähne, Beschwerden beim Bücken, Erkältung in der Anamnese |
| Riss im Zahn | Schmerz beim Loslassen, nicht beim Zubeißen — Beißtest auf Watteroll |
| Apikale Parodontitis | Vitalprobe negativ, ggf. periapikale Aufhellung |
Mit der Perkussion zu beginnen. Ein einmal ausgelöster Schmerz strahlt aus und macht alle folgenden Tests unbrauchbar. Die Perkussion kommt ans Ende der Untersuchung.
Drei Fragen
Bei einem Patienten sind an 16 und 17 beide vertikalen Perkussionstests positiv, die Vitalproben an beiden Zähnen fallen normal aus. Er berichtet über Druck beim Bücken. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Perkussionsprüfung sind zutreffend?
Der Patient beschreibt Schmerz beim Loslassen nach dem Zubeißen, nicht beim Zubeißen selbst. Was legt das nahe?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Duncan HF, Kirkevang LL, Peters OA et al. Treatment of pulpal and apical disease: the European Society of Endodontology (ESE) S3-level clinical practice guideline. International Endodontic Journal 2023. Ersetzt die ESE Quality Guidelines von 2006.Deckt ab: klinische Untersuchung, Reihenfolge der Tests, Diagnosestellung
- Mejàre IA, Axelsson S, Davidson T et al. Diagnosis of the condition of the dental pulp: a systematic review. International Endodontic Journal 2012; 45: 597–613.Deckt ab: Wertigkeit klinischer Zeichen einschließlich der Perkussion
- Hargreaves KM, Berman LH (Hrsg.) Cohen’s Pathways of the Pulp. Elsevier — Standardwerk der Endodontologie.Deckt ab: Differenzialdiagnosen des Perkussionsschmerzes: okklusales Trauma, marginale Parodontitis, Sinusitis maxillaris
- Patel S et al. ESE position statement on longitudinal cracks and fractures of teeth. International Endodontic Journal 2025.Deckt ab: Schmerz in der Entlastungsphase als Leitsymptom des Risses
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