Kariesrisiko bestimmen und das Vorgehen danach ausrichten
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Eine Einschätzung, die über Recallintervall, Röntgenintervall und Behandlungsentscheidung mitbestimmt — und die in vielen Praxen nirgends steht.
„Warum bei mir alle sechs Monate?“
Eine berechtigte Frage — und wenn sich die Antwort nicht aus einer dokumentierten Einschätzung ergibt, ist das Intervall willkürlich.
Woran sich das Risiko bemisst
| Faktor | Was zählt |
|---|---|
| Bisherige Karieserfahrung | Der stärkste Einzelfaktor für die künftige Entwicklung |
| Aktive Läsionen | Bestehende Progression |
| Plaquesituation | Beobachtet, nicht erfragt |
| Ernährung | Häufigkeit zuckerhaltiger Aufnahmen — nicht die Menge |
| Fluoridverfügbarkeit | Häuslich und professionell |
| Speichel | Medikamente, Erkrankungen, Bestrahlung |
Die Häufigkeit ist wichtiger als die Menge. Wer über den Tag verteilt zehnmal etwas Zuckerhaltiges zu sich nimmt, hat ein anderes Risiko als jemand, der dieselbe Menge zu einer Mahlzeit isst — das ist die Information, die im Gespräch am meisten bewirkt.
Das Recall- und Röntgenintervall. Bei niedrigem Risiko deutlich länger als bei hohem.
Die präventiven Maßnahmen. Bei erhöhtem Risiko kommen hochdosierte Fluoridpräparate in Betracht, deren Anwendung von der Indikation und vom Alter abhängt — die Einzelheiten stehen in der Fachinformation.
Die Behandlungsentscheidung bei einzelnen Läsionen. Dieselbe Läsion wird bei niedrigem Risiko eher beobachtet und bei hohem eher versorgt. Das ist kein Widerspruch, sondern folgt aus der unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit der Progression.
Warum sie dokumentiert und überprüft wird
Ohne Eintrag lässt sich das gewählte Intervall weder gegenüber der Patientin noch bei einer Prüfung begründen. Und der Eintrag ist zugleich die Grundlage für den nächsten Termin — wer die Einschätzung nicht findet, beginnt jedes Mal von vorn.
| Was sich ändern kann | Wirkung |
|---|---|
| Neue aktive Läsion | Risiko steigt |
| Medikament mit Mundtrockenheit | Risiko steigt |
| Festsitzende kieferorthopädische Apparatur | Risiko steigt |
| Veränderte Lebenssituation | In beide Richtungen möglich |
| Erfolgreiche präventive Maßnahmen | Risiko sinkt |
Dass die Einschätzung sich ändern kann und was sie selbst dazu beitragen kann. Ein Patient, der hört „Sie haben ein hohes Kariesrisiko“, hört eine Eigenschaft. Wer hört „Diese drei Dinge erhöhen es gerade, und an zweien davon lässt sich etwas ändern“, hört einen Auftrag.
Drei Fragen
Eine Patientin fragt nach der Begründung für ihr Recallintervall. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gehört zur Risikoeinschätzung?
Wie erklärst du die Einschätzung im Gespräch?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen — grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Register-Nr. 083-021, federführend DGZMK und DGZ.Deckt ab: Kariesrisikofaktoren, präventive Maßnahmen und deren risikoabhängige Anwendung
- Pitts NB, Ekstrand KR: International Caries Detection and Assessment System (ICDAS) and its International Caries Classification and Management System (ICCMS). Community Dentistry and Oral Epidemiology 2013; 41(1): e41–e52 — Erfassung der Läsionstiefe, Aktivitätsbeurteilung und die daraus abgeleitete Behandlungsentscheidung. DOIDeckt ab: Zusammenführung von Risikoeinschätzung, Läsionsbefund und Behandlungsentscheidung
- S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, AWMF-Registernummer 083-021, Version 2.0, 2025 — Indikation bei erhöhtem Kariesrisiko, Anwendungshinweise und Altersgrenzen. AWMFDeckt ab: Indikation und Anwendung hochdosierter Fluoridpräparate bei erhöhtem Risiko
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