Die einfache Extraktion
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein systematischer Ablauf, der ohne Improvisation auskommt — und zwei Punkte am Ende, die über die Heilung mitentscheiden.
„Wie gehe ich das systematisch an?“
Mit einem festen Ablauf, der bei jeder Extraktion gleich ist — und der die Verlockung ausschaltet, direkt zur Zange zu greifen.
Die vier Schritte
| Schritt | Inhalt | Ziel |
|---|---|---|
| 1 · Lösen der Fasern | Periotom zirkulär im Sulkus | Der Zahn wird vom Halteapparat gelöst |
| 2 · Luxation | Luxator, wechselnde Richtungen, mit Pausen | Der Zahn wird beweglich |
| 3 · Entfernung | Zange möglichst weit apikal, kontrollierte Bewegung | Der gelockerte Zahn verlässt die Alveole |
| 4 · Alveolenversorgung | Prüfen, versorgen, Blutstillung | Die Wunde heilt regelrecht |
Bei einwurzeligen Zähnen ist eine Rotationsbewegung möglich, sobald der Zahn gelockert ist. Bei mehrwurzeligen Zähnen nicht — dort wird bukkal-oral gewippt, und die Rotation würde die Wurzeln brechen.
Zweitens: Wie sieht die Alveole aus? Bei präoperativer Entzündung wird das Granulationsgewebe entfernt — dort ist es ein Infektionsherd. Bei unauffälligem Befund ist eine routinemäßige gründliche Kürettage nicht erforderlich; das entstehende Koagulum ist die Grundlage der Heilung, und übermäßige Manipulation stört sie.
Drittens: Sind die Alveolarwände intakt? Scharfe Kanten und mobile Fragmente werden geglättet oder entfernt — sie perforieren sonst die Schleimhaut und verzögern die Heilung.
Wann genäht wird
| Naht angezeigt | Naht nicht erforderlich |
|---|---|
| Erhöhtes Blutungsrisiko | Unauffälliger Verlauf ohne Risikofaktoren |
| Nach Lappenbildung | Kleine Alveole mit adaptierten Rändern |
| Weit klaffende Wundränder | |
| Bei Rauchern und erhöhtem Alveolitisrisiko | |
| Nach ausgedehnterer Extraktion |
Die Naht verschließt nicht die Alveole, sondern adaptiert die Wundränder und stabilisiert das Koagulum. Das ist der Grund, warum sie bei erhöhtem Blutungsrisiko und bei Alveolitisgefährdung sinnvoll ist, bei einer kleinen unauffälligen Alveole aber nicht zwingend.
Ein Nachsorgeblatt — und zusätzlich das Wichtigste mündlich. Das Blatt allein reicht nicht, weil es unter Anästhesie entgegengenommen und selten gelesen wird.
Was mündlich gesagt gehört: nicht spülen und nicht saugen in den ersten Stunden. Kühlen von außen. Nicht rauchen. Keine körperliche Anstrengung. Was bei Nachblutung zu tun ist. Und eine Nummer, unter der jemand erreichbar ist.
Der Punkt mit dem Spülen wird am häufigsten missverstanden: Patienten spülen, weil sie den Geschmack loswerden wollen — und lösen dabei das Koagulum.
Drei Fragen
Eine einfache Extraktion soll systematisch durchgeführt werden. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was wird nach der Entfernung geprüft?
Was gehört mündlich gesagt, nicht nur aufs Blatt?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Instrumentenkunde, Kraftführung, Luxationstechniken und Alveolenversorgung.Deckt ab: systematischer Ablauf der einfachen Extraktion und die Alveolenversorgung
- Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie. Reihe Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-13-159094-7 — Periotom, Luxatoren und maschinelle Verfahren im Vergleich zur konventionellen Technik hinsichtlich Knochenerhalt und Komplikationsrate.Deckt ab: Bedeutung des schonenden Vorgehens für Knochenerhalt und Heilung
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018 — einschließlich der Empfehlungen zur Alveolenversorgung und zum Wundverschluss.Deckt ab: Empfehlungen zur Alveolenversorgung und zum Wundverschluss
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