Implantologie Vertiefung 7 Min

Periimplantitis — chirurgisch oder explantieren

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die schwierigste Entscheidung dieses Fachgebiets — und eine, bei der die ehrliche Erfolgsangabe der Patientin mehr hilft als der Erhaltungsversuch um jeden Preis.

1Woran der Erhalt scheitertZwei Befunde, die keine Diskussion zulassen.
2Wie erfolgreich die chirurgische Therapie istDie Zahlen sind ernüchternder als erwartet.
3Was bei der Explantation zu bedenken istUnd wie der Defekt versorgt wird.
4Wie das Gespräch geführt wirdOhne es als Versagen darzustellen.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Muss das Implantat wirklich raus?“

Sprechstunde64 Jahre, Implantat regio 36. Die chirurgische Therapie liegt ein halbes Jahr zurück und hat den Befund nicht aufgehalten: ausgedehnter Knochenverlust, das Implantat ist beginnend beweglich, Eiteraustritt. „Sie haben alles versucht — was jetzt? Muss das Implantat wirklich raus?“

Ja. Bei beginnender Beweglichkeit ist die Entscheidung nicht mehr offen — und weiteres Zuwarten kostet nur Knochen, der später gebraucht wird.

Der springende PunktEin bewegliches Implantat hat seine knöcherne Verankerung verloren. Was übrig ist, ist eine Infektionsquelle im Kiefer.

Woran der Erhalt scheitert

Befund Bedeutung
Implantat beweglich Osseointegration verloren — keine Diskussion mehr
Kein tragfähiger Knochen mehr Auch ein Eingriff hätte kein Fundament
Therapierefraktäre Infektion Trotz durchgeführter Therapie kein Stillstand
Implantat nicht sinnvoll versorgbar Etwa bei ungünstiger Position nach Knochenverlust

Ehrlicher, als es manche Darstellung nahelegt: Langzeituntersuchungen beschreiben nach chirurgischer Therapie der Periimplantitis Erfolgsraten in einer Größenordnung um die Hälfte der behandelten Implantate — gemessen an zusammengesetzten Endpunkten über mehrere Jahre.

Das heißt: Der Eingriff lohnt sich, wenn die Voraussetzungen stimmen. Er ist aber kein sicherer Weg, und die Patientin sollte das wissen, bevor sie ihm zustimmt. Eine Erfolgsangabe, die sich nicht bestätigt, kostet mehr Vertrauen als eine ehrliche Zahl von Anfang an.

Was bei der Explantation zu bedenken ist

Punkt Inhalt
Entfernung So knochenschonend wie möglich — der Defekt bestimmt die Reimplantation
Granulationsgewebe Vollständig entfernen
Defektbeurteilung Ausdehnung und Wandigkeit bestimmen das weitere Vorgehen
Bei aktiver Infektion Kein simultanes Augmentat — erst ausheilen lassen
Bei sauberen Verhältnissen Simultane Augmentation möglich

Die Entscheidung über ein simultanes Augmentat hängt am Infektionsstatus. Ein Augmentat in einem infizierten Lager heilt nicht ein — und dann ist die Ausgangslage für den zweiten Anlauf schlechter als vorher.

⚠️ Wie das Gespräch geführt wird

Die Entscheidung klar benennen und begründen: dass weiteres Festhalten mehr schadet als die Entfernung. Nicht als Versagen darstellen — die Periimplantitis ist eine bekannte Spätkomplikation, keine Folge eines Fehlers. Und mit einem Weg nach vorn: Was nach der Ausheilung möglich ist, gehört ins selbe Gespräch, nicht in ein späteres.

Sie ist grundsätzlich möglich. Die Wartezeit richtet sich nach der knöchernen Ausheilung und dem Defektmanagement — sie liegt in der Größenordnung von Monaten.

Was vorher geklärt gehört: warum das erste Implantat verloren ging. Ein unveränderter Risikofaktor — Rauchen, unzureichende Hygiene, fehlende Nachsorge — gefährdet das zweite genauso. Diese Klärung ist die Bedingung, nicht die Formalität.

Drei Fragen

Ein Implantat ist nach erfolgloser chirurgischer Therapie beginnend beweglich. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei beweglichem Implantat fehlt das Fundament, auf dem ein Eingriff aufbauen könnte — was übrig ist, ist eine Infektionsquelle.Offene FrageWarum ist die knochenschonende Entfernung so wichtig? Weil der verbleibende Defekt bestimmt, was bei einer erneuten Implantation möglich ist.

Welche Aussagen zur chirurgischen Therapie treffen zu?

Drei. Er ist kein sicherer Weg — und eine Wiederholung ohne veränderte Voraussetzungen führt zum selben Ergebnis.Offene FrageWarum die ehrliche Zahl? Weil eine Erfolgsangabe, die sich nicht bestätigt, mehr Vertrauen kostet als eine realistische von Anfang an.

Wann wird bei der Explantation nicht simultan augmentiert?

Die erste. Ein Augmentat in einem infizierten Lager heilt nicht ein — und die Ausgangslage für den zweiten Anlauf wäre schlechter als vorher.Offene FrageWas folgt stattdessen? Ausheilen lassen und in einer zweiten Sitzung augmentieren. Das kostet Zeit und ist die sichere Variante.

Das, was hängenbleiben soll

Beweglich heißt raus — und die ehrliche Erfolgszahl hilft mehr als der Versuch um jeden Preis.

Quellen

  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F, Chapple I, Jepsen S, Sculean A, Kebschull M, Papapanou PN, Tonetti MS, Sanz M. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: chirurgische Behandlung der Periimplantitis, Bewertung adjuvanter systemischer und lokaler Antibiotika sowie der Verfahren zur Oberflächendekontamination
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al.: Prevention and treatment of peri-implant diseases – the EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50(Suppl. 26): 4–76 — chirurgische Therapieverfahren bei Periimplantitis und ihre Ergebnisse. DOIDeckt ab: Erfolgsraten nach chirurgischer Therapie über mehrere Jahre
  • Shenoy VK, Rodrigues SJ, Mukherjee S, Ramanathan A: Dental implant failure and retrieval techniques – a scoping review. Frontiers in Oral Health 2025; 6: 1667808 — Explantationstechniken und ihre Erfolgsraten. DOIDeckt ab: Indikationen und Verfahren der Explantation sowie das Defektmanagement
  • S2k-Leitlinie „Implantationszeitpunkte“, AWMF-Register-Nr. 083-040, Stand Juli 2023. Federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: zeitliche Planung einer erneuten Implantation nach Explantation

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