Abrasionen — Restauration oder erst Schienentherapie
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Kürzer gewordene Zähne über Jahre — und eine Entscheidung, die davon abhängt, ob die Bisshöhe erhalten geblieben ist.
„Meine Zähne sind kürzer geworden“
Einiges — aber nicht sofort und nicht allein restaurativ. Der Umfang des Bisshöhenverlusts entscheidet darüber, ob dieser Fall in der eigenen Praxis bleibt.
Warum die Ursache zuerst kommt
Abrasionen sind das Ergebnis eines Prozesses, der weiterläuft. Wer restauriert, ohne ihn zu beeinflussen, stellt Material in denselben Mechanismus — mit dem Unterschied, dass Komposit und Keramik weniger widerstandsfähig sind als Schmelz.
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Funktionsdiagnostik | Kiefergelenk, Muskulatur, Okklusion |
| Schienentherapie | Schutz und zugleich diagnostisches Mittel |
| Verlaufskontrolle | Wird die Schiene getragen, wie sind die Abrasionsspuren |
| Beurteilung der Beschwerden | Bessern sich die Kiefergelenkbeschwerden |
| Dann die restaurative Planung | Auf gesicherter Grundlage |
Zweitens die Verträglichkeit einer veränderten Bisslage: Wenn die Schiene die vertikale Dimension anhebt, lässt sich beobachten, wie Muskulatur und Kiefergelenk darauf reagieren. Das ist die Information, die vor einer aufwendigen Rehabilitation gebraucht wird — und sie ist reversibel zu gewinnen.
Deshalb ist die Schienentherapie hier keine verlorene Zeit, sondern der Teil der Planung, der die Entscheidung trägt.
Was einfache von komplexen Fällen trennt
| Befund | Vorgehen |
|---|---|
| Abrasionen ohne Bisshöhenverlust | Direkte Versorgung nach Schienentherapie möglich |
| Geringer Bisshöhenverlust | Restaurative Versorgung mit begrenzter Anhebung |
| Deutlicher Bisshöhenverlust | Komplexe Rehabilitation — Überweisung erwägen |
| Mit Kiefergelenkbeschwerden | Funktionsdiagnostik vorschalten |
Der Bisshöhenverlust ist der Punkt, an dem sich der Fall teilt. Eine Anhebung der vertikalen Dimension betrifft nicht einzelne Zähne, sondern das gesamte Kausystem — Muskulatur, Gelenk und Okklusion. Das ist eine andere Größenordnung als eine Reihe von Kompositaufbauten.
Der Kieferknochen kompensiert den Substanzverlust über die Jahre teilweise durch Elongation der Zähne. Die tatsächliche vertikale Dimension kann deshalb weniger verändert sein, als die kürzeren Kronen vermuten lassen.
Praktisch heißt das: Die Einschätzung anhand der Zahnlänge allein trägt nicht. Was gebraucht wird, ist die funktionsdiagnostische Beurteilung — und bei größerem Umfang die Zusammenarbeit mit einer entsprechend ausgerichteten Praxis.
Und dass die Schiene kein Aufschub ist, sondern der Teil, ohne den alles Weitere nicht hält. Ein Patient, der die Schiene als Hinhaltetaktik erlebt, trägt sie nicht — und dann trägt die spätere Versorgung ebenfalls nicht.
Bei größerem Umfang gehört die Überweisung dazu, mit derselben Begründung: nicht weil es nicht ginge, sondern weil eine Rehabilitation dieser Größenordnung eine eigene Planung braucht.
Drei Fragen
Ein Patient mit generalisierten Abrasionen und Bisshöhenverlust stellt sich vor. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was trennt einfache von komplexen Fällen?
Was gehört dem Patienten gesagt?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus“, AWMF-Register-Nr. 083-027, federführend DGFDT und DGZMK.Deckt ab: Diagnostik und Behandlung des Bruxismus sowie die Schienentherapie als Voraussetzung restaurativer Maßnahmen
- Carvalho TS, Colon P, Ganss C et al.: Consensus report of the European Federation of Conservative Dentistry – erosive tooth wear, diagnosis and management. Clinical Oral Investigations 2015; 19(7): 1557–1561, sowie Loomans B, Opdam N, Attin T et al.: Severe Tooth Wear – European Consensus Statement on Management Guidelines. Journal of Adhesive Dentistry 2017; 19: 111–119 — Diagnostik, Vorgehen und die Abgrenzung einfacher von komplexen Rehabilitationen. DOIDeckt ab: Versorgung generalisierter Abrasionen, Bisshebung und die Abgrenzung einfacher von komplexen Rehabilitationen
- Schiffman E, Ohrbach R, Truelove E et al.: Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD). Journal of Oral & Facial Pain and Headache 2014; 28(1): 6–27 — klinische Funktionsdiagnostik und Schienentherapie. DOIDeckt ab: klinische Funktionsdiagnostik vor restaurativen Eingriffen
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