Implantologie Vertiefung 6 Min

Das Implantat nach zehn Jahren

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die Frage, wann ein Implantat gewechselt werden muss — und eine Unterscheidung, die sie beantwortet und zugleich die Erwartung an die nächsten Jahre ordnet.

1Was ausgetauscht wird und was bleibtEin Bild, das im Gespräch trägt.
2Was die Langzeitzahlen tatsächlich sagenUnd was sie nicht sagen.
3Welche Komplikationen im Verlauf auftretenÜberwiegend an der Konstruktion.
4Warum die Nachsorge nicht ausläuftDas Risiko endet nicht.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Kommt da irgendwann der Zeitpunkt?“

Recall68 Jahre, Implantat regio 36 seit elf Jahren. An der Krone ist distal Verblendkeramik abgeplatzt, das Implantat sitzt fest, kein Knochenverlust. „Das Implantat habe ich jetzt elf Jahre — kommt da irgendwann der Zeitpunkt, wo man das wechseln muss?“

Für das Implantat nicht. Für die Krone schon — und diese Unterscheidung beantwortet ihre Frage.

Der springende PunktDas Implantat ist das Fundament und bleibt, solange es fest sitzt und der Knochen stabil ist. Die Konstruktion darauf hat eine begrenzte Lebensdauer.

Was ausgetauscht wird und was bleibt

Bestandteil Erwartung
Implantat Bleibt, solange fest und knöchern stabil
Abutment Bleibt in der Regel, wird bei Kronenerneuerung geprüft
Krone oder Brücke Begrenzte Lebensdauer — Erneuerung im Verlauf erwartbar
Schrauben Werden bei jeder Neuverschraubung ersetzt
Matrizen bei Deckprothesen Regelmäßiger Verschleißteil

Das Bild vom Fundament und dem Haus darauf trägt im Gespräch: Das Fundament wird nicht erneuert, weil das Dach undicht ist. Es erklärt zugleich, warum eine Kronenerneuerung kein Rückschlag ist — sie war zu erwarten.

Systematische Auswertungen beschreiben für dentale Implantate gute Überlebensraten über zehn Jahre und darüber hinaus. Diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu lesen:

Sie hängen von der Definition ab. „Überleben“ bedeutet, dass das Implantat noch in situ ist — nicht, dass es gesund oder beschwerdefrei ist. Ein Implantat mit fortgeschrittener Periimplantitis zählt in dieser Betrachtung als überlebend.

Und von der Patientengruppe. Werte aus Studien mit ausgewählten Patienten und engmaschiger Nachsorge lassen sich nicht ungeprüft auf einen Raucher ohne Recall übertragen.

Deshalb nennt diese Lektion keine Prozentzahl: Was sie leistet, ist weniger als sie verspricht.

Warum die Nachsorge nicht ausläuft

Ein Implantat, das elf Jahre problemlos gehalten hat, ist nicht in Sicherheit. Die Periimplantitis ist die häufigste Spätkomplikation — sie tritt typischerweise nach Jahren auf, nicht am Anfang.

Was im Verlauf auftritt Einordnung
Schraubenlockerung Technisch, behebbar
Verblendungsfraktur Technisch, meist reparabel
Periimplantitis Biologisch, mit Knochenverlust
Veränderte Okklusion durch die Nachbarzähne Entsteht schleichend über Jahre
Erneuerungsbedarf der Konstruktion Erwartbar
⚠️ Was in die Aufklärung gehört — von Anfang an

Dass die Konstruktion im Verlauf erneuert werden muss und dass diese Kosten anfallen. Ein Patient, der mit einer einmaligen Investition gerechnet hat, erlebt die Kronenerneuerung nach zehn Jahren als unangekündigte Zusatzforderung. Angekündigt ist sie das, was sie ist: der erwartbare Verlauf.

Drei Fragen

Eine Patientin fragt nach elf Jahren, wann das Implantat gewechselt werden muss. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Es gibt kein Ablaufdatum — das Implantat wird ersetzt, wenn es verloren geht, nicht nach einer Frist.Offene FrageWas hilft im Gespräch? Das Bild vom Fundament und dem Haus darauf. Das Fundament wird nicht erneuert, weil das Dach undicht ist.

Was ist bei Langzeitzahlen zu bedenken?

Drei. Werte aus Studien mit ausgewählten Patienten und engmaschiger Nachsorge lassen sich nicht ungeprüft auf einen Raucher ohne Recall übertragen.Offene FrageWas sagt man dem Patienten stattdessen? Dass Implantate langzeiterprobt sind und dass die Nachsorge über den Verlauf mitentscheidet. Das ist zutreffend und relevanter als eine Prozentzahl.

Warum läuft die Nachsorge nach zehn Jahren nicht aus?

Die erste. Sie ist die häufigste Spätkomplikation — ein problemloser Verlauf über elf Jahre ist kein Schutz.Offene FrageWas kommt im Verlauf noch dazu? Veränderte Okklusion durch wandernde und abradierende Nachbarzähne. Das entsteht schleichend, und das Implantat kann dadurch in Überbelastung geraten.

Das, was hängenbleiben soll

Das Fundament bleibt, das Haus darauf wird erneuert.

Quellen

  • Pjetursson BE, Thoma D, Jung R, Zwahlen M, Zembic A: A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses (FDPs) after a mean observation period of at least 5 years. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 22–38 — Überlebens- und Komplikationsraten über fünf und zehn Jahre. DOIDeckt ab: Überlebens- und Erfolgsraten im Langzeitverlauf und ihre Abhängigkeit von der zugrunde gelegten Definition
  • Pjetursson BE, Thoma D, Jung R, Zwahlen M, Zembic A: A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses (FDPs) after a mean observation period of at least 5 years. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 22–38 — Häufigkeit technischer Komplikationen im Fünf- und Zehnjahresverlauf. DOIDeckt ab: Häufigkeit und Verteilung technischer Komplikationen im Langzeitverlauf
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76 — einschließlich der unterstützenden periimplantären Nachsorge.Deckt ab: Bedeutung der fortgesetzten Nachsorge über die Jahre
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630h — Behandlungsvertrag, Aufklärung, Mitwirkung des Patienten, Dokumentation und Beweislastregelungen.Deckt ab: Aufklärung über erwartbare Erneuerungen und deren Kosten

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