Implantologie Vertiefung 7 Min

Das Abutment — Auswahl und Material

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Das Verbindungsstück zwischen Implantat und Krone — und die Stelle, an der mehrere Entscheidungen zusammenlaufen, die sich später nur mit Aufwand korrigieren lassen.

1Was das Abutment leistetDrei Aufgaben zugleich.
2Konfektioniert oder individuellWoran sich die Wahl bemisst.
3Welche Materialien in Frage kommenUnd wo ihre Grenzen liegen.
4Warum der Wechsel selbst etwas kostetEin Argument für ein bestimmtes Vorgehen.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

Die Entscheidung vor der Krone

Planung49 Jahre, Implantat regio 21 im sichtbaren Bereich, Weichgewebe dünn und gut ausgeformt. Das Labor fragt nach der Abutmentwahl: konfektioniert oder individuell, und in welchem Material.

Die Frage klingt technisch und ist eine ästhetische, eine funktionelle und eine biologische zugleich.

Der springende PunktDas Abutment durchdringt die Weichgewebsmanschette. Was dort sitzt, bestimmt Kontur, Durchschimmern und die Reinigbarkeit des Übergangs.

Was das Abutment leistet

Aufgabe Was davon abhängt
Verbindung Die Krone wird darauf befestigt oder damit verschraubt
Durchtritt Es formt den Übergang durch die Weichgewebsmanschette
Achsausgleich Es korrigiert eine ungünstige Implantatachse in Grenzen

Der dritte Punkt hat eine Grenze: Ein Abutment kann eine Achsabweichung ausgleichen, aber nicht beliebig. Was bei der Implantatsetzung schiefgelaufen ist, lässt sich prothetisch nur teilweise retten — und die Belastung wird dabei ungünstiger.

Konfektioniert Individuell
Form Vorgegeben An das Emergenzprofil angepasst
Aufwand und Kosten Geringer Höher
Achsausgleich Begrenzt, in Standardwinkeln Frei gestaltbar
Geeignet für Seitenzahnbereich, günstige Achse Sichtbarer Bereich, ungünstige Achse, dünnes Gewebe

Titan ist mechanisch belastbar und langzeiterprobt. Nachteil: Es kann bei dünnem Weichgewebe gräulich durchschimmern — im sichtbaren Bereich ein relevantes Problem.

Zirkoniumdioxid ist zahnfarben und löst dieses Problem. Es ist mechanisch weniger nachgiebig, und die direkte Verbindung mit dem Implantat wird kritisch diskutiert — die Kombination aus Zirkon und Titan an der Verbindungsfläche kann zu Verschleiß führen.

Hybridabutments verbinden beides: eine Titanbasis an der Implantatverbindung, darauf ein individualisierter Zirkonanteil. Das ist im sichtbaren Bereich der verbreitete Kompromiss.

Warum der Wechsel selbst etwas kostet

Jedes Abschrauben und Wiederaufsetzen eines Abutments löst die Anheftung der Weichgewebsmanschette an dessen Oberfläche. Sie muss sich neu bilden — und dabei kann sich das Attachment jedes Mal etwas weiter nach apikal verlagern.

Daraus folgt ein Vorgehen, das darauf abzielt, das definitive Abutment möglichst früh aufzusetzen und nicht mehr zu entfernen. Die Krone wird dann darauf zementiert oder verschraubt, ohne dass die Verbindung zum Implantat nochmals gelöst wird.

Vorgehen Erwägung
Mehrfacher Wechsel Flexibler im Ablauf, belastet die Manschette wiederholt
Einmaliges Aufsetzen Schont die Anheftung, erfordert frühere Festlegung
⚠️ Zur Kompatibilität

Die Verbindungsgeometrien der Systeme sind nicht austauschbar. Systemfremde Komponenten mögen mechanisch passen — für die Präzision der Passung, die Dichtigkeit der Verbindung und die Haftung im Schadensfall gilt das nicht. Die Herstellerangaben sind hier die maßgebliche Quelle, und zwar auch dann, wenn eine Alternative günstiger ist.

Bei diesem Konzept ist das Abutment im Durchmesser kleiner als die Implantatschulter — die Verbindungsfläche liegt damit nach innen versetzt. Der Gedanke: Die entzündliche Reaktion an der Fügestelle rückt vom marginalen Knochen ab.

Systematische Auswertungen beschreiben dazu einen günstigen Effekt auf den marginalen Knochenverlauf. Ob und wie stark er klinisch ins Gewicht fällt, wird unterschiedlich bewertet — als Konzept ist es in vielen Systemen umgesetzt.

Drei Fragen

Bei einem Implantat regio 21 mit dünnem Weichgewebe steht die Abutmentwahl an. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Im sichtbaren Bereich mit dünnem Gewebe spricht alles für eine individuelle Lösung — die konfektionierte Form passt sich dem Emergenzprofil nicht an.Offene FrageWas ist der praktische Unterschied? Das individuelle Abutment folgt der Kontur, die der Gingivaformer geschaffen hat. Ein konfektioniertes zwingt die Manschette in eine Form, die nicht zu ihr passt.

Welche Aussagen zum Abutmentwechsel treffen zu?

Drei. Der Wechsel ist nicht folgenlos, und systemfremde Komponenten betreffen Präzision, Dichtigkeit und die Haftung im Schadensfall.Offene FrageWas folgt daraus praktisch? Ein Vorgehen, das das definitive Abutment früh aufsetzt und nicht mehr entfernt. Das erfordert eine frühere Festlegung — und schont dafür die Anheftung.

Was ist der Gedanke hinter dem Platform Switching?

Die erste. Die entzündliche Reaktion an der Fügestelle liegt dadurch weiter von der Knochenkante entfernt.Offene FrageWie belastbar ist der Effekt? Systematische Auswertungen beschreiben einen günstigen Einfluss auf den marginalen Knochenverlauf. Wie stark er klinisch ins Gewicht fällt, wird unterschiedlich bewertet.

Das, was hängenbleiben soll

Das Abutment durchdringt das Weichgewebe — und jeder Wechsel kostet Anheftung.

Quellen

  • Vechiato-Filho AJ, Pesqueira AA, De Souza GM et al.: Are zirconia implant abutments safe and predictable in posterior regions? A systematic review and meta-analysis. International Journal of Prosthodontics 2016; 29(3): 233–244 — Vergleich von Zirkondioxid- und Titanabutments nach Erfolgsrate und Knochenverlust. DOIDeckt ab: Abutmentmaterialien, konfektionierte und individuelle Ausführungen sowie das Konzept des einmaligen Abutmentanschlusses
  • Atieh MA, Ibrahim HM, Atieh AH: Platform switching for marginal bone preservation around dental implants – a systematic review and meta-analysis. Journal of Periodontology 2010; 81(10): 1350–1366 — Einfluss des Platform Switching auf den marginalen Knochenverlust. DOIDeckt ab: Einfluss der Durchmesserreduktion an der Implantat-Abutment-Verbindung auf den marginalen Knochenverlauf
  • Gebrauchsanweisung und prothetisches Handbuch des verwendeten Implantatsystems Sie sind für Komponentenauswahl, Verbindungsgeometrie, Anzugsdrehmomente und Kompatibilität die maßgebliche Quelle.Deckt ab: Verbindungsgeometrie, Anzugsdrehmomente und Kompatibilität der Komponenten
  • Medizinprodukterecht — Anforderungen an die Verwendung von Komponenten und die Verantwortung bei systemfremder Kombination.Deckt ab: Verantwortung bei der Verwendung systemfremder Komponenten
  • Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Einordnung des marginalen Knochenumbaus in die Falldefinitionen

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