Chirurgie Vertiefung 6 Min

Fraktur des Alveolarknochens

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein mitgekommenes Knochenstück — und eine Unterscheidung, die darüber entscheidet, ob es entfernt oder erhalten wird.

1Welche Unterscheidung entscheidetPeriostkontakt oder nicht.
2Was mit dem gelösten Fragment geschiehtUnd was mit dem verbundenen.
3Wie die Alveole versorgt wirdDrei Schritte.
4Wann sofort überwiesen wirdEine Situation, die man erkennen muss.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Ein Stück Knochen ist mitgekommen“

Während der Extraktion61 Jahre, Extraktion 36. Mit dem Zahn kommt bukkal ein Knochenfragment von etwa einem halben Zentimeter mit, die Alveolenwand ist teilweise frakturiert. „Ein Stück Knochen ist mitgekommen. Was mache ich jetzt?“

Zuerst prüfen, ob es noch am Weichgewebe hängt. Davon hängt alles Weitere ab.

Der springende PunktEin Knochenfragment mit Periostkontakt hat eine Blutversorgung und kann einheilen. Ein vollständig gelöstes hat keine — es wird zum Sequester.

Die Unterscheidung

Mit Periost- oder Weichgewebskontakt Vollständig gelöst
Blutversorgung Vorhanden Fehlt
Vorgehen Reponieren und fixieren Entfernen
Prognose Einheilung möglich Wird abgestoßen
Wenn belassen Heilt an Verzögert die Heilung, wirkt als Fremdkörper

Die Prüfung ist einfach: Vorsichtig am Fragment tasten. Hängt es am Weichgewebe, bleibt es. Lässt es sich frei bewegen und heben, ist es gelöst und wird entfernt — auch wenn es groß und wertvoll wirkt.

1. Fragmente ordnen. Gelöste entfernen, verbundene in ihre ursprüngliche Position zurücklagern.

2. Kanten glätten. Scharfe Knochenränder perforieren die Schleimhaut und verursachen anhaltende Beschwerden. Das ist der Schritt, der am ehesten unterbleibt und die meisten postoperativen Beschwerden verursacht.

3. Weichgewebe adaptieren und nähen. Exponierter Knochen heilt schlecht — die Deckung ist das Ziel. Wo sie nicht vollständig gelingt, wird zumindest angenähert.

Und die Dokumentation: welches Fragment, welche Größe, welches Vorgehen. Bei einer späteren Beurteilung — etwa vor einer Implantation — ist das die Information, die den veränderten Knochenverlauf erklärt.

Wann sofort überwiesen wird

Situation Bedeutung
Fraktur des Tuber maxillae Ein eigener Befund — siehe unten
Ausgedehnter Verlust der Alveolarwand Rekonstruktiver Bedarf
Nachbarzähne mitbewegt Größerer Segmentbruch
Kieferhöhle breit exponiert Aufwendiger Verschluss erforderlich
⚠️ Die Tuberfraktur

Selten und ernst. Bei der Extraktion eines Oberkiefermolaren — meist des Weisheitszahns — kann sich der gesamte Tuber maxillae mitbewegen, weil er am Zahn hängt.

Woran man es merkt: Der Zahn bewegt sich, aber es bewegt sich zu viel — ein größeres Segment, oft mit dem Nachbarzahn, manchmal sichtbar am Kieferhöhlenboden.

Was dann gilt: nicht weiterextrahieren. Der Zug wird sofort eingestellt, die Situation stabilisiert und in eine mund-kiefer-gesichtschirurgische Einrichtung überwiesen. Wer weiterzieht, vergrößert einen Defekt, der rekonstruiert werden muss.

Drei Fragen

Bei einer Extraktion kommt ein Knochenfragment mit. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ein vollständig gelöstes Fragment hat keine Blutversorgung und wird abgestoßen — unabhängig von seiner Größe.Offene FrageWie prüfst du es? Vorsichtig am Fragment tasten. Hängt es am Weichgewebe, bleibt es. Lässt es sich frei heben, wird es entfernt.

Wie wird die Alveole versorgt?

Drei. Exponierter Knochen heilt schlecht — die Deckung ist das Ziel.Offene FrageWelcher Schritt unterbleibt am ehesten? Das Glätten der Kanten. Es verursacht die meisten postoperativen Beschwerden, wenn es fehlt.

Woran erkennst du eine Tuberfraktur?

Drei. Wer weiterzieht, vergrößert einen Defekt, der rekonstruiert werden muss.Offene FrageWas folgt? Nicht weiterextrahieren, stabilisieren und sofort in eine mund-kiefer-gesichtschirurgische Einrichtung überweisen.

Das, was hängenbleiben soll

Periostkontakt bleibt, gelöst kommt raus — und beim Tuber sofort aufhören.

Quellen

  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — intraoperative Komplikationen, deren Erkennung und Management.Deckt ab: Management intraoperativer Knochenfrakturen und die Bedeutung des Periostkontakts
  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Häufigkeit, Risikofaktoren und Vorgehen.Deckt ab: Tuberfraktur — Häufigkeit, Erkennung und Vorgehen
  • Bürgerliches Gesetzbuch § 630f und § 630c Absatz 2 — Dokumentationspflicht sowie die Informationspflicht bei erkennbaren Behandlungsfehlern.Deckt ab: Dokumentation der Abweichung vom geplanten Verlauf

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