Knochenabbau im Kontrollröntgen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein radiologischer Befund ohne klinisches Korrelat — und die Frage, ob das schon etwas bedeutet. Die Antwort hängt an einem Bild, das hoffentlich in der Akte liegt.
„Ich merke gar nichts“
Beschwerdefreiheit sagt bei dieser Erkrankung wenig. Was die Einordnung möglich macht, ist die Referenzaufnahme — und die liegt hier vor.
Warum die Referenzaufnahme alles entscheidet
Die Falldefinition der Periimplantitis stützt sich auf den Vergleich mit einem Ausgangsbefund: Maßgeblich ist der Knochenverlust gegenüber der Situation nach Eingliederung der Suprakonstruktion, zusammen mit Blutung oder Eiteraustritt und erhöhter Sondierungstiefe.
Ohne diesen Bezugspunkt lässt sich der physiologische Umbau nicht vom pathologischen Verlust trennen — man sieht einen Knochenverlauf, aber nicht, wie er entstanden ist.
Das ist weniger präzise als der Vergleich, aber besser als keine Einordnung. Und es ist der Grund, warum die Aufnahme nach Eingliederung angefertigt und als Referenz gekennzeichnet gehört — sie wird Jahre später gebraucht.
Genau deshalb sind der radiologische Vergleich und die Sondierung die tragenden Befunde — nicht die Auskunft des Patienten.
Was ohne Entzündungszeichen zu bedenken ist
Im Fallbeispiel besteht Knochenverlust ohne Blutung. Das ist eine Konstellation, die zwei Erklärungen zulässt.
| Möglichkeit | Was dafür spricht | Vorgehen |
|---|---|---|
| Periimplantitis mit geringer klinischer Aktivität | Erhöhte Sondierungstiefe, Vorgeschichte, Risikofaktoren | Periimplantäre Diagnostik und Therapie |
| Überlastung als Mitursache | Kräftige Okklusionskontakte, Bruxismus, technische Komplikationen | Okklusion prüfen und anpassen |
Beide schließen einander nicht aus. Die Okklusionskontrolle gehört in jedem Fall dazu — sie ist schnell erledigt und kann eine Ursache beseitigen, die sonst weiterwirkt.
Abwarten bis zum nächsten regulären Recall. Ein festgestellter Knochenverlust über den Umbau hinaus ist ein Befund, der eine Reaktion verlangt — auch ohne Beschwerden und auch ohne Blutung. Der nächste Kontrolltermin wird vorgezogen, und die Ursache wird gesucht.
Drei Fragen
Bei einem beschwerdefreien Patienten zeigt die Kontrollaufnahme Knochenverlust gegenüber der Referenz. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gilt bei fehlender Referenzaufnahme?
Welche Ursache kommt bei Knochenverlust ohne Entzündungszeichen zusätzlich in Betracht?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Falldefinition der Periimplantitis, Bedeutung der Referenzaufnahme und Vorgehen bei fehlendem Ausgangsbefund
- Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Konsensusbericht zur Abgrenzung des physiologischen Umbaus vom pathologischen Knochenverlust
- Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76 — einschließlich der unterstützenden periimplantären Nachsorge.Deckt ab: diagnostisches Vorgehen bei festgestelltem Knochenverlust
- Strahlenschutzgesetz § 83 und Strahlenschutzverordnung § 119 — rechtfertigende Indikation vor jeder Anwendung ionisierender Strahlung.Deckt ab: rechtfertigende Indikation für Verlaufsaufnahmen
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