Chirurgie Grundlagen 6 Min

Blutungsanamnese vor dem Eingriff

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Vier Fragen, die das Wesentliche erfassen — und eine Antwort des Patienten, die typisch ist und nicht weiterhilft.

1Welche vier Fragen gestellt werdenUnd in welcher Reihenfolge.
2Warum „irgendwas fürs Herz“ nicht reichtEs gibt einen einfachen Weg.
3Welche Warnzeichen aufhorchen lassenSie stehen nicht im Medikamentenplan.
4Wann Rücksprache erforderlich istVier Situationen.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen2 Quellen

„Irgendwas fürs Herz“

Vor der Extraktion68 Jahre, Extraktion 36 geplant. Auf die Frage nach Medikamenten sagt sie, sie nehme etwas fürs Herz — welches, weiß sie nicht. „Der Hausarzt hat gesagt, ich soll das nicht absetzen vor dem Zahnarzt.“

Ihr Hausarzt hat recht. Trotzdem lässt sich der Eingriff so nicht planen — die Substanz bestimmt das Vorgehen.

Der springende PunktDie Anamnese ist erst vollständig, wenn die Substanz bekannt ist. Und der einfachste Weg dorthin ist meist ein Foto des Medikamentenplans.

Die vier Fragen

Frage Worauf sie zielt
Welche Medikamente nehmen Sie? Gerinnungshemmung, auch die nicht erwähnte
Welche Erkrankungen sind bekannt? Leber, Niere, hämatologische Erkrankungen
Wie war die Blutung bei früheren Eingriffen? Der aussagekräftigste Einzelpunkt
Gibt es Blutungsneigungen in der Familie? Angeborene Störungen

Die dritte Frage ist die wertvollste. Ein Patient, der bereits Extraktionen ohne Auffälligkeit hinter sich hat, gibt damit mehr Information als jeder Laborwert. Und einer, bei dem es damals ungewöhnlich lange blutete, verdient eine genauere Abklärung — auch ohne bekannte Diagnose.

Weil sich das Vorgehen zwischen den Wirkstoffgruppen erheblich unterscheidet:

  • Thrombozytenaggregationshemmer — nicht absetzen, lokale Hämostase genügt in der Regel
  • Vitamin-K-Antagonisten — aktueller Wert der Gerinnungskontrolle erforderlich
  • Direkte orale Antikoagulanzien — Zeitpunkt der letzten Einnahme und Nierenfunktion maßgeblich

Der praktische Weg: ein Foto des Medikamentenplans. Fast jeder Patient hat ihn, fast jeder kann ihn fotografieren, und die Frage nach dem Namen erübrigt sich. Wo das nicht möglich ist, folgt die Rücksprache mit der hausärztlichen Praxis — vor dem Termin, nicht am Behandlungstag.

Welche Warnzeichen aufhorchen lassen

Zeichen Bedeutung
Blutergüsse ohne erinnerliche Ursache Mögliche Gerinnungs- oder Thrombozytenstörung
Lange Blutung nach kleinen Verletzungen Hinweis auf eine Störung der primären Hämostase
Häufiges Nasenbluten Ebenso
Verstärkte Menstruationsblutung Wird selten erfragt und ist aussagekräftig
Blutungen in der Familie Angeborene Störung möglich

Diese Zeichen stehen in keinem Medikamentenplan. Sie sind der Grund, warum die Anamnese über die Medikamentenfrage hinausgeht — eine bislang unerkannte Gerinnungsstörung fällt sonst erst bei der Nachblutung auf.

⚠️ Wann Rücksprache erforderlich ist

Bei unklarer Medikation, die sich nicht klären lässt. Bei bekannter Gerinnungsstörung. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Und bei einem umfangreicheren Eingriff als einer einfachen Extraktion.

Die Rücksprache erfolgt vor dem Termin. Ein Patient, der zur Extraktion erscheint und dann nach Hause geschickt wird, hat einen vermeidbaren Weg gemacht — und die Rücksprache dauert am Behandlungstag genauso lange wie eine Woche vorher.

Drei Fragen

Eine Patientin kennt den Namen ihres Medikaments nicht. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Das Vorgehen unterscheidet sich zwischen den Wirkstoffgruppen erheblich — eine Annahme trägt nicht.Offene FrageWas unterscheidet sich? Bei Thrombozytenaggregationshemmern genügt die lokale Hämostase, bei Vitamin-K-Antagonisten ist der Gerinnungswert erforderlich, bei direkten oralen Antikoagulanzien der Einnahmezeitpunkt und die Nierenfunktion.

Welche Warnzeichen stehen in keinem Medikamentenplan?

Drei. Sie sind der Grund, warum die Anamnese über die Medikamentenfrage hinausgeht.Offene FrageWelche Frage ist am wertvollsten? Die nach früheren Eingriffen. Ein Patient ohne Auffälligkeit bei vorherigen Extraktionen gibt mehr Information als jeder Laborwert.

Wann ist Rücksprache erforderlich?

Drei. Dazu kommt ein umfangreicherer Eingriff als eine einfache Extraktion.Offene FrageWann erfolgt sie? Vor dem Termin. Am Behandlungstag dauert sie genauso lange — nur hat der Patient dann einen vermeidbaren Weg gemacht.

Das, was hängenbleiben soll

Vier Fragen, ein Foto vom Plan — und die frühere Blutung sagt mehr als jeder Wert.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018, federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: strukturierte Blutungsanamnese, Bewertung der Medikation und die Indikation zur Rücksprache
  • Bürgerliches Gesetzbuch § 630f und § 630h — Dokumentationspflicht und Beweislastregelungen.Deckt ab: Dokumentation der erhobenen Anamnese

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