Implantologie Vertiefung 6 Min

Verblendungsfraktur und Materialversagen

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Stück Keramik ist abgeplatzt, und die Frage ist, ob reparieren oder neu machen. Die Antwort hängt an drei Merkmalen — und an der Frage, warum es passiert ist.

1Warum es an Implantaten häufiger vorkommtDie fehlende Dämpfung, wieder.
2Welche drei Merkmale die Entscheidung tragenAusdehnung, Lage, Freiliegen des Gerüsts.
3Was eine Reparatur leisten kannUnd wie lange sie hält.
4Warum die Ursachenklärung nicht optional istSonst platzt das nächste Stück.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Da ist ein Stück abgebrochen“

Sprechstunde61 Jahre, implantatgetragene Brücke im Seitenzahnbereich seit drei Jahren. An einem Höcker ist die Verblendkeramik abgeplatzt, das Gerüst liegt nicht frei, keine Beschwerden. „Da ist ein Stück abgebrochen — muss die ganze Brücke neu?“

Wahrscheinlich nicht. Aber bevor über die Reparatur gesprochen wird, gehört geklärt, warum es passiert ist.

Der springende PunktEine Verblendungsfraktur ohne freiliegendes Gerüst ist meist reparabel. Ohne Ursachenklärung platzt allerdings das nächste Stück.

Warum es an Implantaten häufiger vorkommt

Systematische Auswertungen führen Verblendungsfrakturen unter den häufigen technischen Komplikationen implantatgetragener Versorgungen. Der Grund ist derselbe wie bei der Schraubenlockerung: Es fehlt die Dämpfung durch das Parodontalligament.

Am natürlichen Zahn federt das Ligament Kraftspitzen ab, bevor sie die Verblendung erreichen. Am Implantat gehen sie ungedämpft in die Konstruktion — und Keramik verzeiht Spitzenbelastungen schlecht.

Einflussfaktor Wirkung
Bruxismus Der stärkste Einzelfaktor
Okklusale Überlastung Kontakte am Implantat zu kräftig
Ungünstige Gerüstgestaltung Keramik ohne ausreichende Abstützung
Zu große Schichtstärke der Verblendung Erhöht das Frakturrisiko
Fehlende Schutzschiene bei Bruxismus Die vermeidbare Ursache

Ausdehnung: Ein kleines Randstück ist etwas anderes als ein ganzer Höcker.

Lage: Im sichtbaren Bereich stellt sich die ästhetische Frage anders als im Seitenzahnbereich, wo eine Politur oft genügt.

Freiliegendes Gerüst: Das ist das wichtigste Merkmal. Liegt das Metall oder die Gerüstkeramik frei, ist die Haftfläche für eine Reparatur schlechter und die Frage nach der Neuanfertigung stellt sich ernsthaft.

Was möglich ist

Befund Naheliegendes Vorgehen
Kleine Absplitterung, Gerüst bedeckt, nicht sichtbar Glätten und polieren
Mittlere Ausdehnung, ästhetisch relevant Intraorale Reparatur mit Komposit
Gerüst freiliegend Reparatur mit eingeschränkter Prognose — Neuanfertigung erwägen
Wiederholte Frakturen Materialkonzept und Ursache überdenken

Zur intraoralen Reparatur: Sie ist möglich, und die Haftung auf Keramik lässt sich mit entsprechender Vorbehandlung herstellen. Sie ist allerdings eine Übergangslösung — die Farbstabilität und die Abrasionsfestigkeit von Komposit erreichen die der Verblendkeramik nicht.

⚠️ Warum die Ursachenklärung nicht optional ist

Eine reparierte Verblendung unter unveränderter Belastung frakturiert erneut — und beim zweiten Mal ist die Reparatur schwieriger. Okklusionskontrolle und, bei Bruxismus, die Schiene gehören deshalb vor die Reparatur, nicht danach.

Drei Fragen

An einer implantatgetragenen Brücke ist Verblendkeramik abgeplatzt, das Gerüst liegt nicht frei. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ohne freiliegendes Gerüst ist die Reparatur meist möglich — die Frage nach der Neuanfertigung stellt sich vor allem dann, wenn die Haftfläche fehlt.Offene FrageWas ist die Grenze der Reparatur? Komposit erreicht Farbstabilität und Abrasionsfestigkeit der Keramik nicht. Es ist eine gute Lösung, aber eine mit begrenzter Haltbarkeit.

Warum kommen Verblendungsfrakturen an Implantaten häufiger vor?

Drei. Es sind dieselben Materialien — was fehlt, ist die Dämpfung davor.Offene FrageWo ist derselbe Mechanismus noch relevant? Bei der Schraubenlockerung und bei der Okklusionsgestaltung. Die fehlende Dämpfung erklärt in der Implantatprothetik erstaunlich viel.

Was gehört vor die Reparatur?

Die erste. Eine reparierte Verblendung unter unveränderter Belastung frakturiert erneut — und beim zweiten Mal ist die Reparatur schwieriger.Offene FrageWas ist der stärkste Einzelfaktor? Bruxismus. Wer die Schiene erst nach der zweiten Fraktur anfertigt, hat zwei Reparaturen bezahlt, die vermeidbar gewesen wären.

Das, was hängenbleiben soll

Reparieren geht meist — aber erst die Ursache, sonst platzt das nächste Stück.

Quellen

  • Pjetursson BE, Thoma D, Jung R, Zwahlen M, Zembic A: A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses (FDPs) after a mean observation period of at least 5 years. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 22–38 — Häufigkeit der Verblendungsfraktur als technische Komplikation. DOIDeckt ab: Häufigkeit von Verblendungsfrakturen im Vergleich der Materialkonzepte und ihre Einflussfaktoren
  • Pjetursson BE, Thoma D, Jung R, Zwahlen M, Zembic A: A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses (FDPs) after a mean observation period of at least 5 years. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 22–38 — Häufigkeit technischer Komplikationen im Fünf- und Zehnjahresverlauf. DOIDeckt ab: Einordnung in das Gesamtbild technischer Komplikationen
  • Koyano K, Esaki D: Occlusion on oral implants – current clinical guidelines. Journal of Oral Rehabilitation 2015; 42(2): 153–161 — okklusale Gestaltung und Vermeidung von Überlastung. DOIDeckt ab: okklusale Gestaltung als Einflussfaktor
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über erwartbare technische Komplikationen und deren Dokumentation

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