Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Approximalkaries — Komposit oder Inlay

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die Entscheidung fällt nicht vor der Behandlung, sondern mittendrin — und ein Faktor beeinflusst das Ergebnis stärker als die Materialwahl.

1Warum die Entscheidung erst nach der Exkavation fälltVorher kennt niemand die Ausdehnung.
2Welche Kriterien für welche Lösung sprechenFünf, in beide Richtungen.
3Welcher Faktor stärker wirkt als das MaterialDie Ausführung.
4Was in die Aufklärung gehörtBevor angefangen wird.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Was muss jetzt gemacht werden?“

Recall31 Jahre, Karies mesial an 25, radiologisch bis ins Dentin reichend. Klinisch haftet die Sonde, kein sichtbares Kavum. Kontaktpunkt vorhanden, Zahn vital, keine Beschwerden. „Ich hab keine Schmerzen, aber Sie haben ja beim Röntgen was gesehen. Was muss jetzt gemacht werden?“

Eine Versorgung — welche, lässt sich jetzt noch nicht abschließend sagen. Und das gehört ihr auch so gesagt.

Der springende PunktDie Ausdehnung nach der Exkavation entscheidet, nicht das Bild davor. Die radiologische Darstellung unterschätzt die Läsion — was übrig bleibt, sieht man erst, wenn man drin ist.

Welche Kriterien wofür sprechen

Kriterium Spricht für direkt Spricht für indirekt
Kavitätenausdehnung Begrenzt Ausgedehnt, mehrere Flächen
Höcker Intakt und gestützt Untergraben oder zu überkuppeln
Okklusale Belastung Normal Hoch, Parafunktion
Trockenlegung Sicher möglich Erschwert — dann auch indirekt problematisch
Restzahnsubstanz Ausreichend Gering

Die vierte Zeile enthält eine Falle. Eine schlechte Trockenlegung spricht nicht für das Inlay — sie ist bei der adhäsiven Befestigung genauso problematisch. Wenn die Trockenlegung nicht gelingt, ist das ein Problem für beide Lösungen und muss vorher gelöst werden.

Die Ausführung. Systematische Auswertungen zeigen, dass die Unterschiede in den Überlebensraten zwischen den Versorgungsformen kleiner sind als die Unterschiede, die durch Behandlungsqualität und Patientenfaktoren entstehen.

Konkret heißt das: Ein sorgfältig gelegtes Komposit unter Kofferdam mit gutem Randschluss und korrektem Kontaktpunkt hält länger als ein Inlay, das unter Speichelkontakt zementiert wurde.

Für das Gespräch mit der Patientin ist das die ehrlichere Auskunft als eine Rangfolge der Materialien — und sie erklärt zugleich, warum die Behandlungszeit nicht der Punkt ist, an dem gespart wird.

Was in die Aufklärung gehört

Punkt Inhalt
Dass die Ausdehnung noch offen ist Und dass sie sich nach der Exkavation zeigt
Beide Optionen mit Vor- und Nachteilen Nicht nur die, die man bevorzugt
Kosten Direkte Versorgung im Rahmen der Regelversorgung, indirekte als Privatleistung
Mehrkostenvereinbarung Schriftlich vor Behandlungsbeginn, wenn sie greift
Zeitaufwand Ein oder zwei Sitzungen
⚠️ Warum die erste Zeile so wichtig ist

Eine Patientin, der eine Kompositfüllung zugesagt wurde und die nach der Exkavation erfährt, dass es doch ein Inlay wird, erlebt das als nachträgliche Preiserhöhung — auch wenn die Entscheidung fachlich richtig ist.

Wer vorher sagt, dass die Ausdehnung die Versorgung bestimmt und beide Möglichkeiten offen sind, hat dieses Problem nicht. Das kostet einen Satz.

Drei Fragen

Bei einer approximalen Läsion steht die Entscheidung zwischen direkter und indirekter Versorgung an. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei der adhäsiven Befestigung ist die Trockenlegung genauso kritisch — das Problem betrifft beide Lösungen.Offene FrageWas folgt daraus? Wenn die Trockenlegung nicht gelingt, muss das vorher gelöst werden. Es ist kein Argument für die eine oder andere Versorgung.

Was wirkt stärker auf die Langzeitprognose als die Materialwahl?

Drei. Die Unterschiede zwischen den Versorgungsformen sind kleiner als die durch Behandlungsqualität und Patientenfaktoren.Offene FrageWas heißt das für das Gespräch? Eine ehrlichere Auskunft als eine Rangfolge der Materialien — und die Erklärung, warum an der Behandlungszeit nicht gespart wird.

Was gehört vor der Behandlung gesagt?

Die erste. Eine Patientin, der eine Kompositfüllung zugesagt wurde und die nachher ein Inlay bekommt, erlebt das als nachträgliche Preiserhöhung.Offene FrageUnd die Mehrkostenvereinbarung? Sie wird schriftlich vor Behandlungsbeginn getroffen, wenn sie greift — nicht danach.

Das, was hängenbleiben soll

Die Ausdehnung entscheidet, nicht das Bild — und die Ausführung wiegt schwerer als das Material.

Quellen

  • Josic U, D’Alessandro C, Miletic V et al.: Clinical longevity of direct and indirect posterior resin composite restorations – an updated systematic review and meta-analysis. Dental Materials 2023; 39(12): 1085–1094 — Vergleich von Komposit, Keramikinlay und Krone sowie die Einflussfaktoren auf die Langzeitprognose. DOIDeckt ab: Überlebensraten direkter und indirekter Restaurationen im Seitenzahnbereich und ihre Einflussfaktoren
  • S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“, AWMF-Registernummer 083-028, Version 2.0, Stand Januar 2024 — Restsubstanz, Kavitätengeometrie und die Entscheidung zwischen direkter Versorgung und Überkuppelung. AWMFDeckt ab: Restsubstanz und Kavitätengeometrie als Entscheidungskriterien
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über Alternativen und Mehrkosten sowie deren Dokumentation

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