Periimplantitis — Erstmaßnahmen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Befund am Implantat im Recall — und die Unterscheidung, die darüber entscheidet, ob du behandelst oder überweist.
„Muss das jetzt raus?“
Nein — bei diesem Befund ist eine Behandlung möglich. Die Frage nach den Kosten kommt allerdings sofort, und sie gehört beantwortet, bevor über die Therapie gesprochen wird.
Die Unterscheidung
| Periimplantäre Mukositis | Periimplantitis | |
|---|---|---|
| Betroffen | Nur das Weichgewebe | Weichgewebe und Knochen |
| Blutung auf Sondierung | Vorhanden | Vorhanden |
| Sondierungstiefe | Erhöht möglich | Erhöht |
| Röntgenbefund | Kein Knochenverlust über den Umbau hinaus | Knochenverlust gegenüber der Referenz |
| Reversibilität | Reversibel | Der Knochenverlust nicht |
Die Mukositis ist die Vorstufe — und sie ist die Chance. Wer sie erkennt und behandelt, verhindert die Periimplantitis. Wer sie übersieht, sieht das Implantat in einigen Jahren mit Knochenverlust wieder.
Ohne Referenz lässt sich nicht sagen, ob ein sichtbarer Knochenverlust dieser Umbau oder ein pathologischer Prozess ist. Die Falldefinitionen sehen für diesen Fall ein Ersatzvorgehen über die Kombination aus klinischen Zeichen und dem Ausmaß des sichtbaren Verlusts vor — es ist weniger präzise.
Was daraus für die eigene Praxis folgt: Bei jedem eingegliederten Implantat gehört eine Aufnahme angefertigt und als Referenz gekennzeichnet. Sie wird Jahre später gebraucht, möglicherweise von jemand anderem.
Und für die Diagnose gilt: Sie braucht beides — Sondierung und Bild. Ein unauffälliges Bild schließt einen Befund vestibulär oder oral nicht aus, weil diese Flächen nicht abgebildet sind.
Was du selbst tust
| Maßnahme | Einordnung |
|---|---|
| Befund vollständig erheben | Sondierung an mehreren Stellen, Bild, Vergleich |
| Ursachen suchen | Zementrest, Konstruktion, Hygienefähigkeit, Rauchen |
| Nichtchirurgische Reinigung | Mit implantatgeeigneten Instrumenten |
| Hygieneinstruktion und Nachsorgeintervall | Der tragende Teil |
| Neubeurteilung nach Wochen | Vor jeder weiteren Entscheidung |
Die zweite Zeile wird häufig übersprungen. Ein Zementrest, eine nicht reinigbare Konstruktion oder eine ungünstige Emergenzprofilgestaltung sind Ursachen, die sich beseitigen lassen — und ohne ihre Beseitigung wirkt keine Therapie dauerhaft.
Die nichtchirurgische Behandlung ist bei der Mukositis in der Regel ausreichend. Bei der Periimplantitis mit relevantem Knochenverlust ist sie es meist nicht — dort ist ein chirurgisches Vorgehen erforderlich, und das gehört in erfahrene Hände.
Was du beiträgst: die Erkennung, die Ursachenklärung, die nichtchirurgische Erstbehandlung und die Überweisung mit vollständigem Befund einschließlich der Referenzaufnahme.
Die vollständigen Therapiewege stehen in der Implantologie.
Was hilft: die klare Aussage, dass ein Knochenverlust von diesem Ausmaß behandelbar ist und die Entfernung nicht ansteht. Dann die Erklärung des Vorgehens in Stufen: erst die nichtchirurgische Behandlung mit Neubeurteilung, dann gegebenenfalls der chirurgische Schritt.
Was ebenfalls dazugehört: dass der Erfolg von seiner Mitarbeit abhängt. Die periimplantäre Region ist anspruchsvoller zu reinigen als ein natürlicher Zahn, und ohne Änderung der Hygiene kommt der Befund wieder.
Und ehrlich: dass eine Behandlung nicht in jedem Fall gelingt und dass die Entfernung eine Möglichkeit bleibt, wenn der Verlust fortschreitet. Diese Aussage jetzt ist besser als die Überraschung später.
Drei Fragen
Bei einem Implantat bestehen Blutung, erhöhte Sondierungstiefe und Knochenverlust. Welche Aussage trifft nicht zu?
Warum ist die Referenzaufnahme wichtig?
Wo liegt die Grenze deiner Behandlung?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Falldefinitionen der periimplantären Mukositis und Periimplantitis sowie die diagnostischen Kriterien
- Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Konsensusbericht zur Einordnung periimplantärer Erkrankungen
- Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023.Deckt ab: Prävention und Behandlung periimplantärer Erkrankungen sowie das gestufte Vorgehen
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