Chirurgie Grundlagen 7 Min

Die einfache Extraktion

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein systematischer Ablauf, der ohne Improvisation auskommt — und zwei Punkte am Ende, die über die Heilung mitentscheiden.

1Wie der Ablauf gegliedert istVier Schritte.
2Was nach der Entfernung geprüft wirdDrei Dinge.
3Wann genäht wirdNicht immer.
4Was der Patient mitbekommtUnd warum das Blatt allein nicht reicht.
7 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Wie gehe ich das systematisch an?“

Assistenzzeit45 Jahre, Zahn 35 zur Extraktion. Einwurzelig, gerade Wurzel, keine Systemerkrankungen, gesunde Gingiva. „Wie gehe ich das systematisch an, ohne zu improvisieren?“

Mit einem festen Ablauf, der bei jeder Extraktion gleich ist — und der die Verlockung ausschaltet, direkt zur Zange zu greifen.

Der springende PunktDie Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Schritt bereitet den nächsten vor, und ein übersprungener Schritt rächt sich beim übernächsten.

Die vier Schritte

Schritt Inhalt Ziel
1 · Lösen der Fasern Periotom zirkulär im Sulkus Der Zahn wird vom Halteapparat gelöst
2 · Luxation Luxator, wechselnde Richtungen, mit Pausen Der Zahn wird beweglich
3 · Entfernung Zange möglichst weit apikal, kontrollierte Bewegung Der gelockerte Zahn verlässt die Alveole
4 · Alveolenversorgung Prüfen, versorgen, Blutstillung Die Wunde heilt regelrecht

Bei einwurzeligen Zähnen ist eine Rotationsbewegung möglich, sobald der Zahn gelockert ist. Bei mehrwurzeligen Zähnen nicht — dort wird bukkal-oral gewippt, und die Rotation würde die Wurzeln brechen.

Erstens: Ist der Zahn vollständig? Die entfernte Wurzel wird angesehen und mit dem präoperativen Bild abgeglichen. Eine fehlende Spitze fällt so sofort auf, nicht erst beim Kontrollbild.

Zweitens: Wie sieht die Alveole aus? Bei präoperativer Entzündung wird das Granulationsgewebe entfernt — dort ist es ein Infektionsherd. Bei unauffälligem Befund ist eine routinemäßige gründliche Kürettage nicht erforderlich; das entstehende Koagulum ist die Grundlage der Heilung, und übermäßige Manipulation stört sie.

Drittens: Sind die Alveolarwände intakt? Scharfe Kanten und mobile Fragmente werden geglättet oder entfernt — sie perforieren sonst die Schleimhaut und verzögern die Heilung.

Wann genäht wird

Naht angezeigt Naht nicht erforderlich
Erhöhtes Blutungsrisiko Unauffälliger Verlauf ohne Risikofaktoren
Nach Lappenbildung Kleine Alveole mit adaptierten Rändern
Weit klaffende Wundränder
Bei Rauchern und erhöhtem Alveolitisrisiko
Nach ausgedehnterer Extraktion

Die Naht verschließt nicht die Alveole, sondern adaptiert die Wundränder und stabilisiert das Koagulum. Das ist der Grund, warum sie bei erhöhtem Blutungsrisiko und bei Alveolitisgefährdung sinnvoll ist, bei einer kleinen unauffälligen Alveole aber nicht zwingend.

⚠️ Was der Patient mitbekommt

Ein Nachsorgeblatt — und zusätzlich das Wichtigste mündlich. Das Blatt allein reicht nicht, weil es unter Anästhesie entgegengenommen und selten gelesen wird.

Was mündlich gesagt gehört: nicht spülen und nicht saugen in den ersten Stunden. Kühlen von außen. Nicht rauchen. Keine körperliche Anstrengung. Was bei Nachblutung zu tun ist. Und eine Nummer, unter der jemand erreichbar ist.

Der Punkt mit dem Spülen wird am häufigsten missverstanden: Patienten spülen, weil sie den Geschmack loswerden wollen — und lösen dabei das Koagulum.

Drei Fragen

Eine einfache Extraktion soll systematisch durchgeführt werden. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei mehrwurzeligen Zähnen wird bukkal-oral gewippt — die Rotation würde die Wurzeln brechen.Offene FrageWarum ist die Reihenfolge nicht beliebig? Jeder Schritt bereitet den nächsten vor — ein übersprungener rächt sich beim übernächsten.

Was wird nach der Entfernung geprüft?

Drei. Bei unauffälligem Befund ist eine routinemäßige gründliche Kürettage nicht erforderlich — das Koagulum ist die Grundlage der Heilung.Offene FrageWarum wird der entfernte Zahn angesehen? Weil eine fehlende Wurzelspitze so sofort auffällt, nicht erst beim Kontrollbild.

Was gehört mündlich gesagt, nicht nur aufs Blatt?

Drei. Das Blatt allein reicht nicht — es wird unter Anästhesie entgegengenommen und selten gelesen.Offene FrageWelcher Punkt wird am häufigsten missverstanden? Das Spülen. Patienten spülen, weil sie den Geschmack loswerden wollen — und lösen dabei das Koagulum.

Das, was hängenbleiben soll

Lösen, luxieren, entfernen, versorgen — und das Wichtigste sagt man, statt es aufzuschreiben.

Quellen

  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Instrumentenkunde, Kraftführung, Luxationstechniken und Alveolenversorgung.Deckt ab: systematischer Ablauf der einfachen Extraktion und die Alveolenversorgung
  • Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Periotom, Luxatoren und maschinelle Verfahren im Vergleich zur konventionellen Technik hinsichtlich Knochenerhalt und Komplikationsrate.Deckt ab: Bedeutung des schonenden Vorgehens für Knochenerhalt und Heilung
  • S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018 — einschließlich der Empfehlungen zur Alveolenversorgung und zum Wundverschluss.Deckt ab: Empfehlungen zur Alveolenversorgung und zum Wundverschluss

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.