Wundverschluss und Nahttechnik
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Welcher Faden, wie viele Nähte, wie fest — und ein Fehler, der die Heilung genau dort stört, wo man sie sichern wollte.
„Welchen Faden nehme ich?“
Beide Fragen hängen zusammen — und die zweite ist die wichtigere, weil ein zu fest geknüpfter Faden mehr schadet als ein suboptimal gewähltes Material.
Welches Material wofür
| Resorbierbar | Nicht resorbierbar | |
|---|---|---|
| Vorteil | Kein Entfernungstermin nötig | Definierte Liegedauer, geringere Gewebereaktion |
| Nachteil | Gewebereaktion beim Abbau möglich | Termin erforderlich |
| Einsatz | Standard für die meisten intraoralen Wunden | Wo exakte Adaptation über längere Zeit zählt |
| Kontrolle | Trotzdem — Resorption ersetzt keine Wundkontrolle | Beim Entfernungstermin ohnehin |
Die letzte Zeile ist ein praktischer Punkt. Ein resorbierbarer Faden spart den Fadenzugtermin — nicht die Wundkontrolle. Wer bei resorbierbarem Material keinen Kontrolltermin vergibt, sieht die Wunde nie wieder und erfährt von einer Störung erst, wenn der Patient sich meldet.
Bei der Fadenstärke gilt: Für intraorale Schleimhaut sind mittlere Stärken üblich, im ästhetisch relevanten Bereich feinere. Ein feinerer Faden adaptiert genauer und hinterlässt weniger Spuren — er erfordert aber auch mehr Sorgfalt beim Knüpfen.
Was bei zu festem Knüpfen geschieht: Der Faden schneidet ein, die Durchblutung am Wundrand wird gedrosselt, und das Gewebe an genau der Stelle, die heilen soll, wird minderdurchblutet. Ein weißlich abgeblasster Wundrand nach dem Knüpfen ist das sichtbare Zeichen — dann ist der Knoten zu fest.
Der zweite Punkt: Die Wundränder sollen ohne Zug aneinanderliegen. Wenn die Naht Spannung überbrücken muss, ist der Lappen zu knapp mobilisiert. Die Lösung ist dann die weitere Mobilisierung, nicht der festere Knoten.
Und der Knoten kommt seitlich der Inzision zu liegen, nicht darauf — sonst reibt er auf der Wunde.
Wann entfernt wird
| Was | Wann |
|---|---|
| Nicht resorbierbares Material | Nach etwa einer Woche, je nach Region und Verlauf |
| Resorbierbares Material | Von selbst; locker hängende Reste können entfernt werden |
| Bei Zeichen einer Störung | Früher, nach Beurteilung |
| Bei ausbleibender Adaptation | Später, nach Beurteilung |
Vor der Entfernung wird beurteilt, nicht nur entfernt. Ist die Wunde geschlossen? Liegt der Lappen an? Bestehen Rötung, Schwellung oder Sekretion? Der Termin ist eine Wundkontrolle, bei der nebenbei der Faden gezogen wird — nicht umgekehrt.
Dass er nicht an den Fäden zieht und nicht mit der Zunge daran spielt. Dass sich der Faden bei resorbierbarem Material von selbst löst und ein herabhängendes Ende kein Anlass zur Sorge ist. Und dass er sich meldet, wenn sich eine Naht früh löst und die Wunde aufgeht.
Der letzte Punkt ist der wichtige: Ein Nahtverlust nach ein bis zwei Tagen ist etwas anderes als nach einer Woche — und ohne diesen Hinweis wartet der Patient bis zum vereinbarten Termin.
Drei Fragen
Ein Lappen soll nach einem chirurgischen Eingriff verschlossen werden. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gilt für resorbierbares Nahtmaterial?
Was gehört zum Entfernungstermin?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — resorbierbare und nicht resorbierbare Materialien, Fadenstärken, Plaqueakkumulation und Entfernungszeitpunkte.Deckt ab: Nahtmaterialien, Fadenstärken, Nahttechniken und Entfernungszeitpunkte
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018 — Wundverschluss und lokale Hämostase.Deckt ab: Wundverschluss als Bestandteil der lokalen Hämostase
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Schnittführung, Lappendesign, Osteotomie und Wundverschluss.Deckt ab: Grundlagen des spannungsfreien Wundverschlusses
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