Wurzelkaries beim älteren Patienten
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Das am schnellsten wachsende Kariesproblem — und restaurativ eine eigene Disziplin, weil fast alles anders ist als an der Krone.
„Ich habe doch mein Leben lang keine Löcher gehabt“
Weil sich zwei Dinge geändert haben: Die Wurzeloberflächen liegen frei, und der Speichel schützt nicht mehr wie früher.
Warum sie zunimmt und schneller fortschreitet
Die Zunahme ist eine Folge des Erfolgs: Menschen behalten ihre Zähne länger. Damit steigt die Zahl freiliegender Wurzeloberflächen — durch parodontalen Abbau, nach parodontaler Therapie oder durch Rezessionen.
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Freiliegende Wurzeloberfläche | Die Voraussetzung — ohne sie keine Wurzelkaries |
| Mundtrockenheit | Häufig medikamentenbedingt, oft mehrere Präparate |
| Eingeschränkte Handfunktion | Die Reinigung wird schwieriger |
| Prothetische Konstruktionen | Klammern und Ränder als Retentionsstellen |
| Veränderte Ernährung | Weiche, oft kohlenhydratreiche Kost |
Es wird früher angegriffen. Die Demineralisation beginnt bei einem weniger sauren pH-Wert — Bedingungen, unter denen Schmelz noch stabil bliebe.
Die Läsion breitet sich flächig aus. Statt in die Tiefe zu wachsen wie an der Krone, umgreift sie oft die Wurzel — was die Versorgung erschwert und die Substanz an einer statisch ungünstigen Stelle schwächt.
Dazu kommt, dass die Pulpa näher liegt. Eine Läsion, die an der Krone unbedenklich wäre, ist hier bereits pulpanah.
Warum nichtinvasiv hier besonders zählt
Weil die Restauration schwierig ist — und jede gescheiterte Füllung die Ausgangslage verschlechtert.
| Was die Versorgung erschwert | Warum |
|---|---|
| Lage am Übergang zur Gingiva | Feuchtigkeit, Blutung, schlechte Sicht |
| Adhäsion am Dentin statt am Schmelz | Der Verbund ist schwächer und empfindlicher |
| Zugänglichkeit | Oft zirkulär, teilweise subgingival |
| Belastung durch die Reinigung | Der Rand liegt dort, wo geputzt wird |
Daraus folgt die Reihenfolge: Eine inaktive oder beginnende Läsion wird nichtinvasiv behandelt — mit hochdosierten Fluoridpräparaten, angepasster Reinigung und, wenn möglich, der Behandlung der Mundtrockenheit. Erst wenn das nicht gelingt oder die Läsion kavitiert und aktiv ist, wird versorgt.
Die Medikation. Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung, und bei mehreren Präparaten summiert sie sich. Die hausärztliche Praxis kann prüfen, ob eine Alternative in Betracht kommt — das ist wirksamer als jede Füllung.
Was du selbst tun kannst: über speichelfördernde Maßnahmen beraten, hochdosierte Fluoride einsetzen und das Recallintervall verkürzen. Die Läsion ist ein Symptom, nicht die Ursache.
Drei Fragen
Bei einer 74-Jährigen mit Mundtrockenheit zeigen sich Wurzelkariesläsionen. Welche Aussage trifft nicht zu?
Warum schreitet Wurzelkaries anders fort als Kronenkaries?
Was erschwert die restaurative Versorgung am Wurzeldentin?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Paris S, Banerjee A, Bottenberg P et al.: How to Intervene in the Caries Process in Older Adults – A Joint ORCA and EFCD Expert Delphi Consensus Statement. Caries Research 2020 — Risikofaktoren, Prävention mit hochdosierten Fluoriden, nichtinvasive Maßnahmen und die restaurative Versorgung. DOIDeckt ab: Risikofaktoren, Prävention, nichtinvasive Maßnahmen und restaurative Versorgung der Wurzelkaries
- S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Registernummer 083-021, Version 2.0, 2025 — Indikation bei erhöhtem Kariesrisiko, Anwendungshinweise und Altersgrenzen. AWMFDeckt ab: hochdosierte Fluoridanwendung als tragende präventive Maßnahme
- S3-Leitlinie „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen — grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Register-Nr. 083-021, federführend DGZMK und DGZ.Deckt ab: grundlegende Empfehlungen zur Kariesprophylaxe
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