Implantologie Vertiefung 7 Min

Blutung während des Eingriffs

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die meisten Blutungen sind lokal beherrschbar. Eine Konstellation ist es nicht — und sie erkennt man nicht am Blut, sondern am Mundboden.

1Wie die lokale Blutstillung abläuftVier Stufen, aufsteigend.
2Welcher Befund den Notfall kennzeichnetEr entwickelt sich, während man mit der Blutung beschäftigt ist.
3Warum die Lagerung entscheidend istEine falsche Position verschlechtert die Lage sofort.
4Wo die Gefahrenzone liegtUnd was das für die Planung bedeutet.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Das hört nicht auf“

Im Eingriff57 Jahre, Implantatinsertion regio 36. Nach der Bohrung tritt eine kräftige, pulsierende Blutung aus dem Bohrloch auf. Der Mundboden ist zunächst unauffällig. Die Assistenz: „Da blutet es stark — das hört nicht auf.“

Die Blutung selbst ist zu beherrschen. Was währenddessen im Blick bleiben muss, ist der Mundboden — dort entscheidet sich, ob aus einer Komplikation ein Notfall wird.

Der springende PunktEine Blutung in den Mundboden hebt die Zunge an und kann den Atemweg verlegen. Dieser Befund entwickelt sich, während man mit der Blutstillung beschäftigt ist.

Die lokale Blutstillung

Stufe Maßnahme
1 Kompression mit einem Tupfer, über mehrere Minuten ohne Zwischenkontrolle
2 Einlage eines resorbierbaren Hämostyptikums in das Bohrloch
3 Naht über der Wunde, gegebenenfalls mit Kompression darunter
4 Gezielte Koagulation bei sichtbarem Gefäß

Der häufigste Fehler auf Stufe 1: zu früh nachschauen. Eine Kompression wirkt, wenn sie ununterbrochen aufrechterhalten wird — jedes Anheben des Tupfers setzt den Vorgang zurück. Die Uhr ist hier nützlicher als das Auge.

Lässt sich die Blutung stillen, kann der Eingriff fortgesetzt oder die Wunde verschlossen und die Implantation verschoben werden. Beides ist vertretbar — die Entscheidung hängt vom Befund und von der Gesamtsituation ab.

Kritisch ist der Bereich zwischen den Foramina mentalia im Unterkiefer. Dort verlaufen Gefäße, die in den Mundboden ziehen, und die lingual gelegene Kortikalis kann konkav eingezogen sein — ein Bohrer, der der geplanten Achse folgt, kann sie dennoch perforieren.

Das ist der Grund, warum die dreidimensionale Beurteilung in diesem Bereich auch dann sinnvoll ist, wenn reichlich Knochenhöhe vorhanden scheint: Die Höhe ist nicht das Problem, die linguale Kontur ist es.

Der Befund, der den Notfall kennzeichnet

Zeichen Bedeutung
Schwellung oder Verhärtung des Mundbodens Das Leitzeichen — sofort handeln
Anhebung der Zunge Der Atemweg wird eingeengt
Sprech- oder Schluckstörung Fortgeschritten
Atemnot Akute Gefährdung

Was sofort geschieht: Eingriff beenden, Notruf absetzen, den Patienten sitzend belassen und die Atmung überwachen. Der Transport erfolgt ebenfalls sitzend.

⚠️ Warum nicht hinlegen

In liegender Position verlagert sich die angehobene Zunge weiter nach dorsal und verengt den Atemweg zusätzlich. Der Reflex, einen kreislaufinstabilen Patienten flach zu lagern, ist hier falsch — die Atemwegsgefährdung wiegt schwerer. Diese eine Entscheidung gehört gewusst, bevor die Situation eintritt.

Er entwickelt sich nicht spektakulär, sondern langsam — und die Aufmerksamkeit ist auf das Bohrloch gerichtet. Deshalb gehört bei jeder relevanten Blutung im Unterkiefer die Palpation und Inspektion des Mundbodens zum Vorgehen, und zwar wiederholt.

Auch nach dem Eingriff: Ein Hämatom kann sich über Stunden ausdehnen. Der Patient gehört über die Warnzeichen informiert, mit der klaren Ansage, sich bei Schwellung unter der Zunge, Schluck- oder Sprechbeschwerden sofort zu melden.

Drei Fragen

Bei einer Implantation regio 36 tritt eine starke Blutung auf. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. In liegender Position verlagert sich die angehobene Zunge weiter nach dorsal und verengt den Atemweg zusätzlich. Der Patient bleibt sitzend — auch beim Transport.Offene FrageWarum ist das kontraintuitiv? Weil der Reflex bei einem kreislaufinstabilen Patienten die Flachlagerung ist. Hier wiegt die Atemwegsgefährdung schwerer, und diese Entscheidung gehört gewusst, bevor die Situation eintritt.

Welche Zeichen kennzeichnen die gefährliche Entwicklung?

Drei. Die Blutung aus dem Bohrloch ist das, was auffällt — der gefährliche Befund entsteht daneben. Und eine Wangenschwellung ist etwas anderes als eine Mundbodenschwellung.Offene FrageWarum wird der Mundboden übersehen? Weil die Aufmerksamkeit auf der Blutungsquelle liegt und die Entwicklung langsam verläuft. Genau deshalb gehört die Prüfung wiederholt und aktiv.

Warum ist die dreidimensionale Beurteilung im interforaminalen Bereich sinnvoll?

Die erste. Nicht die Höhe ist das Problem, sondern die Kontur — ein Bohrer, der der geplanten Achse folgt, kann eine eingezogene linguale Wand dennoch perforieren.Offene FrageWas heißt das für die Planung? Dass reichlich Knochenhöhe kein Grund ist, auf die dreidimensionale Beurteilung zu verzichten. Die relevante Information liegt in einer Ebene, die die Übersichtsaufnahme nicht zeigt.

Das, was hängenbleiben soll

Der gefährliche Befund ist der Mundboden, nicht das Blut — und der Patient bleibt sitzen.

Quellen

  • Notfallmanagement in der zahnärztlichen Praxis — Leitlinien und Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Erkennung und Erstversorgung von Notfällen mit Atemwegsgefährdung.Deckt ab: Erkennung und Erstversorgung von Notfällen mit Atemwegsgefährdung in der zahnärztlichen Praxis
  • S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Registernummer 083-018 — Vorgehen bei antikoagulierten Patienten und lokale Blutstillung. AWMFDeckt ab: Umgang mit antithrombotischer Medikation bei chirurgischen Eingriffen und lokale Blutstillung
  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: präoperative Beurteilung der anatomischen Verhältnisse und Gefäßvarianten
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation des Ereignisses, der Maßnahmen und der veranlassten Weiterbehandlung

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