Implantologie Vertiefung 7 Min

Schraubenlockerung und Schraubenfraktur

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die häufigste technische Komplikation — und die einzige, bei der die zweite Lockerung wichtiger ist als die erste.

1Warum sich Schrauben überhaupt lockernVorspannung und was sie aufhebt.
2Was beim ersten Mal genügtUnd warum das Anzugsdrehmoment eine Vorgabe ist.
3Warum die Wiederholung anders zu bewerten istSie ist ein Symptom, keine Panne.
4Was bei einer Fraktur folgtEin Aufwand, der sich vermeiden lässt.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Die wackelt schon wieder“

Sprechstunde54 Jahre, verschraubte Krone regio 36 seit zwei Jahren. Die Krone lässt sich minimal bewegen. Beim Nachfragen: Es ist das zweite Mal innerhalb eines Jahres. „Die wackelt schon wieder — beim letzten Mal haben Sie sie nur festgezogen.“

Beim ersten Mal war das richtig. Beim zweiten Mal ist Festziehen allein zu wenig.

Der springende PunktEine einmalige Lockerung ist eine Panne. Eine wiederholte ist ein Symptom — und die Ursache liegt selten in der Schraube.

Warum sich Schrauben lockern

Beim Anziehen wird die Schraube gedehnt und erzeugt eine Vorspannung, die die Verbindung zusammenhält. Diese Vorspannung geht verloren, wenn die Kontaktflächen sich unter Belastung minimal einebnen — oder wenn äußere Kräfte die Verbindung wiederholt auseinanderziehen.

Ursache Woran du sie erkennst
Anzugsdrehmoment nicht eingehalten Lockerung kurz nach der Eingliederung
Okklusale Überlastung Kontakte am Implantat kräftiger als an den Nachbarzähnen
Exzentrische Belastung Ungünstige Achse, breite Kaufläche, Freiendsituation
Bruxismus Schliffacetten, morgendliche Verspannungen
Fehlende Passivität der Konstruktion Vor allem bei mehrgliedrigen Versorgungen

Krone abnehmen, Verbindungsflächen reinigen, Schraube ersetzen und mit dem vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment anziehen — mit einer kalibrierten Ratsche, nicht nach Gefühl.

Das Drehmoment ist keine Empfehlung: Zu wenig erzeugt keine ausreichende Vorspannung, zu viel überdehnt die Schraube und schwächt sie. Beides führt zur nächsten Lockerung.

Die Schraube wird ersetzt, nicht wiederverwendet — sie hat beim ersten Anziehen bereits eine plastische Verformung erfahren.

Warum die Wiederholung anders zu bewerten ist

Bei der zweiten Lockerung innerhalb kurzer Zeit ist die Schraube nicht das Problem, sondern das, was auf sie wirkt. Wer erneut nur festzieht, behandelt das Symptom — und die dritte Lockerung kommt.

Schritt Inhalt
Okklusion prüfen Mit unterschiedlicher Bissstärke, nicht nur bei kräftigem Zusammenbeißen
Führung beurteilen Läuft eine Seitwärtsbewegung über das Implantat
Passung kontrollieren Bei mehrgliedrigen Versorgungen: wippt die Konstruktion
Bruxismus abklären Schliffacetten, Anamnese — und gegebenenfalls Schiene
Erst dann anziehen Nachdem die Ursache angegangen ist
⚠️ Was bei einer Fraktur folgt

Bricht die Schraube, ist der Aufwand ungleich höher: Das Fragment sitzt im Innengewinde des Implantats und muss entfernt werden — mit speziellen Instrumenten und ohne das Gewinde zu beschädigen. Gelingt das nicht, kann das Implantat unversorgbar werden.

Das ist der eigentliche Grund, warum die wiederholte Lockerung ernst genommen wird: Sie ist die Vorstufe.

Drei Fragen

Eine verschraubte Krone lockert sich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Bei der zweiten Lockerung ist die Schraube das Symptom — wer nur festzieht, bekommt eine dritte.Offene FrageWarum ist die Wiederholung so ernst? Weil sie die Vorstufe zur Fraktur ist. Ein Schraubenfragment im Innengewinde ist ein ungleich größeres Problem.

Welche Ursachen kommen bei wiederholter Lockerung in Betracht?

Drei. Durchmesser und Einheilzeit haben mit der Vorspannung der Schraube nichts zu tun.Offene FrageWas ist Passivität? Dass die Konstruktion spannungsfrei aufsitzt. Wippt sie beim Wechsel der Schraube, steht sie unter Dauerspannung — und die löst die Verbindung immer wieder.

Warum wird das Anzugsdrehmoment eingehalten und nicht nach Gefühl angezogen?

Die erste. Beide Abweichungen führen zur nächsten Lockerung — deshalb die kalibrierte Ratsche statt des Gefühls.Offene FrageWas passiert bei Überdehnung? Die Schraube wird plastisch verformt und geschwächt. Genau deshalb wird sie bei jeder Neuverschraubung ersetzt.

Das, was hängenbleiben soll

Einmal ist eine Panne, zweimal ist ein Symptom — und die Fraktur ist der Grund, warum es zählt.

Quellen

  • Pjetursson BE, Thoma D, Jung R, Zwahlen M, Zembic A: A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses (FDPs) after a mean observation period of at least 5 years. Clinical Oral Implants Research 2012; 23(Suppl. 6): 22–38 — Häufigkeit technischer Komplikationen im Fünf- und Zehnjahresverlauf. DOIDeckt ab: Häufigkeit und Verlauf von Schraubenlockerung und Schraubenfraktur sowie ihre Einflussfaktoren
  • Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantat- und Attachmentsystems Sie sind für Anzugsdrehmomente, Ersatzkomponenten, Retentionsstärken und Wartungsintervalle die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Anzugsdrehmomente, Schraubenwechsel und Ersatzkomponenten
  • Koyano K, Esaki D: Occlusion on oral implants – current clinical guidelines. Journal of Oral Rehabilitation 2015; 42(2): 153–161 — okklusale Gestaltung und Vermeidung von Überlastung. DOIDeckt ab: okklusale Überlastung als Ursache wiederholter Lockerungen
  • S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus“, AWMF-Registernummer 083-027, Stand Mai 2019, AWMF-Register-Nr. 083-027, federführend DGFDT und DGZMK.Deckt ab: Bruxismus als Belastungsfaktor und Stellenwert der Schienentherapie

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