Chirurgie Vertiefung 7 Min

Weisheitszahn Unterkiefer — die Überweisung vorbereiten

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine Patientin fragt nach dem Nervrisiko — und die ehrliche Antwort braucht Größenordnungen, keine genauen Zahlen.

1Wie du das Nervrisiko erklärstOhne zu beschönigen und ohne zu erschrecken.
2Wann eine dreidimensionale Aufnahme gerechtfertigt istNicht bei jeder Überlagerung.
3Welche Alternative es gibtDie viele nicht kennen.
4Was in die Überweisung gehörtUnd was die Überbrückung leistet.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

„Werde ich danach taub sein?“

Befundbesprechung27 Jahre, Zahn 48 mesioangulär retiniert. Auf der Panoramaaufnahme erscheint die Kanalkortikalis im Wurzelbereich unterbrochen. Rezidivierende Perikoronitis. „Was bedeutet das mit dem Nerv? Werde ich danach ein taubes Gefühl haben?“

Wahrscheinlich nicht dauerhaft — und die Antwort auf ihre Frage entscheidet mit darüber, ob sie den Eingriff machen lässt.

Der springende PunktEine Überlagerung im zweidimensionalen Bild bedeutet keinen tatsächlichen Kontakt. Die unterbrochene Kanalkortikalis ist allerdings eines der Risikozeichen, die eine weitere Abklärung rechtfertigen.

Wie du das Nervrisiko erklärst

Aussage Einordnung
Eine vorübergehende Gefühlsstörung ist möglich Sie kommt vor und bildet sich meist zurück
Eine bleibende Störung ist selten Deutlich seltener als die vorübergehende
Das Risiko steigt bei Kanalkontakt Und mit der Zahl der Risikozeichen
Es sinkt mit der Erfahrung des Operateurs Ein Grund für die Überweisung

Warum hier keine genauen Prozentzahlen stehen: Sie unterscheiden sich zwischen den Untersuchungen erheblich, je nach Definition der Störung, Nachbeobachtungszeit und Ausgangslage. Eine genannte Zahl, die für diese Patientin nicht stimmt, ist schlechter als eine ehrliche Größenordnung — und sie wird von Patienten als Zusage verstanden.

Was hilft: die Unterscheidung zwischen vorübergehend und bleibend. Die meisten Patienten hören „Nervschaden“ und denken an Dauerhaftigkeit. Zu wissen, dass eine Störung in aller Regel zurückgeht und dass die bleibende Form selten ist, verändert die Wahrnehmung erheblich.

Was ebenfalls hilft: die konkrete Beschreibung. Betroffen wäre das Gefühl an Unterlippe und Kinn auf einer Seite — nicht die Bewegung, nicht das Sprechen, nicht der Geschmack. Viele stellen sich etwas Umfassenderes vor.

Was nicht hilft: die Verharmlosung. Wenn die Störung eintritt, war sie angekündigt — oder eben nicht, und dann ist das Vertrauen verloren.

Und die Gegenrechnung gehört dazu: Was passiert, wenn nicht behandelt wird? Bei rezidivierender Perikoronitis besteht ein eigenes Risiko, und die Ausgangslage wird mit den Jahren nicht besser.

Was aus dem Befund folgt

Situation Konsequenz
Mehrere Risikozeichen zugleich Dreidimensionale Aufnahme gerechtfertigt
Einzelnes Zeichen, sonst unauffällig In der Regel nicht erforderlich
Bestätigter enger Kontakt Chirurgisch erfahrene Stelle, Koronektomie erwägen
Klare Distanz Normales Vorgehen
⚠️ Die Alternative, die viele nicht kennen

Die Koronektomie: Die Krone wird entfernt, die Wurzel bleibt im Knochen. Da an der Wurzel nicht manipuliert wird, ist das Risiko einer Nervschädigung erheblich geringer.

Was zu bedenken ist: Das Risiko ist reduziert, nicht null. Die Wurzel bleibt liegen und wandert meist über die Zeit vom Kanal weg — ein späterer Zweiteingriff ist möglich. Und nicht jede Ausgangslage eignet sich.

Die Entscheidung fällt chirurgisch. Was in die überweisende Praxis gehört, ist die Information, dass es diese Möglichkeit gibt — die Patientin sollte davon nicht erst dort erfahren.

  • Die Bildgebung als Datei, damit sie nicht wiederholt wird
  • Der Befund mit Lage, Achse und den erkannten Risikozeichen
  • Die Anamnese einschließlich Medikation
  • Die Dringlichkeit und die bisherige Symptomatik
  • Was zur Überbrückung veranlasst wurde

Zur Überbrückung bis zum Termin: bei rezidivierender Perikoronitis die Spülung unter der Schleimhautkapuze, die die Patientin selbst durchführen kann, sowie Analgesie nach Bedarf. Eine antibiotische Behandlung nur bei Schwellung oder Allgemeinsymptomen — nicht dauerhaft und nicht prophylaktisch bis zum Termin.

Und ein Termin, der vereinbart und nicht nur empfohlen ist.

Drei Fragen

Bei einem retinierten Zahn 48 ist die Kanalkortikalis im Bild unterbrochen. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Eine vorübergehende Störung kommt vor und bildet sich meist zurück — die bleibende Form ist deutlich seltener.Offene FrageWas hilft im Gespräch am meisten? Die Unterscheidung zwischen vorübergehend und bleibend. Die meisten hören „Nervschaden“ und denken an Dauerhaftigkeit.

Was gehört in die Risikoerklärung?

Drei. Genaue Zahlen unterscheiden sich zwischen Untersuchungen erheblich — und werden von Patienten als Zusage verstanden.Offene FrageWarum die konkrete Beschreibung? Weil viele sich etwas Umfassenderes vorstellen. Betroffen wäre das Gefühl, nicht die Bewegung, das Sprechen oder der Geschmack.

Was leistet die Koronektomie?

Drei. Das Risiko ist reduziert, nicht null — und nicht jede Ausgangslage eignet sich.Offene FrageWas gehört in die überweisende Praxis? Die Information, dass es diese Möglichkeit gibt. Die Patientin sollte davon nicht erst beim Chirurgen erfahren.

Das, was hängenbleiben soll

Vorübergehend ist nicht bleibend — und die Koronektomie gehört ins Gespräch, nicht erst zum Chirurgen.

Quellen

  • Rood JP, Shehab BA. The radiological prediction of inferior alveolar nerve injury during third molar surgery. British Journal of Oral and Maxillofacial Surgery 1990; 28: 20–25 — radiologische Risikozeichen für die Nervnähe.Deckt ab: radiologische Risikozeichen für die Nähe zum Nervkanal
  • Lee J, Feng B, Park JS, Foo M, Kruger E: Incidence of lingual nerve damage following surgical extraction of mandibular third molars with lingual flap retraction – a systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 2023; 18(2): e0282185 — Häufigkeit vorübergehender und bleibender Störungen, Risikofaktoren und Verlauf. DOIDeckt ab: Häufigkeit vorübergehender und bleibender Nervstörungen sowie deren Verlauf
  • S2k-Leitlinie „Dentale digitale Volumentomographie“, AWMF-Register-Nr. 083-005 — Indikationsstellung für die dreidimensionale Bildgebung.Deckt ab: Indikationsstellung für die dreidimensionale Bildgebung bei Kanalnähe
  • Cervera-Espert J, Pérez-Martínez S, Cervera-Ballester J, Peñarrocha-Oltra D, Peñarrocha-Diago M: Coronectomy of impacted mandibular third molars – a meta-analysis and systematic review. Medicina Oral Patología Oral y Cirugía Bucal 2016; 21(4): e505–e513 — Indikation, Nervschädigungsrate im Vergleich zur vollständigen Entfernung und das Verhalten der belassenen Wurzel. PubMedDeckt ab: Koronektomie als Alternative bei hohem Nervrisiko
  • Bürgerliches Gesetzbuch § 630e — Aufklärungspflichten, insbesondere zu eingriffstypischen Risiken.Deckt ab: Aufklärung über eingriffstypische Risiken

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