Blutungsanamnese vor dem Eingriff
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Vier Fragen, die das Wesentliche erfassen — und eine Antwort des Patienten, die typisch ist und nicht weiterhilft.
„Irgendwas fürs Herz“
Ihr Hausarzt hat recht. Trotzdem lässt sich der Eingriff so nicht planen — die Substanz bestimmt das Vorgehen.
Die vier Fragen
| Frage | Worauf sie zielt |
|---|---|
| Welche Medikamente nehmen Sie? | Gerinnungshemmung, auch die nicht erwähnte |
| Welche Erkrankungen sind bekannt? | Leber, Niere, hämatologische Erkrankungen |
| Wie war die Blutung bei früheren Eingriffen? | Der aussagekräftigste Einzelpunkt |
| Gibt es Blutungsneigungen in der Familie? | Angeborene Störungen |
Die dritte Frage ist die wertvollste. Ein Patient, der bereits Extraktionen ohne Auffälligkeit hinter sich hat, gibt damit mehr Information als jeder Laborwert. Und einer, bei dem es damals ungewöhnlich lange blutete, verdient eine genauere Abklärung — auch ohne bekannte Diagnose.
- Thrombozytenaggregationshemmer — nicht absetzen, lokale Hämostase genügt in der Regel
- Vitamin-K-Antagonisten — aktueller Wert der Gerinnungskontrolle erforderlich
- Direkte orale Antikoagulanzien — Zeitpunkt der letzten Einnahme und Nierenfunktion maßgeblich
Der praktische Weg: ein Foto des Medikamentenplans. Fast jeder Patient hat ihn, fast jeder kann ihn fotografieren, und die Frage nach dem Namen erübrigt sich. Wo das nicht möglich ist, folgt die Rücksprache mit der hausärztlichen Praxis — vor dem Termin, nicht am Behandlungstag.
Welche Warnzeichen aufhorchen lassen
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Blutergüsse ohne erinnerliche Ursache | Mögliche Gerinnungs- oder Thrombozytenstörung |
| Lange Blutung nach kleinen Verletzungen | Hinweis auf eine Störung der primären Hämostase |
| Häufiges Nasenbluten | Ebenso |
| Verstärkte Menstruationsblutung | Wird selten erfragt und ist aussagekräftig |
| Blutungen in der Familie | Angeborene Störung möglich |
Diese Zeichen stehen in keinem Medikamentenplan. Sie sind der Grund, warum die Anamnese über die Medikamentenfrage hinausgeht — eine bislang unerkannte Gerinnungsstörung fällt sonst erst bei der Nachblutung auf.
Bei unklarer Medikation, die sich nicht klären lässt. Bei bekannter Gerinnungsstörung. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Und bei einem umfangreicheren Eingriff als einer einfachen Extraktion.
Die Rücksprache erfolgt vor dem Termin. Ein Patient, der zur Extraktion erscheint und dann nach Hause geschickt wird, hat einen vermeidbaren Weg gemacht — und die Rücksprache dauert am Behandlungstag genauso lange wie eine Woche vorher.
Drei Fragen
Eine Patientin kennt den Namen ihres Medikaments nicht. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Warnzeichen stehen in keinem Medikamentenplan?
Wann ist Rücksprache erforderlich?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018, federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: strukturierte Blutungsanamnese, Bewertung der Medikation und die Indikation zur Rücksprache
- Bürgerliches Gesetzbuch § 630f und § 630h — Dokumentationspflicht und Beweislastregelungen.Deckt ab: Dokumentation der erhobenen Anamnese
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