Chirurgie Grundlagen 7 Min

Wundverschluss und Nahttechnik

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Welcher Faden, wie viele Nähte, wie fest — und ein Fehler, der die Heilung genau dort stört, wo man sie sichern wollte.

1Was die Naht leisten sollAdaptieren, nicht abdichten.
2Welches Material wofürResorbierbar oder nicht.
3Wie fest geknüpft wirdDer häufigste Fehler.
4Wann entfernt wirdUnd was vorher geprüft wird.
7 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Welchen Faden nehme ich?“

Nach dem EingriffEine Wurzelspitzenresektion im Oberkieferfrontzahnbereich ist abgeschlossen, der Lappen muss verschlossen werden. „Ich bin nicht sicher, welchen Faden ich nehmen soll und wie eng die Nähte sitzen müssen.“

Beide Fragen hängen zusammen — und die zweite ist die wichtigere, weil ein zu fest geknüpfter Faden mehr schadet als ein suboptimal gewähltes Material.

Der springende PunktDie Naht adaptiert die Wundränder, sie dichtet nicht ab. Wer sie als Abdichtung versteht, knüpft zu fest — und schnürt die Durchblutung ab.

Welches Material wofür

Resorbierbar Nicht resorbierbar
Vorteil Kein Entfernungstermin nötig Definierte Liegedauer, geringere Gewebereaktion
Nachteil Gewebereaktion beim Abbau möglich Termin erforderlich
Einsatz Standard für die meisten intraoralen Wunden Wo exakte Adaptation über längere Zeit zählt
Kontrolle Trotzdem — Resorption ersetzt keine Wundkontrolle Beim Entfernungstermin ohnehin

Die letzte Zeile ist ein praktischer Punkt. Ein resorbierbarer Faden spart den Fadenzugtermin — nicht die Wundkontrolle. Wer bei resorbierbarem Material keinen Kontrolltermin vergibt, sieht die Wunde nie wieder und erfährt von einer Störung erst, wenn der Patient sich meldet.

Bei der Fadenstärke gilt: Für intraorale Schleimhaut sind mittlere Stärken üblich, im ästhetisch relevanten Bereich feinere. Ein feinerer Faden adaptiert genauer und hinterlässt weniger Spuren — er erfordert aber auch mehr Sorgfalt beim Knüpfen.

So fest, dass die Ränder sich berühren — nicht fester. Das ist die ganze Regel, und sie wird regelmäßig verletzt.

Was bei zu festem Knüpfen geschieht: Der Faden schneidet ein, die Durchblutung am Wundrand wird gedrosselt, und das Gewebe an genau der Stelle, die heilen soll, wird minderdurchblutet. Ein weißlich abgeblasster Wundrand nach dem Knüpfen ist das sichtbare Zeichen — dann ist der Knoten zu fest.

Der zweite Punkt: Die Wundränder sollen ohne Zug aneinanderliegen. Wenn die Naht Spannung überbrücken muss, ist der Lappen zu knapp mobilisiert. Die Lösung ist dann die weitere Mobilisierung, nicht der festere Knoten.

Und der Knoten kommt seitlich der Inzision zu liegen, nicht darauf — sonst reibt er auf der Wunde.

Wann entfernt wird

Was Wann
Nicht resorbierbares Material Nach etwa einer Woche, je nach Region und Verlauf
Resorbierbares Material Von selbst; locker hängende Reste können entfernt werden
Bei Zeichen einer Störung Früher, nach Beurteilung
Bei ausbleibender Adaptation Später, nach Beurteilung

Vor der Entfernung wird beurteilt, nicht nur entfernt. Ist die Wunde geschlossen? Liegt der Lappen an? Bestehen Rötung, Schwellung oder Sekretion? Der Termin ist eine Wundkontrolle, bei der nebenbei der Faden gezogen wird — nicht umgekehrt.

⚠️ Was der Patient wissen muss

Dass er nicht an den Fäden zieht und nicht mit der Zunge daran spielt. Dass sich der Faden bei resorbierbarem Material von selbst löst und ein herabhängendes Ende kein Anlass zur Sorge ist. Und dass er sich meldet, wenn sich eine Naht früh löst und die Wunde aufgeht.

Der letzte Punkt ist der wichtige: Ein Nahtverlust nach ein bis zwei Tagen ist etwas anderes als nach einer Woche — und ohne diesen Hinweis wartet der Patient bis zum vereinbarten Termin.

Drei Fragen

Ein Lappen soll nach einem chirurgischen Eingriff verschlossen werden. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Wer die Naht als Abdichtung versteht, knüpft zu fest und schnürt die Durchblutung ab.Offene FrageWas gilt bei Spannung? Wenn die Naht Zug überbrücken muss, ist der Lappen zu knapp mobilisiert. Die Lösung ist die weitere Mobilisierung, nicht der festere Knoten.

Was gilt für resorbierbares Nahtmaterial?

Drei. Wer bei resorbierbarem Material keinen Kontrolltermin vergibt, erfährt von einer Störung erst, wenn der Patient sich meldet.Offene FrageWann ist nicht resorbierbares Material im Vorteil? Wo eine exakte Adaptation über längere Zeit zählt und eine geringere Gewebereaktion erwünscht ist.

Was gehört zum Entfernungstermin?

Drei. Der Termin ist eine Wundkontrolle, bei der nebenbei der Faden gezogen wird — nicht umgekehrt.Offene FrageWas muss der Patient wissen? Dass er sich meldet, wenn sich eine Naht früh löst. Ein Nahtverlust nach ein bis zwei Tagen ist etwas anderes als nach einer Woche.

Das, was hängenbleiben soll

Adaptieren, nicht abdichten — und wenn es spannt, mobilisieren statt fester knüpfen.

Quellen

  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — resorbierbare und nicht resorbierbare Materialien, Fadenstärken, Plaqueakkumulation und Entfernungszeitpunkte.Deckt ab: Nahtmaterialien, Fadenstärken, Nahttechniken und Entfernungszeitpunkte
  • S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018 — Wundverschluss und lokale Hämostase.Deckt ab: Wundverschluss als Bestandteil der lokalen Hämostase
  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Schnittführung, Lappendesign, Osteotomie und Wundverschluss.Deckt ab: Grundlagen des spannungsfreien Wundverschlusses

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