Wurzelrest — belassen oder entfernen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Eine abgebrochene Wurzelspitze — und eine Entscheidung, bei der der Bergungsversuch mehr Schaden anrichten kann als das Fragment.
„Ist da noch was drin?“
Ja, und in dieser Konstellation bleibt es vermutlich drin. Der Bergungsversuch birgt hier mehr Risiko als das Fragment.
Die Kriterien
| Für das Belassen | Für die Entfernung |
|---|---|
| Kleines Fragment | Großes Fragment |
| Apikale Lage, tief im Knochen | Leicht erreichbar, oberflächlich |
| Keine präoperative Entzündung | Infizierter Zahn, apikale Aufhellung |
| Nähe zu Nerv oder Kieferhöhle | Keine Risikostruktur in der Nähe |
| Geplante Implantation in dieser Region |
Die Kriterien müssen zusammen gelten. Ein kleines Fragment bei präoperativer Entzündung wird entfernt — es ist dann ein Infektionsherd, unabhängig von seiner Größe. Und ein großes Fragment in unmittelbarer Nervnähe wird nicht um jeden Preis geborgen.
Das Fragment wandert. Der Druck beim Bergungsversuch verschiebt es weiter nach apikal — im Oberkiefer in Richtung Kieferhöhle, im Unterkiefer in Richtung Kanal. Was zu Beginn erreichbar war, ist es danach nicht mehr.
Der Knochenabtrag summiert sich. Um an ein tiefliegendes Fragment zu gelangen, muss Knochen entfernt werden — teilweise mehr, als das Fragment an Problemen verursachen würde.
Die Sicht ist schlecht. Eine blutende Alveole mit einem kleinen Fragment darin ist die Situation, in der unkontrolliert gearbeitet wird. Und unkontrolliertes Arbeiten in Nervnähe ist der Weg zur Läsion.
Was stattdessen gilt: Ein Versuch unter guter Sicht, dann die Entscheidung. Nicht drei Versuche mit steigendem Aufwand.
Was dokumentiert und gesagt wird
| Was | Inhalt |
|---|---|
| Kontrollaufnahme | Lage und Größe des Fragments festhalten |
| Dokumentation | Größe, Lage, Begründung der Entscheidung, Aufklärung |
| Aufklärung des Patienten | Dass ein Fragment verblieben ist und warum |
| Kontrolltermin | Klinisch und radiologisch, nach vereinbartem Intervall |
| Warnzeichen | Woran er erkennt, dass etwas nicht stimmt |
Ein belassenes Fragment, von dem der Patient nichts weiß, ist bei einer späteren Aufnahme in einer anderen Praxis ein Vertrauensproblem — auch wenn die Entscheidung fachlich richtig war.
Was gesagt wird: dass ein kleines Stück Wurzelspitze verblieben ist, dass die Entfernung mehr Risiko bedeutet hätte als das Belassen, dass solche Fragmente in aller Regel reaktionslos einheilen und dass kontrolliert wird. Das ist eine plausible Erklärung, und sie kostet zwei Sätze.
Was zur Entfernung führt: Beschwerden, eine periapikale Aufhellung um das Fragment oder eine Entzündung. Dann wird es entfernt, und meist unter besseren Bedingungen als am Tag der Extraktion.
Bei einer geplanten Implantation in dieser Region ist die Entscheidung anders zu treffen — dort wird das Fragment in der Regel entfernt, weil es die Planung beeinflusst.
Drei Fragen
Eine kleine Wurzelspitze ist abgebrochen und liegt nahe am Kanalverlauf, keine präoperative Entzündung. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was spricht für die Entfernung?
Was gehört in die Aufklärung?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Komplikationsraten, Verlauf belassener Fragmente und Kriterien für die Entscheidung.Deckt ab: Verlauf belassener Wurzelfragmente, Komplikationsraten und Entscheidungskriterien
- Bürgerliches Gesetzbuch § 630e — Aufklärungspflichten und die Anforderungen bei Änderung des Behandlungsverlaufs.Deckt ab: Aufklärung über das Belassen eines Fragments
- Bürgerliches Gesetzbuch § 630f — Dokumentationspflicht einschließlich der Aufzeichnung von Abweichungen vom geplanten Verlauf.Deckt ab: Dokumentation der Abweichung vom geplanten Verlauf
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